Archiv für den Monat Juli 2014

Glaubenssätze zum Wiedereinstieg bei Unternehmen

Arbeitende Eltern – sind Sie bei Personalern und Unternehmern beliebt? Oder machen sie viel Arbeit, fallen oft aus und sind weniger produktiv? Arbeitgeber befürchten, dass arbeitende Eltern weniger engagiert sind oder bald mit einem weiteren Kind wieder „ausfallen“. Auch die Frage, wie aktuell das Wissen der Rückkehrer ist, scheint ein Thema zu sein. (gefunden u. a. in einer Studie von Regus, Luxemburg, unter 10.000 leitenden Angestellten in 78 Ländern zur Chancengleichheit im Berufsleben 2010 / 2011, zitiert in impulse vom 1. Oktober 2013)

Was bringen arbeitende Eltern mit (also Menschen, die arbeiten und erziehen)?

  • positiv-intuitives Herangehen
    Arbeitende Eltern leben mit Kindern in einem Haushalt. Und nichts ist positiver bzw. intuitiver als Kinder! Diese Erfahrung ist dann auch im Job nutzbar.
  • Offenheit und Neugier
    Das sind die besten Voraussetzungen, um schnell wieder in den Arbeitsinhalten anzukommen. Gehirnforscher wissen, dass neugierige Menschen eine größere Gehirnmasse besitzen! Wie ist das mit Eltern? Wie viele Warum-Fragen beantworten Eltern? Bücher vorlesen, Museen besuchen, die Unterhaltungen am Esstisch – das sind alles Quellen und Plätze für Offenheit und Neugier. Und diese Haltung bringen arbeitende Eltern mit.
  • Trial-and-Error-Erfahrung
    Eltern kennen sowohl bei sich als auch bei ihren Kindern das  „Scheitern“. Das gehört zu vielen Lern- und Entwicklungsprozessen dazu.  Arbeitende Eltern sind Lernbegleiter und Motivatoren für ihre Kinder. Die „Frustrationstoleranz“ im Umgang mit  Scheitern bei sich und bei den Kindern bringen arbeitende Eltern mit – und sind nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen.
  • Networking-Fähigkeiten
    Vernetzt sein in- und außerhalb des Unternehmens ist in Zeiten von schnellem und stetigem Wandel eine wichtige Grundlage für beruflichen Erfolg. Und wie ist das bei Eltern? Arbeitende Eltern benötigen Netzwerke, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestalten zu können. Die Clique vom Spielplatz, das Kita-Mütter-Netzwerk für kurzfristige Überstunden, die Sport-Mütter und Väter sind funktionierende Netzwerke, die Eltern pflegen und nutzen. Netzwerk-Ratgeber brauchen Eltern nicht – sie wissen um die Do’s und Dont’s für erfolgreiches Networking.
  • Multitasking
    Viele Aufgaben und Zuständigkeiten, viele Unterbrechungen und einige Todos gleichzeitig bei immer höherer Geschwindigkeit ist an vielen Arbeitsplätzen normal. Und was ist der Erfahrungshorizont von Eltern? Essen zubereiten, dabei nach den Hausaufgaben des einen schauen und mit einem Ohr hören, ob die andere nicht zu ruhig ist (und damit Gefahr im Verzug wäre) ist Alltag für arbeitende Eltern. Mit dieser Fähigkeit und guten Training darin kommen Wiedereinsteiger in den Job zurück! Auch die Frage, was volle Aufmerksamkeit braucht und was im Multitasking-Modus erledigt werden kann, ist geübt und abrufbar.

Eine Studie der Universität Heidelberg (gefunden in ATKearney 361° vom 10. Juni 2014)  belegt:

  • Gut ausgebildete Mütter sind besonders effizient und bringen ein hohes Pflichtbewusstsein mit. Sie beschränken die Pausen auf ein Minimum.
  • Wenn der Wiedereinstieg gut gelungen ist, sind arbeitende Eltern die loyalsten Mitarbeiter.
  • „Familienfreundlich“ ist für junge, gut ausgebildete Mitarbeiter ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers.
  • Projektarbeit ist ein guter Weg für den Wiedereinstieg

Damit müssten die meisten Glaubenssätze widerlegt sein – oder? Welche Glaubenssätze erleben Sie beim Wiedereinstieg als Wiedereinsteiger oder als Vorgesetzter bzw. Unternehmer? Und wie begegnen Sie ihnen?

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Klassische Rollenmodelle – und der Wiedereinstieg?!

„Nur die Frau arbeitet und der Mann kümmert sich um die Kindererziehung – das finde ich gut, könnte ich mir auch in meiner eigenen Partnerschaft vorstellen.“ Diesem Satz stimmten 1993 21 % der Frauen und 15 % der Männer zu. 2013 waren es 23 % der Frauen und 17 % der Männer.  (Quelle Vorwerk Familienstudie 2013 unter 1.548 Personen, Allensbach/Wuppertal 2013, gefunden in managerSeminare, Februar 2014)

Sind das ermutigende Zahlen, weil es einen Zuwachs von 2 % gab oder sind das eher schlechte Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wiedereinstieg? 44 % der Befragten meinen, dass der Mann für die Karriere zurückstecken kann, damit die Frau arbeiten kann. 1993 waren es 50 % der Befragten, die diesem Satz zustimmten! Ein Halbtagsjob für den Mann, damit dieser sich auch um die Kinder kümmern kann, ist für 36 % der Befragten vorstellbar (und damit 2 % mehr als 1993). Elternzeit für Väter ist aber heute selbstverständlicher als früher (50 % statt 20 % in 1993).

Für die Familien, die den Wiedereinstieg planen, ist das eine Herausforderung. Sich von tradierten Rollenbildern zu lösen und den eigenen Weg zu gehen, braucht Zeit zum Austausch und Reflektieren, Rollenbilder sind nicht sofort spürbar. Sie äußern sich oft in Grundsatzaussagen (z. B. das wird so nicht gehen), die erst einmal im Raum stehen. Das Hinterfragen solcher Aussagen durch den Partner wird nicht immer akzeptiert. Eine gelassene Haltung und Zeit für gute Gespräche sind ein Weg, um zu erkennen, was die jeweiligen Bedürfnisse und Wünsche sind. Auf dieser Basis kann dann ein gemeinsamer Plan entstehen. Und wenn dann auch der Arbeitgeber mitspielt gelingt der Wiedereinstieg und alle Beteiligten profitieren davon.

Der Studienbericht kann unter httpps://http://newsroom.vorwerk.de/publikationen/publikationen/  (weiter unten unter Vorwerk Familienstudien) kostenlos heruntergeladen werden.

„Glaubenssätze“ rund um den Wiedereinstieg

Auf der einen Seite sind für einen erfolgreichen Wiedereinstieg Rahmenbedingungen wichtig, die eher von den Unternehmen oder der Gesellschaft gestaltet werden. Auf der anderen Seite gelingt der Wiedereinstieg auch nur dann, wenn beim Wiedereinsteiger die Ampel auf „grün“ steht.

Bei meinem Arbeiten mit Wiedereinsteigern begegnen mir Bedenken und Sorgen. Als Therapeutin und Supervisorin weiß ich, dass man diese Ängste nicht „wegmachen“ kann. Ich weiß aber auch, dass solche Gedanken zu Realitäten werden können. Solche „Glaubenssätze“ beeinflussen unser Denken und Handeln und gestalten unser Erleben. Daher lohnt sich ein Blick darauf:

Mein Kind ist noch zu klein / zu jung / kann das noch nicht / …

Das ist eine der größeren Ängste, vor allem, wenn das Kind in die Krippe gehen soll. Je nach Lage auf dem Arbeitsmarkt werden diese Ängste auch geschürt (z. B. die Mutter ist die wichtigste Bezugsperson und ein zu früher Wiedereinstieg verringert die emotionale Stabilität). Heike Hölling, Studienleiterin (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey)  am Robert-Koch-Institut, sagt: „Wenn die Mütter nur zu Hause sind, haben ihre Kinder ein 3,1-fach erhöhtes Risiko, psychisch auffällig zu werden.“ (gefunden in psychologie heute, Juni 2011, S. 42)

Wie soll ich das alles schaffen / Das wird mir zu viel / es kommt so viel auf mich zu / …

Ja, es steht eine Veränderung an. Und – sie ist bewältigbar. Mit dieser Sorge lässt sich gut umgehen. Klären Sie mit ihrem Umfeld, wer welche Arbeiten übernehmen kann. Vielleicht nehmen Sie auch die Dienste eines Haushaltsservices in Anspruch. Welche Arbeiten werden nicht mehr gemacht? Auch wenn mit dem 1. Kind oft die „Retraditionalisierung“ in den Rollen Vater (Ernährer) und Mutter (Kümmerer rund um die Familie) stattfindet, dürfen Sie es gerne anders machen. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Umfeld Freiräume geben, Dinge anders zu erledigen als Sie selbst es tun würden. Nur so entsteht Entlastung.

Planen Sie von Anfang an auch Freiräume für sich selbst ein. Gewöhnen Sie sich gleich an, Freundschaften ohne Kinder zu pflegen und tun Sie etwas für Entspannung oder Erholung – regelmäßig im Alltag und nicht nur im Urlaub.

Mein Kind wird in der Schule schlechter sein / ich kann bei den Hausaufgaben nicht helfen / …

Auch das ist widerlegt! Una Röhr-Sendlmeier  und ihr Team fanden folgendes (gefunden in psychologie heute, Juni 2011, S. 40):

  • Am Gymnasium (Regelklassen 5 – 10) sind 75 % der Mütter berufstätig.
  • In den Begabtenklassen liegt die Quote bei 82 %.
  • Sind Mütter berufstätig, lernen Kinder motivierter, ihr schulisches Selbstkonzept und ihre Beufswahlreife ist besser entwickelt als die von Kindern von „Nur-Hausfrauen“.

Eine Detailauswertung der PISa-Studie (2010) zeigt dies (gefunden in psychologie heute, Juni 2011, S. 40):

  • Die Chance auf ein Gymnasium zu kommen ist 3,7 fach höher, wenn die Mütter arbeiten (Mecklenburg-Vorpommern).
Ich muss meinem Arbeitgeber dankbar sein, dass ich wieder arbeiten „darf“

Wenn Sie diesen Blog öfter lesen, haben Sie schon erfahren können, dass familienfreundliche Unternehmen betriebswirtschafliche Vorteile haben. Ein Unternehmen tut selten etwas, wenn es sich nicht auch einen Nutzen davon verspricht. Und gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie rechnen sich. Ein weiterer Aspekt ist, dass Wiedereinsteiger sozusagen eine „stille Reserve“ im Fachkräftemangel sind. Treten Sie entsprechend auf – Sie sind es wert!

Sicher gibt es noch mehr Ängste oder Sorgen. Prüfen Sie für sich, was Ihnen so im Kopf, im Herzen und im Bauch  „herum geht“. Nehmen Sie sich Zeit dafür und erstellen Sie eine Liste. Bewerten Sie die einzelnen Punkte mit 3 (groß), 2 (mittel) und 1 (klein). Recherchieren Sie Zahlen / Daten / Fakten zu den 3er-Punkten – oder kontaktieren Sie mich. So nehmen Sie Ihre Ängste ernst und setzen sich damit auseinander. Oft reicht das schon,  um durch die Schriftlichkeit, das Gewichten und das Recherchieren den Ängsten ihre Größe zu nehmen. Viel Erfolg damit!