Archiv für den Monat März 2015

Arbeiten als Mutter und Karriere machen?

Einiges ist in Bewegung geraten – doch Vorurteile und gesellschaftliche Meinungen sind wohl langsamer in der Veränderung. Mir begegnen Mütter, die Karriere machen wollen und Kinder erziehen wollen – gemeinsam mit dem Partner. Bei meinen Kunden ist die Botschaft „Frauenförderung“ bzw. „Frauenquote“ angekommen. In einem Konzern wurde auf Vorstandsebene ein Netzwerk initiiert für Frauen mit Karrierechancen.

Doch was bedeutet Karriere für Mütter? In Gesprächen höre ich, dass Karriere nur Vollzeit funktioniert. Und einige Mütter realisieren das. Sie kommen nach dem Mutterschutz wieder, steigen bald wieder ein. Was passiert diesen Frauen? Teilweise sind sie in ihrem Umfeld Fragen ausgesetzt, die kein Vater hören muss. Wie sie so schnell wieder arbeiten könne, das Kind sei doch noch so klein? Wie denn die Betreuung geregelt sei, wenn sie schon wieder arbeite? Und die Mütter machen sich selbst Gedanken, teilweise aufgrund der Fragen von außen, teilweise aufgrund verinnerlichter Familien- und Mütter-Vorbilder. Gedanken, die den Wiedereinstieg oft nicht leicht machen. Gedanken, die schlechte Gefühle verursachen. Ich sage: Stopp! Wenn die Eltern ein für sich stimmiges Modell gefunden haben, ist es „wurscht“, was das Umfeld davon hält. Wenn das Kind wächst und gedeiht, ist es „wurscht“, was das Umfeld von der frühen „Fremdbetreuung“ hält. Eltern sollten selbstbewusst auftreten und für andere ihre Geschichte erzählen.

Es scheint jedoch schwer zu sein, das eigene Modell zu finden. Es scheint schwer zu sein, sich frei zu machen von gesellschaftlichen Leitbildern und Normen. Daher braucht es aus meiner Sicht viel mehr Vorbilder und Berichte über Familien, die es „anders“ machen als der Mainstream. Und dazu möchte ich beitragen. Deshalb finden Sie hier ein Interview mit Kerstin Battiany, Senior HR Business Partnerin bei Airbus:

http://atkearney361grad.de/debatte/kerstin-battiany-mutterschaft-darf-kein-show-stopper-sein/

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Ist Vereinbarkeit Familie / Beruf eine Sache der Frauen?

In der letzten Zeit habe ich mehrere Artikel in den Online-Medien gelesen, die von Frauen berichten, die nicht wiedereinsteigen wollen oder können. Mütter berichten, dass sie z. B. mit drei Kindern und dem entsprechenden „Betreuungsprogramm“ am Nachmittag gar nicht arbeiten könnten – und auch nicht wollen. Daraus wird dann teilweise Kritik am „System“ abgeleitet.

Mich machen solche Artikel nachdenklich und auch etwas emotional. Aus meiner Sicht wird damit die Vereinbarkeitsfrage auf die Schultern der Mütter geladen. Vereinbarkeit ist aber eine Thema der Familie und des Paares bzw. der Eltern. Ja, es gibt auch Alleinerziehende. Doch die Artikel, die ich gelesen habe, waren über Mütter, die mit ihrem Mann in einer Partnerschaft leben.

Wenn sich ein Paar entscheidet, drei Kinder zu haben, dann ist das eine Entscheidung des Paares. Wenn sich ein Paar entscheidet, dass sich die Kinder nachmittags sportlich, musikalisch oder kreativ betätigen, dann ist das eine Entscheidung des Paares. Und wenn das Paar entscheidet keine Kinderfrau zu beschäftigen, die die Familienorganisation mit übernimmt (aus welchen Gründen auch immer), dann ist das eine Entscheidung des Paares. Und wenn der Vater entscheidet, 100 % zu arbeiten, dann hat das Auswirkungen auf die Möglichkeit der Mutter, wiedereinzusteigen. Auch wenn die Mütter vielleicht den Eindruck haben, sie hätten diese Entscheidungen selbst getroffen, werden diese Entscheidungen so lange vom Partner mitgetragen, wie dieser nicht eine andere Entscheidung haben möchte.

Die Frage der Vereinbarkeit wird so vielfältig zu beantworten sein, wie es Familien gibt. Und damit gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, sondern ein „Was passt für uns?“. Jedes Paar hat seine eigenen Vorstellungen zu Paar-Sein, beruflicher Entwicklung von Mann und Frau und der Frage, wie die eigenen Kind(er) groß werden sollen. Aus meiner Sicht ist daher Respekt für die Entscheidungen nötig – egal wie sie vom Paar getroffen werden.

Wir sind nicht mehr im Zeitalter unserer Eltern oder Großeltern, wo es wenig gesellschaftlich akzeptierte Lebensentwürfe für Männer und Frauen gab. Das hat klar Vorteile für uns heute – wir haben heute den Freiraum, unseren eigenen Weg zu gehen. Das bringt aber auch die Last der Entscheidung mit sich, welchen Weg Mann, Frau und das Paar gehen möchten. Und es hat den Nachteil, dass es kein „richtig“ und „falsch“ mehr gibt. Und manchmal ist es viel schwerer, eine Entscheidung zu treffen, als einen vorgezeichneten Lebensweg zu gehen.

Es gibt für mich noch eine zweite Komponente in diesem Feld. Was ich mir von den Paaren wünsche, ist mit den Konsequenzen der getroffenen Entscheidungen zu leben und diese zu akzeptieren. Wenn das Paar entscheidet, dass der Mann die 100 %-Beschäftigung leistet und die Frau die Familienorganisation weitestgehend trägt, dann ist wahrscheinlich ein Wiedereinstieg für die Mutter kein Thema – so lange die Entscheidungen nicht revidiert oder anders getroffen werden. Liebe Mütter: Bitte akzeptiert die Konsequenzen dieser Entscheidungen und lasst es euch damit gut gehen.

Wenn wir in unserer Gesellschaft die Vereinbarkeit auf die Schultern der Mütter laden, dann wird es Mütter mit schlechtem Gewissen geben, die „zu Hause bleiben“. Und je nach gesellschaftlicher Strömung wird es Mütter mit schlechtem Gewissen geben, die Vollzeit arbeiten und sich „nicht um ihre Kinder kümmern“. Vereinbarkeit ist die Sache des Paares und der Familie – und damit sind viele Modelle möglich, ohne eines zu favorisieren.

Das ist heute ein eher emotionaler Beitrag – das musste für mich heute sein.

Was meinen Sie dazu? Wer ist für die Vereinbarkeit verantwortlich bzw. wer trägt sie auf den Schultern?