Schlagwort-Archive: best practice

Best Practice: Der Wiedereinstieg schafft Freiheiten für das Muttersein und sich selbst!

Das Interview hat mich beeindruckt: so viele Stationen im Job mit drei Kindern! Anette,50 Jahre, ist schon fast „fertig“ mit Muttersein. Ihre Kinder sind heute 22, 20 und 18 Jahre alt. Die Wiedereinstiege haben also unter ganz anderen Rahmenbedingungen als den heutigen stattgefunden. Gelernt hat sie biologisch-technische Assistentin. Nach dem ersten Kind gab es noch „Erziehungsurlaub“. Dieser Arbeitgeber hat ein Programm für den Wiedereinstieg und garantiert fünf Jahren nach der Geburt den Arbeitsplatz. Das nimmt Anette an. Nach einem Jahr zu Hause ist sie mit 50 Prozent Teilzeit im Erziehungsurlaub wieder eingestiegen. Sie fuhr jeweils eine Stunde morgens und abends mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrem Arbeitsplatz. Betreut wurde der Sohn von ihrer Mutter, die im gleichen Haus wohnt.

Schwanger mit dem zweiten Kind ging sie mit ihrem Mann und erstem Kind für zwei Monate in die USA. Er hatte einen beruflichen Einsatz für seinen Arbeitgeber in den Staaten. Der Teilzeitjob im Erziehungsurlaub für das erste Kind als biologisch-technische Assistentin wäre durch den Mutterschutz aufgrund des zweiten Kindes sowieso bald zu Ende gewesen.

Nach der Geburt des zweiten Kindes hält sie es nicht sehr lange aus „ohne“. Sie trägt Zeitungen am frühen Morgen aus. Klar ist ihr, dass sie ein drittes Kind möchte. Daher gibt es keinen „großen“ Job.

Als Kind Nr. 3 ein Jahr alt ist, beginnt Anette für einen wissenschaftlichen Verlag an ihrem Wohnort an zwei halben Tagen pro Woche zu arbeiten. Das ist mit dem Wiedereinsteiger-Programm des ersten Arbeitgebers möglich. Sie betreut ein größeres Werk und hat viel Freiräume in der Zusammenarbeit mit den Autoren. Mit dem Wechsel auf den Chefsessel wird deutlich, dass der neue Chef ihr diese Freiräume nicht lässt und ihre Kompetenzen nicht sieht. Anette will wieder in ihren Beruf zurück, wo ihre Kompetenzen nicht in Frage gestellt werden. Der „große“ Sohn ist bei diesem Jobwechsel in der Schule und die beiden Mädchen im Kindergarten. Sie wird bei einer biotechnologischen Firma im näheren Umfeld fündig und arbeitet 50 Prozent bei vier Tagen pro Woche mit fünf Stunden pro Tag. Die Kinder werden von ihr in den Kindergarten gebracht, die Oma holt ab, kümmert sich um das Mittagessen und nach dem Mittagsschlaf ist sie wieder zu Hause.

Heute arbeitet Anette mit 50 Prozent in ihrem angestammten Beruf, hat in der Zwischenzeit eine Weiterbildung zur Study Nurse absolviert und will auf 80 Prozent aufstocken.

Zur Partnerschaft

Anette ist verheiratet. Vätermonate o. ä. gab es zu den Zeiten ihrer Kinder noch nicht. Bei seinem jetzigen Arbeitgeber konnte er eine Zeitlang mit 80 Prozent arbeiten. Anette arbeitet diesen Tag „ganz“. Er kümmerte sich um die Kinder und hatte mehr Zeit für sich – eine geniale Kombination für den Vater. Doch die Haltung in seiner Firma veränderte sich und er musste dieses Experiment beenden.

Die klassischen Frauenarbeiten erledigt Anette, die klassischen Männerarbeiten ihr Mann. Er unterstützt beim Einkauf, wenn sie ihm die Liste schreibt.

Die Arbeitgeber

Die Arbeitgeber haben wenig Abwesenheit durch die Kinder bei Anette erlebt. Die Kinder waren eher wenig krank. Wenn eines der Kinder krank war, hat Anette dies teilweise mit Überstunden ausgeglichen oder traf auf verständnisvolle Chefs, die teilweise selbst Väter oder Mütter waren bzw. wurden. Mit den unterschiedlichen Arbeitgebern hat Anette keine negativen Erfahrungen als arbeitende Mutter gemacht. Das liegt vielleicht auch an der Haltung „Es ist, wie es ist.“.

Im Interview sind die Arbeitgeber eher weniger ein Thema, vielleicht weil Anette in einem beruflichen Umfeld mit vielen weiblichen Teilzeit-Angestellten arbeitet?

Was hat Ihnen gut getan als Wiedereinsteiger?

Anette war und ist es wichtig, arbeiten zu gehen. Sie war glücklich wiedereinzusteigen – und das drei Mal. Ein gutes Gefühl war auch, dass die Kinder zu Hause bleiben konnten, weil ihre Mutter im Haus die Betreuung außerhalb von Kindergarten und Schule übernommen hat. Auch wenn ihr Verdienst nicht vergleichbar mit dem Einkommen ihres Mannes ist, entstand durch den Wiedereinstieg ein Gefühl von Unabhängigkeit und Selbstständigkeit.

Putzen und Windelwechseln ist für Anette nicht gerade der Traumjob, gehört aber zum Mutter- und Hausfrausein dazu. Die Tätigkeit im Beruf und die Frage „Können Sie bitte“ statt das „Ich will“ der manchmal auch quengelnden Kinder machen einen für sie wichtigen Unterschied. Und der Beruf lässt dann Mütter auch zu Hause gelassener werden – das ist die Erfahrung von Anette.

Was haben Sie vermisst?

Anette hat das Glück, Kinder zu haben und Mutter zu sein. Vor dem ersten Kind war die Vorstellung Mutter zu sein und ganz für das Kind da zu sein „die Perspektive“ für Anette. Nach dem ersten Kind stellte sie fest, dass diese Realität sie nicht ganz zufrieden macht. Das war der Grund für den Wiedereinstieg. Daher vermisste sie nichts nach dem Wiedereinstieg.

Was könnten Arbeitgeber noch mehr oder anders tun, damit der Wiedereinstieg leicht gelingt?

Aus Sicht von Anette „war es, wie es war“. Die Rahmenbedingungen waren damals einfach anders. Als ihr drittes Kind sechs Monate alt war, lief die Frist für den Wiedereinstieg nach fünf Jahren aufgrund des Vertrages mit dem ersten Arbeitgeber ab. 100 Prozent (das war der damalige Umfang ihres Arbeitsvertrags) mit drei Kindern, das jüngste ein halbes Jahr alt, war für sie zu diesem Zeitpunkt nicht vorstell- und machbar. Da hätte sich Anette etwas mehr Flexibilität des Arbeitgebers gewünscht.

Was müsste sich in Ihrem persönlichen Umfeld verändern, damit Sie und Ihre Familie Beruf und Privates gut oder noch besser vereinbaren können?

Anette sind Aussagen wie „Der Mann verdient nicht genug, deshalb muss die Frau mitarbeiten“ begegnet. Das hat sie zwar nicht beeinflusst in ihren beruflichen Plänen, aber es war doch spürbar. Auch wenn ihre Mutter sich um die Enkel gekümmert hat , fand sie die Berufstätigkeit ihrer Tochter nicht wirklich gut. Das hat sicher die eine oder andere Diskussion hervorgerufen – doch weder ihre Meinung noch die der Mutter verändert. In einer Freundschaft war es nicht einfach, als berufstätige Mutter mit einer Vollzeit-Mutter befreundet zu sein. Zu unterschiedlich waren die Wichtigkeiten in den beiden Lebensentwürfen. Diese Freundschaft schlief dann ein.

Anette scheint wenig beeinflussbar von außen zu sein – das ist sicher für eine arbeitende Mutter von Vorteil.

Was ist der beste Tipp für andere Wiedereinsteiger?

Man und frau muss organisieren können, um als arbeitende Eltern gut klar zu kommen. Entweder gibt es eine Haushaltshilfe bzw. Putzfrau oder die Eltern verabschieden sich von einer aufgeräumten Wohnung – das sind Anettes Tipps für andere Wiedereinsteiger. Wie andere arbeitende Mütter warnt sie vor Perfektionismus. Vergessen sollte frau nicht, was ihr selbst wichtig ist und das dann auch tun. Auch der Partner sollte unterstützen und Aufgaben übernehmen. So gelingt es, Mutter zu sein und zu arbeiten.

Advertisements

Best Practice: Früher Wiedereinstieg hilft bei der Vereinbarkeit!

Die beruflichen Stationen von Julia sind vielfältig. Nach dem Studium ist sie z. B. in der Beratung und in großen Projekten aktiv. Heute ist sie Professorin an einer Hochschule. Sie hat zwei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren. Nach dem ersten Kind ist sie nach neun Monaten wieder eingestiegen. Das realisierte sie mit einem 60 %igen Beschäftigungsumfang als drei „lange“ Tage im Büro. Nach dem zweiten Kind arbeitete sie weiter mit einem flexiblen Teilzeit–Modell. Die gesetzliche Rahmenbedingungen zu diesem Zeitpunkt waren „Teilzeit in Elternzeit“ mit bis zu 30 Stunden pro Woche. Vollzeit arbeitet sie seit fünf Jahren mit Homeoffice-Anteilen. Das ist vor allem seit dem zweiten Kind wichtig.

Zur Partnerschaft

Julia ist verheiratet. Vätermonate gab es zur Zeit der Geburt der Kinder noch nicht. Beim ersten Kind hat der Vater sich beruflich verändert aus einem Job mit einem 14 bis 15 Stunden Tag in eine Anstellung mit weniger Reisetätigkeit, um mehr zu Hause sein zu können. Für ihn ist es selbstverständlich, dass er sich genauso um die Kinder kümmert. Die „Arbeitsaufteilung“ als Eltern ist nötig, da beide Vollzeit arbeiten. Elternabende sind für beide ein Thema, auch wenn Julia mehr Termine wahrnimmt. Die Hilfe bei den Hausaufgaben wird nach dem „Spaß-Prinzip“ verteilt. Wenn ein Kind krank ist, sprechen beide ab, wer gerade besser zu Hause bleiben kann.

Die Arbeitgeber

Der erste Wiedereinstieg gestaltete sich nicht so einfach: „Weil ich Mutter war, habe ich Aufgaben bekommen, die ich früher selbst delegiert habe.“ Julia erlebt einen Rückschritt – weil männliche Führungskräfte dachten, sie könne das nicht. Der zweite Wiedereinstieg war einfacher, weil kurz vorher Projektarbeiten abgesprochen waren. Vor zehn Jahren war das eher ungewöhnlich, heute sind Projektaufgaben eher normal. Diese Projektzeit dauerte ein Jahr, dann erfolgte der nächste Umzug und es stand wieder Neues an. Wer sich jetzt wundert, wie das gehen kann – diese Frage habe ich auch gestellt. Julia war zu dieser Zeit bei einem großem Konzern beschäftigt, der an ihren jeweiligen Wohnorten eine Niederlassung hatte. Das bedeute zwar jeweils einen neuen Vorgesetzten und neue Aufgabenbereiche, doch auch immer wieder die Möglichkeit, weiterzuarbeiten. Der Konzern arbeitete mit Familienagenturen zusammen. Darüber konnten Tagesmütter gefunden werden. Hier weist sie im Interview darauf hin, dass das auch für Väter möglich ist, die bei großen Konzernen arbeiten!

Was hat ihr gut getan als Wiedereinsteigerin?

Julia genoss es, neben all den Babythemen den Kopf für andere Dinge wieder frei zu bekommen. Ihr ist es wichtig, das zu tun, was sie kann und wofür sie ausgebildet ist. Der Wiedereinstieg soll daran wieder anknüpfen können. Im Beruf kann sie wieder unter erwachsenen Menschen sein

Was hat sie vermisst?

Julia fehlte das Verständnis mancher Vorgesetzter für die Doppelgleisigkeit von Familie und Beruf. Arbeitende Eltern müssen pünktlich gehen, auch wenn sich z. B. Besprechungstermine verschieben. Viele Mütter in ihrem Umfeld hätten mit Unverständnis auf den frühen Wunsch des Wiedereinstiegs reagiert. Als die Kinder noch klein waren, hieß es häufig: „Genieße lieber deine Elternzeit, dem Kind tut das gut.“ Kam man abgehetzt zum Elternsprechtag, weil dieser bereits um 18 Uhr startete: „Ist doch klar, das ist zu viel.“ Dadurch hätten Eltern oft das Gefühl, niemandem gerecht zu werden. Man braucht ein dickes Fell für schräge Blicke oder blöde Bemerkungen – so ihre Erfahrung. Sie wünscht sich mehr Verständnis für berufstätige Eltern – ohne sich rechtfertigen zu müssen oder bewertet zu werden.

Was ist aus ihrer Sicht die größte Hürde für einen erfolgreichen Wiedereinstieg?

Die Akzeptanz von Gesellschaft und Unternehmen, dass Mütter nicht alles Berufliche vergessen, wenn ein Kind da ist! Mütter wollen arbeiten und wollen dies auch können. Bei ihr schloss der Ganztageskindergarten um 16:00 Uhr – das sind keine guten Rahmenbedingungen für arbeitende Eltern. Das hat sich heute zumindest in Teilen verbessert.

Was könnten Arbeitgeber noch mehr oder anders tun, damit der Wiedereinstieg leicht gelingt?

Vor dem Wiedereinstieg ist ein Gespräch mit dem Chef wichtig, um gegenseitige Erwartungshaltungen austauschen. Was kann, will und soll z. B. in Teilzeit geleistet werden? Was wird evtl. an Überstunden erwartet, was ist dabei zumutbar? Vielleicht ist ein Homeoffice passend? Das Ganze sollte in einer offenen Gesprächsatmosphäre stattfinden. Auf alle Fälle brauchen arbeitende Eltern einen längeren Planungshorizont. Eltern sollten aber bereits Vorschläge mitbringen – und immer wieder Kommunikation einfordern. Führungskräfte müssen für die Bedürfnisse von Familien sensibilisiert werden.

Julia erzählt, wie eine beruflich erfolgreiche Freundin ohne Kinder von zwei Abteilungsleitern mit Kindern gebeten wurde, Meetings um 17:00 Uhr enden zu lassen – beide wollten ihre Kinder abends noch sehen. Ihre Freundin hatte das nicht im Blick.

Was müsste „die Gesellschaft“ tun oder anders denken, damit der Wiedereinstieg für arbeitende Eltern gut gelingt?

Es braucht in Deutschland eine andere Geisteshaltung, wie z. B. in Holland oder Finnland. In den Niederlanden können beide Eltern in Teilzeit arbeiten, ohne einen Ansehensverlust oder Einschränkungen bei der Karriere. Hinderlich sind die lange Arbeitszeiten in Deutschland: 19:00 oder 20:00 Uhr sind eher die Regel als die Ausnahme. Das aber geht zu Lasten der Kinder. Mehr Verständnis sei zudem wichtig, da junge Familien eine Vielzahl von zusätzlichen zeit- und organisationsintensiven Tätigkeiten wahrnehmen, bis die Kinder selbständiger sind,. Damit beide Eltern berufstätig bleiben, müsste in der Öffentlichkeit mehr darüber berichtet werden, wie Elternsein und Arbeiten gelingt, statt dass der Fokus der Berichterstattung auf den Schwierigkeiten liegt.

Was müsste sich in ihrem persönlichen Umfeld verändern, damit sie und ihre Familie Beruf und Privates gut oder noch besser vereinbaren können?

Auch wenn es Unterstützung durch den Arbeitgeber gab, ist die Betreuung nach wie vor ein Thema, weil eben alles selbst organisiert werden muss. Die Aufnahme von Au-pairs war eine gute Entscheidung für einige Jahre, da musste nicht jeder Tag neu organisiert werden. Was fehlt, sind Institutionen z. B. in der Kommune, die für Betreuungsfragen zuständig sind und die Serviceangebote unterschiedlichster Art, privat und öffentlich, bündeln. Für die Familie von Julia ist die Betreuungsfrage wichtig, da durch die Umzüge eher weniger Freunde vor Ort sind und die Großeltern weiter weg wohnen und so im Alltag nicht verfügbar sind. Ein besserer Zugang zu Betreuungsangeboten macht einen Jobwechsel und den Wiedereinstieg leichter und Eltern sind dadurch flexibler. Das ermöglicht Müttern z. B. auch den Weg in die Selbstständigkeit.

Was ist der beste Tipp für andere Wiedereinsteiger?

Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben! Daher sollen Eltern mit Vertrauen an alles herangehen und sich gut vorbereiten, aber nicht zu Tode planen – das geht mit Kindern sowieso nicht. Eltern sollten um Hilfe fragen und im Job auch mal „Nein“ sagen können. Aufgaben sollten auch abgegeben werden. Manche Termine muss man absagen, man kann und muss nicht alles machen.

Julia hat die Erfahrung gemacht, dass kleine Kinder sehr zufrieden mit guter und qualifizierter Betreuung sind – das ist auch gut zu bekommen. Wenn Kinder größer werden, sind andere Strukturen nötig. Eltern sollten daher früh wieder einsteigen. Man ist dann fester im Job und kann die die Bedürfnisse der größeren Kinder besser verhandeln. Der Arbeitgeber und auch die Kinder konnten bis dahin die Erfahrungen machen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie klappt. So ist die Verhandlungsposition besser.

Julia rät Eltern, auch Zutrauen in andere Erwachsene zu haben, mit ihrem Baby oder Kleinkind gut umgehen zu können. Sie hat mit ihrem ersten Kind erleben können, dass dieses von ihrem frühen Wiedereinstieg profitierte, da es ab dem Alter von neun Monaten zu einer Tagesmutter mit zwei älteren eigenen Kindern ging und dort viel mit seinen großen „Gastgeschwistern“ spielen und von ihnen lernen konnte.

Wenn Sie Ihren Wiedereinstieg mit einem Satz beschreiben würden, wie wäre dieser?

Kinder sind Erfüllung, Arbeiten auch – Eltern sollen es einfach wagen und dafür den evtl. Perfektionsmuszwang zügeln.

Mein Wiedereinstieg: Augen auf und los!

Nastja, 51 Jahre alt, ist vielleicht eine besondere Wiedereinsteigerin. Ihr Mann und sie haben 2013 zwei Pflegekinder (Geschwister, heute 5 und 7 Jahre alt) in ihre Familie aufgenommen. Eigene Kinder haben sie nicht.

Nastja war und ist selbstständig als Coach. Sie hat einige Zeit vor der „Familienwerdung“ begonnen mit einer Coaching-Firma zusammenzuarbeiten. Diese übernimmt etliche Aufgaben wie z. B. Webseite oder Administration. Als Jahresdurchschnitt arbeitet sie ca. 20 %. Sie versucht, mehr Teamcoachings als Aufträge zu erhalten, da diese effizienter zu bearbeiten sind als Einzelcoachings. Neben dieser bezahlten Arbeit ist Nastja ehrenamtliche Bürgermeisterin in ihrem Wohnort.

Vätermonate gibt es bei Pflegekindern nicht – diese Möglichkeit fehlt ihrem Mann. Er ist auf Management-Ebene tätig und kommt geplant nicht vor 20:00 Uhr nach Hause. Damit gibt es zwischen beiden die eher klassische Aufteilung: Sie kümmert sich um die „Familienarbeit“, er macht die „Männerarbeiten“. Wenn Nastja Kundentermine hat, kann er sich einen Homeoffice-Tag einrichten. Geplant früher nach Hause kommen ist für ihn auch möglich.

Nastja, wie organisierst du deine Familie?

„Eine Putzfrau hatte ich schon immer. Nun ist noch eine Babysitterin dazu gekommen. Sie ist alle zwei Wochen da. So kann ich Arbeitstermine gut planen oder diese Zeit auch für mich selbst nutzen. Hier im Dorf unterstützen wir uns gegenseitig, in dem die Kinder sich verabreden und bei anderen Kindern spielen. So hat jede Mutter mal „frei“. Ich genieße zudem die Ganztagsbetreuung im Kindergarten und in der Schule. Das entlastet den Familienalltag sehr, da die Kinder das Mittagessen in der Betreuung zu sich nehmen. Und dabei ist das Ganze bezahlbar: Für den Kindergarten zahlen wir nur das Essen, mit der Betreuung in der Schule kostet uns das insgesamt ca. 100 EUR pro Monat.“

Was tut dir gut?

„Alle berufstätigen Frauen hier haben die gleichen Herausforderungen, das schafft ein gemeinsames Verständnis. Wir unterstützen uns gegenseitig und so entstehen für jeden Freiräume. Gerade dadurch, dass wir Pflegekinder haben, finde ich die Gespräch mit meinem Mann wichtig. So können wir gemeinsam die Entwicklung der Kinder reflektieren.“

Was hast du vermisst?

„Ruhezeiten! Am Anfang waren unsere beiden einfach anstrengend, weil es Pflegekinder sind. Das hat sich heute verändert. Ich vermisse aber nach wie vor meine „alten“ Freiheiten in der Gestaltung meines Tagesablaufes. Wünschen würde ich mir etwas mehr Struktur bei meinem Mann. Ich fände es schön, wenn er mehr Aufmerksamkeit hätte für die oft nur kleinen Dinge des Alltags – doch das wird wohl so bleiben.“

Was ist für dich eine große Hürde beim Wiedereinstieg?

„Eltern sein ist ein fortlaufender Prozess. Ich kann als Mutter nicht mehr alles im gleichen Maß machen wie früher, mein Zeitpotenzial ist einfach kleiner. Ich muss mich daher viel mehr entscheiden, was noch geht und was nicht – und damit zufrieden sein. Das Zeitpotenzial wird aber auch wieder größer, weil die Kinder älter werden. Eine für mich unangenehme Erfahrung ist, dass mein Tag nicht mehr so planbar ist. Vor den Kindern war mein Tag durchgetaktet. Heute sind meine Planungseinheiten kleiner. Als Herausforderung empfinde ich größere Projekte wie z. B. die Renovierung der Küche.“

Wie ist es mit deinen Kunden und dem Wiedereinstieg?

„Für mich hat sich die Kooperation mit der Coaching-Firma bewährt. Ich habe mir vor 2013 schon einiges an Kontakten und Kunden aufgebaut. Wenn ich einen Termin wegen der Kinder absagen muss, bekomme ich Verständnis. Gerade, wenn die Kinder adhoc auf Prio A gesetzt werden müssen, spielen meine Kunden mit. Das gilt übrigens auch für den Arbeitgeber meines Mannes. Das entlastet uns beide in der Organisation von Unvorhergesehenem.“

Wie siehst du die Verantwortung der Gesellschaft beim Wiedereinstieg?

„Kinder sind kein Privatvergnügen, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. In meinem Umfeld ist schon viel vorhanden. Trotzdem sehe ich noch die „Königsweg-Denke“. Für arbeitende Eltern ist die Abweichung von der Regel normal. Ich stelle fest, dass die gelebte Praxis in den Familien sich von der gesellschaftlichen Erwartungshaltung unterscheidet. Das macht den Eltern oft Schuldgefühle und führt zu Frustrationen. Ich wünsche mir mehr Akzeptanz für die individuellen Entscheidungen der jeweiligen Familie. Wir haben heute keine festen Wertemuster mehr, die einen einzigen Weg vorgeben.“

Was müsste sich in deinem Umfeld verändern, damit du und deine Familie Beruf und Privates gut oder noch besser vereinbaren kann?

„Nichts! Mein Mann wird sich nicht ändern. Wenn ich wollte, könnte ich eine Kinderfrau einstellen – dann hätte ich mehr Freiräume. Doch Pflegekinder sind eine andere Aufgabe als eigene. Mehr Betreuung passt für mich daher nicht.“

Was ist der beste Tipp für Wiedereinsteiger?

„Anfangen! Familien bzw. arbeitende Eltern sollten sich nicht scheuen „feste Pflöcke“ einzurammen. Dann kann man beobachten, welche Folgen entstehen. Wenn es nötig wird, passt man an. Planen, vorausdenken geht nicht wirklich. Immer wieder ausprobieren, sich nicht schuldig fühlen und machen, was man selbst kann – das ist wichtig.“

Herzlichen Dank für das Interview und den Einblick in deine Familie.

Mein Wiedereinstieg: Harte Phasen, aber letztendlich gelungen!

Katrin gehört zu den „Vollzeit-Frauen“. Sie hat eine Tochter, die heute neun Jahre alt ist. Nach dem Mutterschutz arbeitete sie stundenweise. Der Wiedereinstieg in Vollzeit geschah, als ihre Tochter 15 Monate alt war. Ihr Mann, ein Politiker und in Leiter einer regionalen Verwaltung, hat vor neun Jahren keine Elternzeit in Anspruch genommen. Vätermonate gab es „damals“ noch nicht. Für ihn war der Wiedereinstieg seiner Frau eine Selbstverständlichkeit.

Vielleicht kann man beide als „Karriere-Paar“ bezeichnen. Er erfolgreicher Politiker, sie leitet eine gemeinnützige Stiftung. Vor dem ersten und einzigen Kind arbeitete Katrin als Assistenz eines Aufsichtsrates und war verantwortlich für die Pressearbeit. Direkt nach dem Wiedereinstieg war sie eine Zeitlang noch die Assistentin dieses Aufsichtsrates. Ihr heutiger Job, die Leitung einer Stiftung, ist kein Job, der sich an „Nine to five“ hält. Doch für Katrin ist er „der richtige“. Und ihr Vorgesetzter hat nie bezweifelt, dass sie gestellte Aufgaben nicht übernehmen könne.

Was ist Ihr Tipp für Wiedereinsteiger?

Vollzeitarbeit, schulpflichtiges Kind und Haushalt sowie die Wahrnehmung von Ehrenämtern und vielfältige soziale Kontakte unter einen Hut zu bringen, heißt bei mir: Täglich um 05:00 Uhr aufstehen und häufig nicht vor 23:00 Uhr ins Bett gehen. Das geht nur, wenn man/frau es wirklich will und Spaß an den Aufgaben hat – na ja, auf den Haushalt könnte ich verzichten. Hier habe ich mir stundenweise Unterstützung organisiert. Das ist auch wichtig, denn die Organisation und Erledigung der Familienarbeit liegt bei mir.

Wie der Wiedereinstieg gelang:

Meine Eltern haben in den ersten Jahren in der Kinderbetreuung unterstützt. Gerade, wenn die Tochter krank war, war das nötig. Heutige sind die Eltern nicht mehr ganz so fit – meine Tochter aber auch größer. Schwierig war es, vor neun Jahren einen Krippenplatz zu finden.

Was wünschen Sie sich, Katrin?

Mein Wunsch ist , dass es nicht nur ausreichende (Klein-)Kinderbetreuung gibt, sondern auch eine pädagogisch wertvolle und zeitlich flexible. Dass ich mindestens 45 Minuten ins Büro fahre, war von Anfang an klar und kein Grund zum Jammern. Ich hätte gerne mehr Zeit für Sport.

Vielen Dank für das spannende Interview!

Best Practice für den Wiedereinstieg

Mir fehlen Vorbilder und ein „Wie machen es andere?“ zum Wiedereinstieg. In der Presse gibt es von Zeit zu Zeit Vorzeige-Familien, über die berichtet wird. Mir ist das manchmal zu weit weg vom Alltag „normaler“ arbeitender Eltern. Daher finden Sie in meinem Blog ab heute in unregelmäßigen Abständen Interviews mit „normalen“ Wiedereinsteigern, die ihre Erfahrungen schildern. Von Vollzeit- bis Teilzeit-Wiedereinstieg, Familien mit ein oder mehreren Kindern sind viele Konstellationen „befragt“ worden bzw. werden interviewt. Bewusst habe ich auch Wiedereinsteiger ausgewählt, deren Kinder schon größer sind. Gerade der Start beim Wiedereinstieg ist manchmal holprig oder demotivierend. Daher kann es wichtig sein zu lesen, wohin sich ein Wiedereinstieg entwickeln kann.

Ich bin gespannt auf Ihr Feedback. Um 12:00 Uhr geht es heute mit dem ersten Interview los.