Was arbeitende Eltern für Arbeitgeber mitbringen:

Sie haben hier schon lesen können, dass arbeitende Eltern durch das „Eltern-Sein“ Qualifikationen erwerben, die sie beruflich nutzen können. Im Herbst ist ein Blogbeitrag einer anderen Autorin erschienen:

10 Eltern-Superfähigkeiten, die im Job helfen. (Und in der Ehe)

Diese 10 Fähigkeiten hat die Autorin identifiziert – mehr dazu können Sie im zitierten Blogbeitrag lesen:

1.) Sich in den anderen hineinversetzen (Intentionen erkennen)

2.) Streit schlichten (Moderation)

3.) Klare Aussagen einfordern (Fokussieren)

4.) Handlungsaufforderungen generieren (Delegieren)

5.) Situationen aussitzen (Krisenmanagement)

6.) Handlungsbedarf einschätzen (nicht bluffen lassen)

7.) Alle an einen Tisch bringen (Networking)

8.) Viel Feind, viel Ehr (Aufstieg in der Hierarchie)

9.) Vertragt euch wieder! (Team Building)

10.) Erkennen, wann der Ofen aus ist (Neuausrichtung)

Mir gefällt besonders gut das Wording. Auf der einen Seite ein Wording, wie es eher im familiären Umfeld verwendet wird. Auf der anderen Seite entspricht die zweite Hälfte der Fähigkeit dem Wording im Unternehmen. Die Aufgabe von arbeitenden Eltern aus meiner Sicht ist daher, bei Kollegen und Vorgesetzten auf das richtige Wording zu achten.

Vorgesetzte und Personalverantwortliche können diese Fähigkeiten für den unternehmerischen Erfolg nutzen. Viel Erfolg dabei!

Väter sind im Kommen!

Es braucht positive Nachrichten, Best Practice und Beispiele, wo es gut voran geht  zum Thema „Erfolgreicher Wiedereinstieg“. Diese Woche gibt es zwei Nachrichten. Auf der einen Seite bin ich stolz, dass eines meiner Themen in das Magazin von Gender Dialog Society geschafft hat. Den Artikel finden Sie hier:

http://www.gendersdialogsociety.com/vater-sind-im-kommen/

Sie finden in diesem Artikel eine kurze Übersicht zur Väterstudie von Roland Berger und Vätermodelle, die in der Presse zu finden waren.

Eine Kollegin hat einen wundervollen Blogbeitrag eines Erfolgs-Vaters gefunden: http://www.lindig.com/lindig-blog/-/detail/news/der-chef-geht–10173

Hier berichtet ein Unternehmer, welche Erfahrungen er mit Elternzeit gemacht hat.

Welche guten Erfahrungen haben Sie mit Vätern gemacht? Welche Rahmenbedingung brauchen Väter? Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Best Practice: Früher Wiedereinstieg hilft bei der Vereinbarkeit!

Die beruflichen Stationen von Julia sind vielfältig. Nach dem Studium ist sie z. B. in der Beratung und in großen Projekten aktiv. Heute ist sie Professorin an einer Hochschule. Sie hat zwei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren. Nach dem ersten Kind ist sie nach neun Monaten wieder eingestiegen. Das realisierte sie mit einem 60 %igen Beschäftigungsumfang als drei „lange“ Tage im Büro. Nach dem zweiten Kind arbeitete sie weiter mit einem flexiblen Teilzeit–Modell. Die gesetzliche Rahmenbedingungen zu diesem Zeitpunkt waren „Teilzeit in Elternzeit“ mit bis zu 30 Stunden pro Woche. Vollzeit arbeitet sie seit fünf Jahren mit Homeoffice-Anteilen. Das ist vor allem seit dem zweiten Kind wichtig.

Zur Partnerschaft

Julia ist verheiratet. Vätermonate gab es zur Zeit der Geburt der Kinder noch nicht. Beim ersten Kind hat der Vater sich beruflich verändert aus einem Job mit einem 14 bis 15 Stunden Tag in eine Anstellung mit weniger Reisetätigkeit, um mehr zu Hause sein zu können. Für ihn ist es selbstverständlich, dass er sich genauso um die Kinder kümmert. Die „Arbeitsaufteilung“ als Eltern ist nötig, da beide Vollzeit arbeiten. Elternabende sind für beide ein Thema, auch wenn Julia mehr Termine wahrnimmt. Die Hilfe bei den Hausaufgaben wird nach dem „Spaß-Prinzip“ verteilt. Wenn ein Kind krank ist, sprechen beide ab, wer gerade besser zu Hause bleiben kann.

Die Arbeitgeber

Der erste Wiedereinstieg gestaltete sich nicht so einfach: „Weil ich Mutter war, habe ich Aufgaben bekommen, die ich früher selbst delegiert habe.“ Julia erlebt einen Rückschritt – weil männliche Führungskräfte dachten, sie könne das nicht. Der zweite Wiedereinstieg war einfacher, weil kurz vorher Projektarbeiten abgesprochen waren. Vor zehn Jahren war das eher ungewöhnlich, heute sind Projektaufgaben eher normal. Diese Projektzeit dauerte ein Jahr, dann erfolgte der nächste Umzug und es stand wieder Neues an. Wer sich jetzt wundert, wie das gehen kann – diese Frage habe ich auch gestellt. Julia war zu dieser Zeit bei einem großem Konzern beschäftigt, der an ihren jeweiligen Wohnorten eine Niederlassung hatte. Das bedeute zwar jeweils einen neuen Vorgesetzten und neue Aufgabenbereiche, doch auch immer wieder die Möglichkeit, weiterzuarbeiten. Der Konzern arbeitete mit Familienagenturen zusammen. Darüber konnten Tagesmütter gefunden werden. Hier weist sie im Interview darauf hin, dass das auch für Väter möglich ist, die bei großen Konzernen arbeiten!

Was hat ihr gut getan als Wiedereinsteigerin?

Julia genoss es, neben all den Babythemen den Kopf für andere Dinge wieder frei zu bekommen. Ihr ist es wichtig, das zu tun, was sie kann und wofür sie ausgebildet ist. Der Wiedereinstieg soll daran wieder anknüpfen können. Im Beruf kann sie wieder unter erwachsenen Menschen sein

Was hat sie vermisst?

Julia fehlte das Verständnis mancher Vorgesetzter für die Doppelgleisigkeit von Familie und Beruf. Arbeitende Eltern müssen pünktlich gehen, auch wenn sich z. B. Besprechungstermine verschieben. Viele Mütter in ihrem Umfeld hätten mit Unverständnis auf den frühen Wunsch des Wiedereinstiegs reagiert. Als die Kinder noch klein waren, hieß es häufig: „Genieße lieber deine Elternzeit, dem Kind tut das gut.“ Kam man abgehetzt zum Elternsprechtag, weil dieser bereits um 18 Uhr startete: „Ist doch klar, das ist zu viel.“ Dadurch hätten Eltern oft das Gefühl, niemandem gerecht zu werden. Man braucht ein dickes Fell für schräge Blicke oder blöde Bemerkungen – so ihre Erfahrung. Sie wünscht sich mehr Verständnis für berufstätige Eltern – ohne sich rechtfertigen zu müssen oder bewertet zu werden.

Was ist aus ihrer Sicht die größte Hürde für einen erfolgreichen Wiedereinstieg?

Die Akzeptanz von Gesellschaft und Unternehmen, dass Mütter nicht alles Berufliche vergessen, wenn ein Kind da ist! Mütter wollen arbeiten und wollen dies auch können. Bei ihr schloss der Ganztageskindergarten um 16:00 Uhr – das sind keine guten Rahmenbedingungen für arbeitende Eltern. Das hat sich heute zumindest in Teilen verbessert.

Was könnten Arbeitgeber noch mehr oder anders tun, damit der Wiedereinstieg leicht gelingt?

Vor dem Wiedereinstieg ist ein Gespräch mit dem Chef wichtig, um gegenseitige Erwartungshaltungen austauschen. Was kann, will und soll z. B. in Teilzeit geleistet werden? Was wird evtl. an Überstunden erwartet, was ist dabei zumutbar? Vielleicht ist ein Homeoffice passend? Das Ganze sollte in einer offenen Gesprächsatmosphäre stattfinden. Auf alle Fälle brauchen arbeitende Eltern einen längeren Planungshorizont. Eltern sollten aber bereits Vorschläge mitbringen – und immer wieder Kommunikation einfordern. Führungskräfte müssen für die Bedürfnisse von Familien sensibilisiert werden.

Julia erzählt, wie eine beruflich erfolgreiche Freundin ohne Kinder von zwei Abteilungsleitern mit Kindern gebeten wurde, Meetings um 17:00 Uhr enden zu lassen – beide wollten ihre Kinder abends noch sehen. Ihre Freundin hatte das nicht im Blick.

Was müsste „die Gesellschaft“ tun oder anders denken, damit der Wiedereinstieg für arbeitende Eltern gut gelingt?

Es braucht in Deutschland eine andere Geisteshaltung, wie z. B. in Holland oder Finnland. In den Niederlanden können beide Eltern in Teilzeit arbeiten, ohne einen Ansehensverlust oder Einschränkungen bei der Karriere. Hinderlich sind die lange Arbeitszeiten in Deutschland: 19:00 oder 20:00 Uhr sind eher die Regel als die Ausnahme. Das aber geht zu Lasten der Kinder. Mehr Verständnis sei zudem wichtig, da junge Familien eine Vielzahl von zusätzlichen zeit- und organisationsintensiven Tätigkeiten wahrnehmen, bis die Kinder selbständiger sind,. Damit beide Eltern berufstätig bleiben, müsste in der Öffentlichkeit mehr darüber berichtet werden, wie Elternsein und Arbeiten gelingt, statt dass der Fokus der Berichterstattung auf den Schwierigkeiten liegt.

Was müsste sich in ihrem persönlichen Umfeld verändern, damit sie und ihre Familie Beruf und Privates gut oder noch besser vereinbaren können?

Auch wenn es Unterstützung durch den Arbeitgeber gab, ist die Betreuung nach wie vor ein Thema, weil eben alles selbst organisiert werden muss. Die Aufnahme von Au-pairs war eine gute Entscheidung für einige Jahre, da musste nicht jeder Tag neu organisiert werden. Was fehlt, sind Institutionen z. B. in der Kommune, die für Betreuungsfragen zuständig sind und die Serviceangebote unterschiedlichster Art, privat und öffentlich, bündeln. Für die Familie von Julia ist die Betreuungsfrage wichtig, da durch die Umzüge eher weniger Freunde vor Ort sind und die Großeltern weiter weg wohnen und so im Alltag nicht verfügbar sind. Ein besserer Zugang zu Betreuungsangeboten macht einen Jobwechsel und den Wiedereinstieg leichter und Eltern sind dadurch flexibler. Das ermöglicht Müttern z. B. auch den Weg in die Selbstständigkeit.

Was ist der beste Tipp für andere Wiedereinsteiger?

Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben! Daher sollen Eltern mit Vertrauen an alles herangehen und sich gut vorbereiten, aber nicht zu Tode planen – das geht mit Kindern sowieso nicht. Eltern sollten um Hilfe fragen und im Job auch mal „Nein“ sagen können. Aufgaben sollten auch abgegeben werden. Manche Termine muss man absagen, man kann und muss nicht alles machen.

Julia hat die Erfahrung gemacht, dass kleine Kinder sehr zufrieden mit guter und qualifizierter Betreuung sind – das ist auch gut zu bekommen. Wenn Kinder größer werden, sind andere Strukturen nötig. Eltern sollten daher früh wieder einsteigen. Man ist dann fester im Job und kann die die Bedürfnisse der größeren Kinder besser verhandeln. Der Arbeitgeber und auch die Kinder konnten bis dahin die Erfahrungen machen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie klappt. So ist die Verhandlungsposition besser.

Julia rät Eltern, auch Zutrauen in andere Erwachsene zu haben, mit ihrem Baby oder Kleinkind gut umgehen zu können. Sie hat mit ihrem ersten Kind erleben können, dass dieses von ihrem frühen Wiedereinstieg profitierte, da es ab dem Alter von neun Monaten zu einer Tagesmutter mit zwei älteren eigenen Kindern ging und dort viel mit seinen großen „Gastgeschwistern“ spielen und von ihnen lernen konnte.

Wenn Sie Ihren Wiedereinstieg mit einem Satz beschreiben würden, wie wäre dieser?

Kinder sind Erfüllung, Arbeiten auch – Eltern sollen es einfach wagen und dafür den evtl. Perfektionsmuszwang zügeln.

A.T. Kearney-Familienstudie: Männer gewinnen – Frauen verlieren

Es tut sich Spannendes bei der Vereinbarkeit: Die Väter rücken immer mehr in den Fokus und scheinen besser „wegzukommen“ als Mütter. So könnte das Ergebnis der 3. Familienstudie interpretiert werden. Befragt wurden rund 1.000 Beschäftigte zur Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit. Familie und Beruf leben zu können, ist für eine große Mehrheit wichtig für ihr Wohlbefinden – und es herrscht Zufriedenheit mit der eigenen Situation. Mehr berufstätige Eltern nehmen familienfreundliche Leistungen in Anspruch. Das Vertrauensverhältnis zu Vorgesetzten wird als besser wahrgenommen, ebenso hat sich die Glaubwürdigkeit der Führungskräfte in den Augen berufstätiger Eltern erhöht.

Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen den Vätern und Müttern. Mütter gehen länger in Elternzeit oder arbeiten Teilzeit. Väter würden gerne eher 80 oder 90 Prozent arbeiten, sind damit aber weniger akzeptiert. Väter befürchten berufliche Nachteile. Hier ein paar Zahlen aus der Studie zur eigenen „Interpretation“:

  • 78 % werden in den kommenden Jahren nicht aus eigenem Antrieb den Arbeitgeber wechseln
  • 68 % würden ihren Arbeitgeber uneingeschränkt weiterempfehlen
  • 64 % bezeichnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in ihrem Unternehmen als selbstverständlich
  • 53 % sagen, dass die Führungskräfte beim Thema Familienfreundlichkeit eine Vorbildfunktion haben
  • 28 % befürchten bei Inanspruchnahme von familienfreundlichen Leistungen, dass ihre Karriere zukünftig gefährdet sei
  • 28 % befürchten, dass sie zukünftig mit inhaltlich weniger attraktiven Aufgaben betraut werden
  • 83 % der Väter aber nur 64 % der Mütter sind sehr zufrieden mit ihrer Arbeitssituation
  • 16 % der Väter aber 34 % der Mütter befürchten Probleme mit Kollegen
    67 % sehen in der Flexibilisierung eine große Chance, Beruf und Familie besser aufeinander abstimmen zu können
  • 87% sagen, dass die ständige Erreichbarkeit zu Dauerstress führt (90 % der Frauen, 85 % der Männer)

Nachgefragt wurde auch, was familienfreundlich „wirkt“. Diese Maßnahmen finden sich in familienfreundlichen Unternehmen:

  • Führungskräfte sind Vorbilder
  • Gutes Vertrauensverhältnis zu Vorgesetztem
  • Hohe Passgenauigkeit für Beschäftige mit Kindern
  • Hohe Passgenauigkeit für Beschäftige mit pflegebedürftigen Angehörigen
  • Hohe Bekanntheit der Ansprechpartner zum Thema Vereinbarkeit
  • Geringe Notwendigkeit der Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit

Es geht voran mit dem Wiedereinstieg und damit mit der Vereinbarkeit – auch wenn es immer noch zu tun gibt!

Wer die Studie komplett lesen möchte, findet sie hier :http://www.atkearney.de/documents/856314/6352031/A+T+Kearney+361+Grad+Familienstudie+2015+-+Vereinbarkeit+wagen.pdf

Vereinbarkeitsfallen umgehen

Als Beraterin von LOB kann ich mich inhaltlich einbringen. Dieses Mal ging es um Fallen für berufstätige Eltern:

  • Perfektionismus-Falle
  • Es-allen-recht-mach-Falle
  • Ich-bin-doch-Eltern-Falle
  • Perfekte-Eltern-Falle

Wer die Erklärung und die Tipps dazu lesen möchte: Hier ist der Link http://www.lob-magazin.de/magazin/ich/1003-vereinbarkeitsfallen-umgehen.html

Viel Erfolg als berufstätige Eltern und beim kreativem Umgang mit den Anforderungen!

Arbeitende Eltern: Wer arbeitet wie viel?

Nach einem Blog-Beitrag von BRIGITTE MOM sind deutsche Eltern konservativ: Mütter arbeiten in Teilzeit, Väter in Vollzeit. Eine Allensbach-Studie habe ermittelt, dass bei 55 Prozent der Eltern nach dem ersten Kind die Variante „Mutter Teilzeit, Vater Vollzeit“ gewählt wird. Fast jede fünfte Frau höre ganz auf zu arbeiten. Nach wie vor sei die Situation in Ostdeutschland anders. Dort sei im Schnitt die Elternzeit kürzer und mehr Eltern gingen in Vollzeit arbeiten.

Die meisten Paare gaben an, dass bei der Frage des Wiedereinstiegs die Stunden der Mutter nach der Elternzeit in der Familie diskutiert wird. Die Vollzeit-Tätigkeit des Vaters werde nicht thematisiert. 11 Prozent der Väter trauen sich die alleinige Betreuung des Kindes  / der Kinder nicht zu – und 11 Prozent der Mütter finden es nicht gut, wenn der Vater mehrheitlich sich um den Nachwuchs kümmern würde. So lange diese Antworten kommen, ist es noch ein weiter Weg zur Gleichberechtigung in der Familie und Mütter sind nach wie vor weniger repräsentiert in den Unternehmen, gerade auch in den Führungspositionen.

Bei der Studie „Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf“ wurden mehr als 3.000 Eltern mit Kinder unter sechs Jahren befragt.  Das ist der Link zum Artikel: http://mom.brigitte.de/schlau-werden/eltern-teilzeit-1250258/ Und das der Link zur Studie: http://www.ifd-allensbach.de/fileadmin/IfD/sonstige_pdfs/Weichenstellungen_Bericht_FINAL.pdf

Die Süddeutsche thematisiert in einem Beitrag vom 11. Juli 2015 vor, dass 32 Wochenstunden als Arbeitszeit für Familien reichen. Das war ein Vorschlag von Familienministerin Manuela Schleswig.. Auch hier wird festgestellt, dass der Anteil der Mütter an der Haushalts- und Familienorganisation höher ist als der der Väter, auch wenn die Mütter arbeiten. Die Süddeutsche bezieht sich auf den Führungskräftemonitor 2015 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Weibliche Führungskräfte kümmern sich fast doppelt so lange um den Nachwuchs wie Väter in der gleichen Position. Diese würden aber gerne weniger arbeiten. Als Weg zum Ziel werden benannt:

  • dass die Politik handeln sollte: u. a. 32-Stunden-Woche, Frauenquoten, Nachbesserung beim Elterngeld
  • dass die Unternehmen handeln sollten: u. .a geringe Wochenstunden und trotzdem tolle Jobs, Führen in Teilzeit, weniger Arbeiten am Abend, Doppelspitzen und mehr Job-Sharing
  • dass die Eltern handeln sollten: u. a. Mütter sollen mehr abgeben lernen und Väter mehr Aufgaben und Verantwortung in der Familie übernehmen.

Hier der Link zur Studie: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.510264.de/diwkompakt_2015-100.pdf

Väter im Kommen?

Es scheint was dran zu sein an der kürzlich erschienen Studie von Roland Berger Strategy Consultants (ich habe im Blog darüber berichtet). Es finden sich mehr und mehr Artikel zur  Frage von Vätern, die arbeiten und sich um die Kinder kümmern. Ist die Zeit schon reif dafür? Und sind die Unternehmen und Vorgesetzten gut gerüstet? Hier eine kleine Auswahl von Beiträgen der letzten Wochen:

Christian Ulmen, Schauspieler und verheiratet mit Kollegin Collien Fernandes, wird zitiert mit „Ich musste nie stärker und härter sein als als Vater“. In der Frankfurter Allgemeinen wird ein Interview mit ihm veröffentlicht. Beide Eltern arbeiten als Schauspieler. Er dreht ca. fünf Monate im Jahr – da ist seine Frau für die Tochter da. Wenn sie dreht, ist er zu Hause. Drehen beide, sind die Eltern im Einsatz, ein Aupair ist am Nachmittag da. Im Familienrat werden Angebote und Anfragen gemeinsam beraten und entschieden. Er berichtet vom Familienalltag und den Erfahrungen, als Vater seinen „Mann“ zu stehen. Da Interview finden Sie hier: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/christian-ulmen-im-interview-ueber-maennlichkeit-13709425.html

Auch in der Süddeutschen ist am 26. Juni ein Interview zu den Anforderungen an die Männer zu finden. Befragt wird Karriere-Coach Sascha Schmidt unter dem Titel „Männer haben Angst vor dem Karriereeinbruch“. Der Coach berichtet von dem derzeitig hohen Druck auf Männer, Beruf und Familie zu vereinbaren. Sein Erleben sei aber eher das traditionelle Rollenbild. Gut funktionieren die beiden „Vätermonate“, diese seien nicht karrierefeindlich. Befragt nach Vorbildern bemängelt der Coach, dass es zwar erfolgreiche Frauen gibt, die auch Mütter sind. Aber es gebe wenig bis keine männlichen Vorbilder für erfolgreich im Job und Vater. Die Arbeitgeber hätten Strukturen geschaffen für Mütter als Wiedereinsteiger. Väter bräuchten aber andere Strukturen. Das fehle heute noch.

Die Väterstudie 2015 wird von ATKearney361° vorgestellt. Das Credo dort ist „Väter nehmen Familie wichtiger als Karriere“. 81 Prozent der befragten Väter sagen, sie seien nach der Geburt der Kind/er glücklicher als vorher. Ein höheres Einkommen des Vaters beeinflusst die Glücksfaktoren positiv. Auch in diesem Artikel wird deutlich formuliert, dass die Unternehmen ihre Angebote für Vereinbarkeit an die Väter anpassen oder erweitern müssen. Wichtige Faktoren sind dabei verständnisvolle Vorgesetzte und flexible Arbeitszeitmodelle. Zur Gleichberechtigung der Eltern bei der Kinderbetreuung scheint der Weg noch weit zu sein. Hier der Link zum Artikel: http://atkearney361grad.de/debatte/vaeterstudie-2015/

Es tut sich was, wenn die Presse ein Thema in den Blick nimmt. Es wird aber wohl noch ein bisschen dauern, bis sich die Strukturen bei den Unternehmen darauf einlassen.

Ende des Betreuungsgeldes? Den Wiedereinstieg planen!

Ohne zu kommentieren, ob das Betreuungsgeld sinnvoll ist oder nicht, wird die Entscheidung des Bundesgerichtshofes für einige Familien den Wiedereinstieg nötig machen. Was ist dabei zu beachten?

  1. Kein schlechtes Gewissen!
    Viele Studien belegen, dass es Kindern auch gut tut und sie sich positiv entwickeln, wenn sie neben einer stabilen Familie in einer Einrichtung oder bei Tageseltern oder anderen Personen betreut werden.
  2. Wer steigt wie wieder ein?
    Klären Sie in Ihrer Partnerschaft, welche Zeitmodelle für Sie beide passen. Wer möchte wie viel arbeiten? Wer möchte den Nachwuchs wie betreuen? Hier möchte ich den Vätern Mut machen. Einige Studien in den letzten Monaten zeigen deutlich, dass Väter von Elternzeit bzw. Teilzeit für die Kinderbetreuung profitieren.
  3. Wie wird die Betreuung geregelt sein?
    Neben einer geregelten Betreuung durch Krippe, Kita oder Tageseltern kommen hier oft auch Eltern oder Schwiegereltern ins Spiel. Auch Aupair oder Kinderfrauen sind in einigen Familien „dran“. Egal, für welche Variante Sie sich entscheiden – oder entscheiden müssen: Stehen Sie dazu. Ihr Kind kann von diesem Standing sich die eigene Sicherheit abholen.
    Denken Sie bei der Planung der Betreuung auch an „unplanbare“ Situationen. Eltern oder Schwiegereltern sind vielleicht nicht die normale Betreuung – können aber aushelfen, wenn der eigene Terminplan mit dem des Nachwuchses oder der Betreuung nicht zusammenpasst. Auch Freunde, die die Kinder in der gleichen Betreuung haben oder die ehemalige Tagesmutter kann ein gutes „zweites Netz“ sein.
  4. Was will ich arbeiten?
    Ein Ausstieg, um sich um die Familie zu kümmern und das Erziehen von Kindern verändert bei einigen Wiedereinsteigern die berufliche Perspektive. Prüfen Sie bei sich: Was wird mir Freude machen? Ist mein bisheriger Job noch passend für mich? Oder hat sich durch die „Auszeit“ der berufliche Fokus verändert? Ein Wiedereinstieg ist eine gute Chance, die Weichen neu zu stellen.
  5. Wo will ich arbeiten?
    Die Zäsur durch Mutterschutz und Elternzeit stellen auch so manchen Arbeitgeber in ein anderes Licht. Ist das noch die Firma, wo Sie arbeiten wollen? Sind dort Ihre Wünsche zur Arbeitszeit zu verwirklichen? Passt die Unternehmenskultur zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Ein Wiedereinstieg ist auch eine gute Chance, sich neu auf den Weg zu machen und wo anderes wieder anzufangen.
  6. Aktivieren Sie Ihre Netzwerke!
    Wenn Sie sich verändern wollen und außerhalb der gesetzlichen Regelungen (Teilzeit in Elternzeit, Rückkehr nach der Elternzeit) einen Arbeitsplatz finden wollen, tun Sie das kund. Hören Sie sich in Ihrem Umfeld um. Wer arbeitet wo – und wie ist es dort? Wer kennt wen? Wo wird gerade was gesucht?
  7. Zeitarbeit kann ein guter Einstieg sein!
    Nicht immer hat diese Branche ein gutes Image. Doch neben wahrscheinlich wenigen schwarzen Schafen gibt es viele gute Unternehmen, die auch und gerade Wiedereinsteigern eine gute Plattform bieten. Schauen Sie, welche Zeitarbeitsfirmen in Ihrem Umfeld sind. Schauen Sie sich deren Internet- oder Social-Media-Auftritte an. Machen Sie einen unverbindlichen Termin und stellen Sie sich vor.
    Ein Teil meiner mittelständischen Kunden sucht gar nicht mehr selbst per Anzeige nach neuen Mitarbeitern, sondern beschäftigt Zeitarbeitskräfte. Wenn Mitarbeiter und Unternehmen passen, wird oft eine Anstellung angeboten
  8. Überstürzen Sie nichts!
    Wenn ich die Pressemeldungen richtig verstanden habe, wird das Betreuungsgeld nicht sofort ausgesetzt. Nutzen Sie die Zeit, um gute Entscheidungen zu treffen.

Allen, die nun „fremdbestimmt“ sich auf den Weg machen, wünsche ich viel Erfolg und gutes Gelingen!

 

Alleinerziehend – verkannte Mitarbeitende

Nach einer Recherche von karrierebibel.de gibt es in Deutschland 2,7 Millionen Alleinerziehende, 2,3 Millionen davon sind Frauen. Nach dem Arbeitsmarktreport von Nordrhein-Westfalen sind von den 569.000 Alleinerziehenden 345.000 erwerbstätig. Der Anteil ist damit höher als der Mütter, die in einer Partnerschaft leben.

Alleinerziehende Wiedereinsteigende haben es oft schwer. Ihnen begegnen bei der Personalauswahl Stereotype: Sie seien unflexibel, würden durch die Kind/er mehr fehlen und eher seien unqualifiziert. Doch stimmt das? Karrierebibel.de stellte eine Liste zusammen: Was bringen Alleinerziehende aufgrund ihrer Lebenssituation mit:

  • Organisationsfähigkeit
    Der Alltag mit der Organisation von Kindern, deren Terminen, dem Haushalt und dem eigenen Job – das geht nicht ohne Organisationstalent. Und mit diesem Talent stehen Alleinerziehende im Job!
  • Verantwortung
    Alleinerziehende können sich Verantwortung nicht teilen. Sie müssen Verantwortung übernehmen für sich und ihre Familie. Ob verantwortungsvolles Handeln schon als Fähigkeit da war oder nicht, sie ist trainiert.
  • Motivation
    Alleinerziehende sind der alleinige Ernährer der Familie. Teilweise geschieht der Wiedereinstieg nach einer Phase der Arbeitslosigkeit. Das sind gute Rahmenbedingungen für Motivation.
  • Bildung
    Auf der einen Seite steigt der Bildungsgrad in der Bevölkerung. Auf der anderen Seite ist der Anteil an Frauen ohne Berufsausbildung z. B. in Nordrhein-Westfalen bei 63 Prozent der alleinerziehenden Frauen. Trotzdem gibt es viele gut qualifizierte Mütter.
  • Loyalität
    Wer als Alleinerziehender einen Arbeitsplatz gefunden hat, wird diesen nicht wegen ein paar Euro mehr wechseln.
  • Erfahrung
    Alleinerziehende bringen viel Erfahrung auch zum Thema „Vereinbarkeit“ mit. Wie alle anderen arbeitenden Eltern auch, bringen Alleinerziehende einiges an Erfahrung im Bereich der „social skills“ mit.
  • Budgetplanung
    Mit einem Gehalt eine Familie zu ernähren ist keine einfache Ausgabe. Privat müssen Alleinerziehende haushalten können – und beruflich kann diese Fähigkeit gut eingesetzt werden.
  • Verdienst
    Mit diesem Aspekt wird Karrierebibel.de leicht pathetisch. Die Kinder geben uns und dem Staat unsere Zukunft. Alleinerziehende sollten daher eine Beschäftigung bekommen.

Hier ist der Link zum vollständigen Artikel;: http://karrierebibel.de/mitarbeitersuche-8-argumente-fuer-alleinerziehende/

Mein Wiedereinstieg: Augen auf und los!

Nastja, 51 Jahre alt, ist vielleicht eine besondere Wiedereinsteigerin. Ihr Mann und sie haben 2013 zwei Pflegekinder (Geschwister, heute 5 und 7 Jahre alt) in ihre Familie aufgenommen. Eigene Kinder haben sie nicht.

Nastja war und ist selbstständig als Coach. Sie hat einige Zeit vor der „Familienwerdung“ begonnen mit einer Coaching-Firma zusammenzuarbeiten. Diese übernimmt etliche Aufgaben wie z. B. Webseite oder Administration. Als Jahresdurchschnitt arbeitet sie ca. 20 %. Sie versucht, mehr Teamcoachings als Aufträge zu erhalten, da diese effizienter zu bearbeiten sind als Einzelcoachings. Neben dieser bezahlten Arbeit ist Nastja ehrenamtliche Bürgermeisterin in ihrem Wohnort.

Vätermonate gibt es bei Pflegekindern nicht – diese Möglichkeit fehlt ihrem Mann. Er ist auf Management-Ebene tätig und kommt geplant nicht vor 20:00 Uhr nach Hause. Damit gibt es zwischen beiden die eher klassische Aufteilung: Sie kümmert sich um die „Familienarbeit“, er macht die „Männerarbeiten“. Wenn Nastja Kundentermine hat, kann er sich einen Homeoffice-Tag einrichten. Geplant früher nach Hause kommen ist für ihn auch möglich.

Nastja, wie organisierst du deine Familie?

„Eine Putzfrau hatte ich schon immer. Nun ist noch eine Babysitterin dazu gekommen. Sie ist alle zwei Wochen da. So kann ich Arbeitstermine gut planen oder diese Zeit auch für mich selbst nutzen. Hier im Dorf unterstützen wir uns gegenseitig, in dem die Kinder sich verabreden und bei anderen Kindern spielen. So hat jede Mutter mal „frei“. Ich genieße zudem die Ganztagsbetreuung im Kindergarten und in der Schule. Das entlastet den Familienalltag sehr, da die Kinder das Mittagessen in der Betreuung zu sich nehmen. Und dabei ist das Ganze bezahlbar: Für den Kindergarten zahlen wir nur das Essen, mit der Betreuung in der Schule kostet uns das insgesamt ca. 100 EUR pro Monat.“

Was tut dir gut?

„Alle berufstätigen Frauen hier haben die gleichen Herausforderungen, das schafft ein gemeinsames Verständnis. Wir unterstützen uns gegenseitig und so entstehen für jeden Freiräume. Gerade dadurch, dass wir Pflegekinder haben, finde ich die Gespräch mit meinem Mann wichtig. So können wir gemeinsam die Entwicklung der Kinder reflektieren.“

Was hast du vermisst?

„Ruhezeiten! Am Anfang waren unsere beiden einfach anstrengend, weil es Pflegekinder sind. Das hat sich heute verändert. Ich vermisse aber nach wie vor meine „alten“ Freiheiten in der Gestaltung meines Tagesablaufes. Wünschen würde ich mir etwas mehr Struktur bei meinem Mann. Ich fände es schön, wenn er mehr Aufmerksamkeit hätte für die oft nur kleinen Dinge des Alltags – doch das wird wohl so bleiben.“

Was ist für dich eine große Hürde beim Wiedereinstieg?

„Eltern sein ist ein fortlaufender Prozess. Ich kann als Mutter nicht mehr alles im gleichen Maß machen wie früher, mein Zeitpotenzial ist einfach kleiner. Ich muss mich daher viel mehr entscheiden, was noch geht und was nicht – und damit zufrieden sein. Das Zeitpotenzial wird aber auch wieder größer, weil die Kinder älter werden. Eine für mich unangenehme Erfahrung ist, dass mein Tag nicht mehr so planbar ist. Vor den Kindern war mein Tag durchgetaktet. Heute sind meine Planungseinheiten kleiner. Als Herausforderung empfinde ich größere Projekte wie z. B. die Renovierung der Küche.“

Wie ist es mit deinen Kunden und dem Wiedereinstieg?

„Für mich hat sich die Kooperation mit der Coaching-Firma bewährt. Ich habe mir vor 2013 schon einiges an Kontakten und Kunden aufgebaut. Wenn ich einen Termin wegen der Kinder absagen muss, bekomme ich Verständnis. Gerade, wenn die Kinder adhoc auf Prio A gesetzt werden müssen, spielen meine Kunden mit. Das gilt übrigens auch für den Arbeitgeber meines Mannes. Das entlastet uns beide in der Organisation von Unvorhergesehenem.“

Wie siehst du die Verantwortung der Gesellschaft beim Wiedereinstieg?

„Kinder sind kein Privatvergnügen, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. In meinem Umfeld ist schon viel vorhanden. Trotzdem sehe ich noch die „Königsweg-Denke“. Für arbeitende Eltern ist die Abweichung von der Regel normal. Ich stelle fest, dass die gelebte Praxis in den Familien sich von der gesellschaftlichen Erwartungshaltung unterscheidet. Das macht den Eltern oft Schuldgefühle und führt zu Frustrationen. Ich wünsche mir mehr Akzeptanz für die individuellen Entscheidungen der jeweiligen Familie. Wir haben heute keine festen Wertemuster mehr, die einen einzigen Weg vorgeben.“

Was müsste sich in deinem Umfeld verändern, damit du und deine Familie Beruf und Privates gut oder noch besser vereinbaren kann?

„Nichts! Mein Mann wird sich nicht ändern. Wenn ich wollte, könnte ich eine Kinderfrau einstellen – dann hätte ich mehr Freiräume. Doch Pflegekinder sind eine andere Aufgabe als eigene. Mehr Betreuung passt für mich daher nicht.“

Was ist der beste Tipp für Wiedereinsteiger?

„Anfangen! Familien bzw. arbeitende Eltern sollten sich nicht scheuen „feste Pflöcke“ einzurammen. Dann kann man beobachten, welche Folgen entstehen. Wenn es nötig wird, passt man an. Planen, vorausdenken geht nicht wirklich. Immer wieder ausprobieren, sich nicht schuldig fühlen und machen, was man selbst kann – das ist wichtig.“

Herzlichen Dank für das Interview und den Einblick in deine Familie.