Archiv für den Monat Juni 2015

Bundeskanzlerin zu Vätern in Elternzeit

Das Thema Väter in Elternzeit hat auch das Bundeskanzleramt erreicht. In ihrem Videocast „Die Kanzlerin direkt“ vom 13. Juni berichtet sie, dass etwas 20 Väter im Bundeskanzleramt Elternzeit nehmen. Das Bundeskanzleramt ist eine familienbewusste Behörde, die zertifiiert ist. Mitarbeiter seien zufriedener, wenn sie Familie und Beruf gut vereinbaren können, so die Kanzlerin.

Die Fragen stellte Dr. Lena Hipp, Leiterin der Nachwuchsgruppe „Arbeit und Fürsorge“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).  Sie berichtet, dass bei Familien mit kleinen Kindern in der Regel die Väter gerne etwas weniger und die Mütter lieber etwas mehr arbeiten möchten. Trotzdem sei in Deutschland die Erwerbsarbeit zwischen Vätern und Müttern im Vergleich sehr ungleich aufgeteilt. Die Kanzlerin machte deutlich, dass beim „Klima“ von Teilzeit sich noch mehr bewegen müsse. Arbeitgeber sollten sich daran gewöhnen, dass auch Väter verkürzt arbeiten möchten.

Das sind gute Botschaften von „ganz oben“. Hoffentlich kommen diese auch bei den Arbeitgebern, die die Rahmenbedingungen schaffen, und bei den Eltern, die sich mehr trauen sollten, an!

Das ist der Link zum Videocast: http://www.bundeskanzlerin.de/Webs/BKin/DE/Mediathek/Einstieg/mediathek_einstieg_podcasts_node.html?cat=podcasts&id=1383936

Wer das Interview lesen möchte, wird hier fündig: http://www.bundeskanzlerin.de/Content/DE/Podcast/2015/2015-06-13-Video-Podcast/links/download-PDF.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Advertisements

Mein Wiedereinstieg: Harte Phasen, aber letztendlich gelungen!

Katrin gehört zu den „Vollzeit-Frauen“. Sie hat eine Tochter, die heute neun Jahre alt ist. Nach dem Mutterschutz arbeitete sie stundenweise. Der Wiedereinstieg in Vollzeit geschah, als ihre Tochter 15 Monate alt war. Ihr Mann, ein Politiker und in Leiter einer regionalen Verwaltung, hat vor neun Jahren keine Elternzeit in Anspruch genommen. Vätermonate gab es „damals“ noch nicht. Für ihn war der Wiedereinstieg seiner Frau eine Selbstverständlichkeit.

Vielleicht kann man beide als „Karriere-Paar“ bezeichnen. Er erfolgreicher Politiker, sie leitet eine gemeinnützige Stiftung. Vor dem ersten und einzigen Kind arbeitete Katrin als Assistenz eines Aufsichtsrates und war verantwortlich für die Pressearbeit. Direkt nach dem Wiedereinstieg war sie eine Zeitlang noch die Assistentin dieses Aufsichtsrates. Ihr heutiger Job, die Leitung einer Stiftung, ist kein Job, der sich an „Nine to five“ hält. Doch für Katrin ist er „der richtige“. Und ihr Vorgesetzter hat nie bezweifelt, dass sie gestellte Aufgaben nicht übernehmen könne.

Was ist Ihr Tipp für Wiedereinsteiger?

Vollzeitarbeit, schulpflichtiges Kind und Haushalt sowie die Wahrnehmung von Ehrenämtern und vielfältige soziale Kontakte unter einen Hut zu bringen, heißt bei mir: Täglich um 05:00 Uhr aufstehen und häufig nicht vor 23:00 Uhr ins Bett gehen. Das geht nur, wenn man/frau es wirklich will und Spaß an den Aufgaben hat – na ja, auf den Haushalt könnte ich verzichten. Hier habe ich mir stundenweise Unterstützung organisiert. Das ist auch wichtig, denn die Organisation und Erledigung der Familienarbeit liegt bei mir.

Wie der Wiedereinstieg gelang:

Meine Eltern haben in den ersten Jahren in der Kinderbetreuung unterstützt. Gerade, wenn die Tochter krank war, war das nötig. Heutige sind die Eltern nicht mehr ganz so fit – meine Tochter aber auch größer. Schwierig war es, vor neun Jahren einen Krippenplatz zu finden.

Was wünschen Sie sich, Katrin?

Mein Wunsch ist , dass es nicht nur ausreichende (Klein-)Kinderbetreuung gibt, sondern auch eine pädagogisch wertvolle und zeitlich flexible. Dass ich mindestens 45 Minuten ins Büro fahre, war von Anfang an klar und kein Grund zum Jammern. Ich hätte gerne mehr Zeit für Sport.

Vielen Dank für das spannende Interview!

Best Practice für den Wiedereinstieg

Mir fehlen Vorbilder und ein „Wie machen es andere?“ zum Wiedereinstieg. In der Presse gibt es von Zeit zu Zeit Vorzeige-Familien, über die berichtet wird. Mir ist das manchmal zu weit weg vom Alltag „normaler“ arbeitender Eltern. Daher finden Sie in meinem Blog ab heute in unregelmäßigen Abständen Interviews mit „normalen“ Wiedereinsteigern, die ihre Erfahrungen schildern. Von Vollzeit- bis Teilzeit-Wiedereinstieg, Familien mit ein oder mehreren Kindern sind viele Konstellationen „befragt“ worden bzw. werden interviewt. Bewusst habe ich auch Wiedereinsteiger ausgewählt, deren Kinder schon größer sind. Gerade der Start beim Wiedereinstieg ist manchmal holprig oder demotivierend. Daher kann es wichtig sein zu lesen, wohin sich ein Wiedereinstieg entwickeln kann.

Ich bin gespannt auf Ihr Feedback. Um 12:00 Uhr geht es heute mit dem ersten Interview los.

Väterorientierung fehlt! Studie zum Wiedereinstieg von Vätern

Es sieht nicht gut aus für Väter, die mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen! Zu diesem unangenehmen Ergebnis kommt die Studie von Svenja Pfahl, Stefan Reuyß, Dietmar Hobler und Sonja Weber „Nachhaltige Effekte der  Elterngeld-Nutzung durch Väter“ vom Berliner Instituts für sozialwissenschaftlichen Transfer (SoWiTra). Die Studie wurde von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung unterstützt. Zwischen 2012 und 2014 wurden ausführliche qualitative Interviews mit 43 Vätern durchgeführt. Zwei Drittel dieser Väter hatten mehr als zwei Monate Elternzeit in Anspruch genommen – und damit ist das Ergebnis nicht repräsentativ, aber so von den Autoren gewünscht. In einer zweiten und repräsentativen Herangehensweise wurden online 600 Väter befragt.

Die Ergebnisse sind in einem PDF-Dokument zusammengefasst: http://www.sowitra.de/fileadmin/sowitra/PDF_Broschueren/Kurzfassung_EGM-Vaeter_SowiTra__2014_.pdf

Zu welchen Erkenntnissen kamen die Autoren?

Deutlich wurde, dass es zwei Gruppen von Vätern gibt, nämlich solche, die kürzer in Elternzeit sind (das sind die beiden Vätermonate) und solche, die länger in Elternzeit gehen. Je nach Dauer der Elternzeit sind die Auswirkungen auf Beruf, Familie und Partnerschaft unterschiedlich.

Die Frage, ob und wie lange Väter Elternzeit nutzen, wird gemeinsam mit der Partnerin entschieden. Wird der eigene Arbeitsplatz als sicher empfunden und fördert der Arbeitgeber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, fällt es den Vätern leichter, Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Weitere Faktoren sind z. B. die Vertretungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz oder die beruflichen Bedingungen der Partnerin – so ein Ergebnis der Studie.

Von den Vätern wird als wichtiger Effekt die Stärkung der Vater-Kind-Beziehung benannt. Die Monate werden als „schön“, aber auch als „anstrengend“ erlebt. Beobachtet wurde auch, dass die Elternzeit des Vaters die Paarbeziehung positiv beeinflusst. Darüber hinaus steigt die gleichmäßige Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung mit der Dauer der Elternzeit des Vaters.

In der Entscheidung, Elternzeit in Anspruch zu nehmen, spielt der Vorgesetzte der Väter eine wichtige Rolle. Eine weitere Erkenntnis ist, dass mit mehr Elterngeldmonaten die Väter die Arbeitszeit nach der Elternzeit reduzieren.

Väter, die Elternzeit nutzen, machen es ihrer Partnerin leichter, selbst wieder im Beruf anzuschließen. Auf die eigene berufliche Laufbahn haben eine kürzere Elternzeit des Vaters positivere Einflüsse als eine längere Elternzeit. Die Gefahr schlechte Aufstiegschancen zu haben, steigt ab drei Monaten Elternzeit deutlich an. Auf der anderen Seite wird nicht von negativen Folgen im Sinne eines Karriereendes berichtet.

Diese Handlungsfelder sehen die Autoren:

  • Vätersensible und gleichstellungsorientierte Betriebskultur
  • Vertretungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz
  • Nachhaltige Arbeitszeitangebote für Väter
  • Gute Arbeit für die Partnerin

Eine, wie ich finde, Studie zum rechten Zeitpunkt. Unter Gender-Aspekten wird sehr deutlich, dass ein erfolgreicher Wiedereinstieg die Sache von Mann und Frau ist und Unternehmen Mütter und Väter in den Blick nehmen müssen.

Wiedereinstieg nach dem Mutterschutz in Vollzeit – ein Tabu?

Mir begegnen in den letzten Monaten Mütter, die Vollzeit nach dem Mutterschutz wieder arbeiten. Oft sind es Akademikerinnen, die gerade auf dem Karrierepfad sind. Die Betreuung ist gut geregelt, meist ist der Vater eingebunden. Ist das ein von Gesellschaft und Unternehmen gewünschter Wiedereinstieg?

Würde ich diesen Artikel über Väter schreiben, gäbe es nicht viel zu schreiben. Für Väter ist es bisher normal und geübte Praxis, dass sie kurze Zeit nach der Geburt des Kindes wieder arbeiten gehen. Die Väter werden nicht schräg angeschaut, wenn sie bald wieder „an Bord sind“.

Bei den Müttern scheint das anders zu sein. Eine Mutter ist mir begegnet, die nach dem Wiedereinstieg weniger interessante Projekte bekam, weniger Dienstreisen unternehmen sollte. Sie musste sich Fragen gefallen lassen, wie ihr Job (sie war Juristin) mit einem so kleinen Kind denn gehen könne. Auch die Frage nach dem Stillen oder der wichtigen Mutter-Kind-Beziehung in den ersten Monaten waren dabei.

Oft erlebe ich bei diesen Müttern schon fast einen „Rechtfertigungszwang“. Das Kind sei gut aufgehoben, es fühle sich wohl und entwickle sich normal. Bei diesen Müttern scheint es ein latent schlechtes Gewissen zu geben. Wie viel Karriere dürfe „frau“ machen?

In einem Austausch mit einer Personalentwicklerin höre ich, der beste Weg für Mütter sei nach einer Elternzeit von einem Jahr Teilzeit zu arbeiten. Das seider Königsweg.

Ich kann das nur schwer hören. Es gibt keinen Königsweg – jede Familie entscheidet über ihren Königsweg. Und dazu gehört auch, dass Mütter Vollzeit nach dem Mutterschutz wieder arbeiten gehen!

Das musste einfach geschrieben werden. Ich freue mich auf viele Kommentare zu diesem wohl tief verwurzelten Tabu!