Archiv der Kategorie: Elternzeit

Klassische Rollenmodelle – und der Wiedereinstieg?!

„Nur die Frau arbeitet und der Mann kümmert sich um die Kindererziehung – das finde ich gut, könnte ich mir auch in meiner eigenen Partnerschaft vorstellen.“ Diesem Satz stimmten 1993 21 % der Frauen und 15 % der Männer zu. 2013 waren es 23 % der Frauen und 17 % der Männer.  (Quelle Vorwerk Familienstudie 2013 unter 1.548 Personen, Allensbach/Wuppertal 2013, gefunden in managerSeminare, Februar 2014)

Sind das ermutigende Zahlen, weil es einen Zuwachs von 2 % gab oder sind das eher schlechte Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wiedereinstieg? 44 % der Befragten meinen, dass der Mann für die Karriere zurückstecken kann, damit die Frau arbeiten kann. 1993 waren es 50 % der Befragten, die diesem Satz zustimmten! Ein Halbtagsjob für den Mann, damit dieser sich auch um die Kinder kümmern kann, ist für 36 % der Befragten vorstellbar (und damit 2 % mehr als 1993). Elternzeit für Väter ist aber heute selbstverständlicher als früher (50 % statt 20 % in 1993).

Für die Familien, die den Wiedereinstieg planen, ist das eine Herausforderung. Sich von tradierten Rollenbildern zu lösen und den eigenen Weg zu gehen, braucht Zeit zum Austausch und Reflektieren, Rollenbilder sind nicht sofort spürbar. Sie äußern sich oft in Grundsatzaussagen (z. B. das wird so nicht gehen), die erst einmal im Raum stehen. Das Hinterfragen solcher Aussagen durch den Partner wird nicht immer akzeptiert. Eine gelassene Haltung und Zeit für gute Gespräche sind ein Weg, um zu erkennen, was die jeweiligen Bedürfnisse und Wünsche sind. Auf dieser Basis kann dann ein gemeinsamer Plan entstehen. Und wenn dann auch der Arbeitgeber mitspielt gelingt der Wiedereinstieg und alle Beteiligten profitieren davon.

Der Studienbericht kann unter httpps://http://newsroom.vorwerk.de/publikationen/publikationen/  (weiter unten unter Vorwerk Familienstudien) kostenlos heruntergeladen werden.

„Glaubenssätze“ rund um den Wiedereinstieg

Auf der einen Seite sind für einen erfolgreichen Wiedereinstieg Rahmenbedingungen wichtig, die eher von den Unternehmen oder der Gesellschaft gestaltet werden. Auf der anderen Seite gelingt der Wiedereinstieg auch nur dann, wenn beim Wiedereinsteiger die Ampel auf „grün“ steht.

Bei meinem Arbeiten mit Wiedereinsteigern begegnen mir Bedenken und Sorgen. Als Therapeutin und Supervisorin weiß ich, dass man diese Ängste nicht „wegmachen“ kann. Ich weiß aber auch, dass solche Gedanken zu Realitäten werden können. Solche „Glaubenssätze“ beeinflussen unser Denken und Handeln und gestalten unser Erleben. Daher lohnt sich ein Blick darauf:

Mein Kind ist noch zu klein / zu jung / kann das noch nicht / …

Das ist eine der größeren Ängste, vor allem, wenn das Kind in die Krippe gehen soll. Je nach Lage auf dem Arbeitsmarkt werden diese Ängste auch geschürt (z. B. die Mutter ist die wichtigste Bezugsperson und ein zu früher Wiedereinstieg verringert die emotionale Stabilität). Heike Hölling, Studienleiterin (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey)  am Robert-Koch-Institut, sagt: „Wenn die Mütter nur zu Hause sind, haben ihre Kinder ein 3,1-fach erhöhtes Risiko, psychisch auffällig zu werden.“ (gefunden in psychologie heute, Juni 2011, S. 42)

Wie soll ich das alles schaffen / Das wird mir zu viel / es kommt so viel auf mich zu / …

Ja, es steht eine Veränderung an. Und – sie ist bewältigbar. Mit dieser Sorge lässt sich gut umgehen. Klären Sie mit ihrem Umfeld, wer welche Arbeiten übernehmen kann. Vielleicht nehmen Sie auch die Dienste eines Haushaltsservices in Anspruch. Welche Arbeiten werden nicht mehr gemacht? Auch wenn mit dem 1. Kind oft die „Retraditionalisierung“ in den Rollen Vater (Ernährer) und Mutter (Kümmerer rund um die Familie) stattfindet, dürfen Sie es gerne anders machen. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Umfeld Freiräume geben, Dinge anders zu erledigen als Sie selbst es tun würden. Nur so entsteht Entlastung.

Planen Sie von Anfang an auch Freiräume für sich selbst ein. Gewöhnen Sie sich gleich an, Freundschaften ohne Kinder zu pflegen und tun Sie etwas für Entspannung oder Erholung – regelmäßig im Alltag und nicht nur im Urlaub.

Mein Kind wird in der Schule schlechter sein / ich kann bei den Hausaufgaben nicht helfen / …

Auch das ist widerlegt! Una Röhr-Sendlmeier  und ihr Team fanden folgendes (gefunden in psychologie heute, Juni 2011, S. 40):

  • Am Gymnasium (Regelklassen 5 – 10) sind 75 % der Mütter berufstätig.
  • In den Begabtenklassen liegt die Quote bei 82 %.
  • Sind Mütter berufstätig, lernen Kinder motivierter, ihr schulisches Selbstkonzept und ihre Beufswahlreife ist besser entwickelt als die von Kindern von „Nur-Hausfrauen“.

Eine Detailauswertung der PISa-Studie (2010) zeigt dies (gefunden in psychologie heute, Juni 2011, S. 40):

  • Die Chance auf ein Gymnasium zu kommen ist 3,7 fach höher, wenn die Mütter arbeiten (Mecklenburg-Vorpommern).
Ich muss meinem Arbeitgeber dankbar sein, dass ich wieder arbeiten „darf“

Wenn Sie diesen Blog öfter lesen, haben Sie schon erfahren können, dass familienfreundliche Unternehmen betriebswirtschafliche Vorteile haben. Ein Unternehmen tut selten etwas, wenn es sich nicht auch einen Nutzen davon verspricht. Und gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie rechnen sich. Ein weiterer Aspekt ist, dass Wiedereinsteiger sozusagen eine „stille Reserve“ im Fachkräftemangel sind. Treten Sie entsprechend auf – Sie sind es wert!

Sicher gibt es noch mehr Ängste oder Sorgen. Prüfen Sie für sich, was Ihnen so im Kopf, im Herzen und im Bauch  „herum geht“. Nehmen Sie sich Zeit dafür und erstellen Sie eine Liste. Bewerten Sie die einzelnen Punkte mit 3 (groß), 2 (mittel) und 1 (klein). Recherchieren Sie Zahlen / Daten / Fakten zu den 3er-Punkten – oder kontaktieren Sie mich. So nehmen Sie Ihre Ängste ernst und setzen sich damit auseinander. Oft reicht das schon,  um durch die Schriftlichkeit, das Gewichten und das Recherchieren den Ängsten ihre Größe zu nehmen. Viel Erfolg damit!

 

A.T. Kearney und Familienpolitik: ein Unternehmen positioniert sich!

A.T. Kearney, in einem Statement zum eigenen Engagement (http://www.atkearney361grad.de/), gefunden am 18. März 2014:

„Warum kümmert sich eine Unternehmensberatung um das Thema Familie? Weil ohne einen stabilen gesellschaftlichen Kern Zusammenhalt und Wohlstand bedroht sind. Bislang übernahm die Kleinfamilie diese Rolle. Doch neue Formen des Zusammenlebens entstehen. A.T. Kearney leistet deshalb einen Beitrag zur Neu-Erfindung der Familie.“

Auf der Seite finden sich viele Aspekte, z. B. von Familienpolitik über Frauenquote zur Demographie. Beeindruckend ist die Rubrik „Zahlen und Fakten“. Auf keiner Internetseite habe ich bisher so viel fundiertes Zahlenmaterial an einem Platz gefunden. Sehr lesenswert!

Von A.T. Kearney wird der 361° Award für familienfreundliche Unternehmen vergeben. Dieser wird aufgrund von Mitarbeiterbefragungen ermittelt. Informationen zur Bewerbung gibt es hier:  http://www.atkearney361grad.de/der-361-family-award-jetzt-bewerben/

Ein bemerkenswerter Auftritt zur Neu-Erfindung der Familie und sicher ein gutes Tool im demografischen Wandel und dem War for Talents – und damit ein guter Weg für den erfolgreichen Wiedereinstieg!

Neue Plattform für Unternehmen und Mütter

Gerade konstituiert sich eine neue Community, die Mütter und Unternehmen vernetzen will und für beide Seiten Nutzen stiften will. Die Webseite findet sich unter http://www.mutterschafft.de (Achtung: zwei ff!). Die neue Job- und Serviceplattform unterstützt Frauen mit Kindern, die sich beruflich verändern wollen oder nach einer Zeit mit anderen Prioritäten wieder einsteigen wollen. Es finden sich Bewerbungstipps, Rechtliches, Coaching-Angebote sowie individuelle Beratung. In einzelnen Regionen (z. B. Hamburg und Frankfurt) betreuen Regionalmanager Jobsuchende und Unternehmen.

Die PR-Arbeit beherrschen die Gründerinnen, am 10. März gab es eine Berichterstattung in RTL „Guten Morgen Deutschland“!

Erfolgreicher Wiedereinstieg: Vortrag und Best Practise am 7. März

Familienfreundliche Personalpolitik ist ein Wettbewerbsfaktor – und lohnt sich! Wer sich auf den aktuellen Stand bringen möchte, kann dies am Freitag bei der IHK Darmstadt tun. Beim Aktionstag 2014 bin ich mit dem Thema „Der erfolgreiche Wiedereinstieg: Ressourcen im demografischen Wandel“ von 11:15 bis 12:00 Uhr dabei. Gerne freue ich mich auch auf Gespräche an unserem Stand.

Hier ist der Link zur Veranstaltung und zum Programm – die Teilnahme ist kostenlos:

http://www.darmstadt.ihk.de/aus_und_weiterbildung/weiterbildung/499478/Aktionstag_Weiterbildung.html

Wiedereinstieg – aus Sicht der Unternehmen

Ist das ein Thema für Sie? Wer sind denn Wiedereinsteiger? Im klassischen Verständnis sind dies Eltern, die nach der Elternzeit wieder arbeiten. Doch es sind auch Rückkehrer aus einer Langzeiterkrankung oder aus einer Pflegesituation. Hat das etwas mit Ihnen zu tun? Nein? – vielleicht aber doch. Vielleicht sind Sie Vorgesetzte von Wiedereinsteigern, Kollege von Wiedereinsteigern oder im Personal- oder Weiterbildungsbereich und mit dieser Zielgruppe beschäftigt. Aus unseren Erfahrungen heraus wird häufig unterschätzt, was hier getan werden muss oder kann.

Warum sollten Sie sich als Unternehmer damit beschäftigen? Wer sich um diese Zielgruppe kümmert, forciert aktiv die Mitarbeiter­bindung. Denn häufig fühlen sich Wiedereinsteiger allein gelassen. Wenn der Wiedereinstieg erleichtert wird, sind die Mitarbeitenden schneller wieder „voll“ einsatzfähig. Es motiviert die Wiedereinsteiger, wenn diese unterstützt werden – und motiviert, die vielleicht einmal wieder einsteigen. Im War for Talents ist dies ein klares Bekenntnis des Unternehmens zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und als Letztes kann eine Abwesenheit auch zur beruflichen Qualifizierung genutzt werden.

Die Mitarbeitenden erfahren in einer Umbruchsituation Unterstützung und Hilfestellung. Entscheidungen, die zu treffen sind, können reflektierter getroffen werden. Das mit anderen „Leidensgenossen“ oder „Betroffenen“ zusammen sein fördert den Erfahrungsaustausch und macht Best Practice möglich. Häufig werden auch Wissenslücken zu gesetzlichen oder betrieblichen Rahmen­bedingungen deutlich und können „gefüllt“ werden.

Wer sollte sich engagieren? Auf der einen Seite sind die direkten Vorgesetzten gefragt. Auf der anderen Seite sind die Personalabteilungen in der Pflicht, die Mitarbeiter mit den notwendigen Informationen zu versorgen, damit diese ihre Entscheidungen treffen können. Und dann gibt es noch die Weiterbildungsverantwortlichen. Diese sollten den Aus- und Wiedereinstieg mit Maßnahmen begleiten. Und damit dies auch getan wird, ist es Aufgabe der Unternehmensleitung, dieses Thema auf die interne Agenda zu setzen. Übrigens: Die Prognos-Studie hat für ein fiktives mittelständisches Unternehmen einen ROI von 25 % er­rechnet, wenn der Wiedereinstieg mit entsprechenden Maßnahmen ver­bessert wird (hier für die Eltern, die nach der Elternzeit zurückkehren). Das heißt, für 1.000 EUR, die das Unternehmen in die Hand nimmt, entsteht ein „Return“ von 1.250 EUR!

Was können Sie tun? Im Intranet auf die entsprechenden Informationen hinweisen oder Bro­schüren bereit halten sind Maßnahmen ohne viel Aufwand. Informations­veranstaltungen für die einzelnen Zielgruppen benötigen schon etwas mehr Zeit. Die Sensibilisierung der Führungskräfte für dieses Thema ist sicher ein längerer Prozess. Ein Gesamtkonzept, das auch die Möglichkeiten der Qualifizierung beinhaltet, ist „der große Wurf“. Was steht für Sie an?

Der Wiedereinstieg ist der letzte Schritt in einem längeren Prozess. Der Prozess beginnt nämlich schon mit dem auftretenden Anlass für den Ausstieg (Schwangerschaft, Pflegefall im Umfeld oder einer Erkrankung, die nicht kurzfristig ausheilt):

Wann?

Wer?

Was?

Vor dem Ausstieg Personal­abteilung Information zu gesetzlichen und betrieblichen Rahmenbedingungen
Ausstieg steht an Personal­abteilung

Vorgesetzter

Individuellen Ausstieg vereinbaren (gesetzlich und betrieblich)
Wiedereinstieg in den Blick nehmen
Maßnahmen für die Abwesenheit besprechen (Paten, Netzwerke, …)
Tag des Ausstiegs Vorgesetzter Abschied / Übergang gestalten
Abwesenheit Mitarbeiter Beziehung pflegen
Sich auf dem Laufenden halten
Sich weiterbilden
Erste Ideen zum Wiedereinstieg Mitarbeiter

Personal­abteilung

Gesetzliche und betriebliche Rahmen­bedingungen im Blick
Eigene Möglichkeiten im Blick
Wiedereinstieg vorbereiten / Entscheidungen treffen
Wiedereinstieg Personal­abteilung

Weiter­bildung

Informationen zu Veränderungen im Unternehmen
Informationen zu notwendigen Entscheidungen des Mitarbeiters
Best Practice möglich machen
Erfahrungsaustausch möglich machen
Soft Skills für Wiedereinstieg trainieren

Checkliste zum Elternzeit-Modell von LOB-Magazin

Vor dem Wiedereinstieg müssen Eltern klären, wie und wann dieser sein soll. Mit diesem Link

http://www.lob-magazin.de/magazin/beruf/elternzeit/103-vier-schritte-zum-eigenen-elternzeit-modell.html

kommen Sie zu einer guten Herangehensweise, die zwischen Wollen und Können, zwischen Muss und Lust anregt, zum einem gangbaren Weg zu finden.