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Best Practice: Früher Wiedereinstieg hilft bei der Vereinbarkeit!

Die beruflichen Stationen von Julia sind vielfältig. Nach dem Studium ist sie z. B. in der Beratung und in großen Projekten aktiv. Heute ist sie Professorin an einer Hochschule. Sie hat zwei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren. Nach dem ersten Kind ist sie nach neun Monaten wieder eingestiegen. Das realisierte sie mit einem 60 %igen Beschäftigungsumfang als drei „lange“ Tage im Büro. Nach dem zweiten Kind arbeitete sie weiter mit einem flexiblen Teilzeit–Modell. Die gesetzliche Rahmenbedingungen zu diesem Zeitpunkt waren „Teilzeit in Elternzeit“ mit bis zu 30 Stunden pro Woche. Vollzeit arbeitet sie seit fünf Jahren mit Homeoffice-Anteilen. Das ist vor allem seit dem zweiten Kind wichtig.

Zur Partnerschaft

Julia ist verheiratet. Vätermonate gab es zur Zeit der Geburt der Kinder noch nicht. Beim ersten Kind hat der Vater sich beruflich verändert aus einem Job mit einem 14 bis 15 Stunden Tag in eine Anstellung mit weniger Reisetätigkeit, um mehr zu Hause sein zu können. Für ihn ist es selbstverständlich, dass er sich genauso um die Kinder kümmert. Die „Arbeitsaufteilung“ als Eltern ist nötig, da beide Vollzeit arbeiten. Elternabende sind für beide ein Thema, auch wenn Julia mehr Termine wahrnimmt. Die Hilfe bei den Hausaufgaben wird nach dem „Spaß-Prinzip“ verteilt. Wenn ein Kind krank ist, sprechen beide ab, wer gerade besser zu Hause bleiben kann.

Die Arbeitgeber

Der erste Wiedereinstieg gestaltete sich nicht so einfach: „Weil ich Mutter war, habe ich Aufgaben bekommen, die ich früher selbst delegiert habe.“ Julia erlebt einen Rückschritt – weil männliche Führungskräfte dachten, sie könne das nicht. Der zweite Wiedereinstieg war einfacher, weil kurz vorher Projektarbeiten abgesprochen waren. Vor zehn Jahren war das eher ungewöhnlich, heute sind Projektaufgaben eher normal. Diese Projektzeit dauerte ein Jahr, dann erfolgte der nächste Umzug und es stand wieder Neues an. Wer sich jetzt wundert, wie das gehen kann – diese Frage habe ich auch gestellt. Julia war zu dieser Zeit bei einem großem Konzern beschäftigt, der an ihren jeweiligen Wohnorten eine Niederlassung hatte. Das bedeute zwar jeweils einen neuen Vorgesetzten und neue Aufgabenbereiche, doch auch immer wieder die Möglichkeit, weiterzuarbeiten. Der Konzern arbeitete mit Familienagenturen zusammen. Darüber konnten Tagesmütter gefunden werden. Hier weist sie im Interview darauf hin, dass das auch für Väter möglich ist, die bei großen Konzernen arbeiten!

Was hat ihr gut getan als Wiedereinsteigerin?

Julia genoss es, neben all den Babythemen den Kopf für andere Dinge wieder frei zu bekommen. Ihr ist es wichtig, das zu tun, was sie kann und wofür sie ausgebildet ist. Der Wiedereinstieg soll daran wieder anknüpfen können. Im Beruf kann sie wieder unter erwachsenen Menschen sein

Was hat sie vermisst?

Julia fehlte das Verständnis mancher Vorgesetzter für die Doppelgleisigkeit von Familie und Beruf. Arbeitende Eltern müssen pünktlich gehen, auch wenn sich z. B. Besprechungstermine verschieben. Viele Mütter in ihrem Umfeld hätten mit Unverständnis auf den frühen Wunsch des Wiedereinstiegs reagiert. Als die Kinder noch klein waren, hieß es häufig: „Genieße lieber deine Elternzeit, dem Kind tut das gut.“ Kam man abgehetzt zum Elternsprechtag, weil dieser bereits um 18 Uhr startete: „Ist doch klar, das ist zu viel.“ Dadurch hätten Eltern oft das Gefühl, niemandem gerecht zu werden. Man braucht ein dickes Fell für schräge Blicke oder blöde Bemerkungen – so ihre Erfahrung. Sie wünscht sich mehr Verständnis für berufstätige Eltern – ohne sich rechtfertigen zu müssen oder bewertet zu werden.

Was ist aus ihrer Sicht die größte Hürde für einen erfolgreichen Wiedereinstieg?

Die Akzeptanz von Gesellschaft und Unternehmen, dass Mütter nicht alles Berufliche vergessen, wenn ein Kind da ist! Mütter wollen arbeiten und wollen dies auch können. Bei ihr schloss der Ganztageskindergarten um 16:00 Uhr – das sind keine guten Rahmenbedingungen für arbeitende Eltern. Das hat sich heute zumindest in Teilen verbessert.

Was könnten Arbeitgeber noch mehr oder anders tun, damit der Wiedereinstieg leicht gelingt?

Vor dem Wiedereinstieg ist ein Gespräch mit dem Chef wichtig, um gegenseitige Erwartungshaltungen austauschen. Was kann, will und soll z. B. in Teilzeit geleistet werden? Was wird evtl. an Überstunden erwartet, was ist dabei zumutbar? Vielleicht ist ein Homeoffice passend? Das Ganze sollte in einer offenen Gesprächsatmosphäre stattfinden. Auf alle Fälle brauchen arbeitende Eltern einen längeren Planungshorizont. Eltern sollten aber bereits Vorschläge mitbringen – und immer wieder Kommunikation einfordern. Führungskräfte müssen für die Bedürfnisse von Familien sensibilisiert werden.

Julia erzählt, wie eine beruflich erfolgreiche Freundin ohne Kinder von zwei Abteilungsleitern mit Kindern gebeten wurde, Meetings um 17:00 Uhr enden zu lassen – beide wollten ihre Kinder abends noch sehen. Ihre Freundin hatte das nicht im Blick.

Was müsste „die Gesellschaft“ tun oder anders denken, damit der Wiedereinstieg für arbeitende Eltern gut gelingt?

Es braucht in Deutschland eine andere Geisteshaltung, wie z. B. in Holland oder Finnland. In den Niederlanden können beide Eltern in Teilzeit arbeiten, ohne einen Ansehensverlust oder Einschränkungen bei der Karriere. Hinderlich sind die lange Arbeitszeiten in Deutschland: 19:00 oder 20:00 Uhr sind eher die Regel als die Ausnahme. Das aber geht zu Lasten der Kinder. Mehr Verständnis sei zudem wichtig, da junge Familien eine Vielzahl von zusätzlichen zeit- und organisationsintensiven Tätigkeiten wahrnehmen, bis die Kinder selbständiger sind,. Damit beide Eltern berufstätig bleiben, müsste in der Öffentlichkeit mehr darüber berichtet werden, wie Elternsein und Arbeiten gelingt, statt dass der Fokus der Berichterstattung auf den Schwierigkeiten liegt.

Was müsste sich in ihrem persönlichen Umfeld verändern, damit sie und ihre Familie Beruf und Privates gut oder noch besser vereinbaren können?

Auch wenn es Unterstützung durch den Arbeitgeber gab, ist die Betreuung nach wie vor ein Thema, weil eben alles selbst organisiert werden muss. Die Aufnahme von Au-pairs war eine gute Entscheidung für einige Jahre, da musste nicht jeder Tag neu organisiert werden. Was fehlt, sind Institutionen z. B. in der Kommune, die für Betreuungsfragen zuständig sind und die Serviceangebote unterschiedlichster Art, privat und öffentlich, bündeln. Für die Familie von Julia ist die Betreuungsfrage wichtig, da durch die Umzüge eher weniger Freunde vor Ort sind und die Großeltern weiter weg wohnen und so im Alltag nicht verfügbar sind. Ein besserer Zugang zu Betreuungsangeboten macht einen Jobwechsel und den Wiedereinstieg leichter und Eltern sind dadurch flexibler. Das ermöglicht Müttern z. B. auch den Weg in die Selbstständigkeit.

Was ist der beste Tipp für andere Wiedereinsteiger?

Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben! Daher sollen Eltern mit Vertrauen an alles herangehen und sich gut vorbereiten, aber nicht zu Tode planen – das geht mit Kindern sowieso nicht. Eltern sollten um Hilfe fragen und im Job auch mal „Nein“ sagen können. Aufgaben sollten auch abgegeben werden. Manche Termine muss man absagen, man kann und muss nicht alles machen.

Julia hat die Erfahrung gemacht, dass kleine Kinder sehr zufrieden mit guter und qualifizierter Betreuung sind – das ist auch gut zu bekommen. Wenn Kinder größer werden, sind andere Strukturen nötig. Eltern sollten daher früh wieder einsteigen. Man ist dann fester im Job und kann die die Bedürfnisse der größeren Kinder besser verhandeln. Der Arbeitgeber und auch die Kinder konnten bis dahin die Erfahrungen machen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie klappt. So ist die Verhandlungsposition besser.

Julia rät Eltern, auch Zutrauen in andere Erwachsene zu haben, mit ihrem Baby oder Kleinkind gut umgehen zu können. Sie hat mit ihrem ersten Kind erleben können, dass dieses von ihrem frühen Wiedereinstieg profitierte, da es ab dem Alter von neun Monaten zu einer Tagesmutter mit zwei älteren eigenen Kindern ging und dort viel mit seinen großen „Gastgeschwistern“ spielen und von ihnen lernen konnte.

Wenn Sie Ihren Wiedereinstieg mit einem Satz beschreiben würden, wie wäre dieser?

Kinder sind Erfüllung, Arbeiten auch – Eltern sollen es einfach wagen und dafür den evtl. Perfektionsmuszwang zügeln.

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Mein Wiedereinstieg: Augen auf und los!

Nastja, 51 Jahre alt, ist vielleicht eine besondere Wiedereinsteigerin. Ihr Mann und sie haben 2013 zwei Pflegekinder (Geschwister, heute 5 und 7 Jahre alt) in ihre Familie aufgenommen. Eigene Kinder haben sie nicht.

Nastja war und ist selbstständig als Coach. Sie hat einige Zeit vor der „Familienwerdung“ begonnen mit einer Coaching-Firma zusammenzuarbeiten. Diese übernimmt etliche Aufgaben wie z. B. Webseite oder Administration. Als Jahresdurchschnitt arbeitet sie ca. 20 %. Sie versucht, mehr Teamcoachings als Aufträge zu erhalten, da diese effizienter zu bearbeiten sind als Einzelcoachings. Neben dieser bezahlten Arbeit ist Nastja ehrenamtliche Bürgermeisterin in ihrem Wohnort.

Vätermonate gibt es bei Pflegekindern nicht – diese Möglichkeit fehlt ihrem Mann. Er ist auf Management-Ebene tätig und kommt geplant nicht vor 20:00 Uhr nach Hause. Damit gibt es zwischen beiden die eher klassische Aufteilung: Sie kümmert sich um die „Familienarbeit“, er macht die „Männerarbeiten“. Wenn Nastja Kundentermine hat, kann er sich einen Homeoffice-Tag einrichten. Geplant früher nach Hause kommen ist für ihn auch möglich.

Nastja, wie organisierst du deine Familie?

„Eine Putzfrau hatte ich schon immer. Nun ist noch eine Babysitterin dazu gekommen. Sie ist alle zwei Wochen da. So kann ich Arbeitstermine gut planen oder diese Zeit auch für mich selbst nutzen. Hier im Dorf unterstützen wir uns gegenseitig, in dem die Kinder sich verabreden und bei anderen Kindern spielen. So hat jede Mutter mal „frei“. Ich genieße zudem die Ganztagsbetreuung im Kindergarten und in der Schule. Das entlastet den Familienalltag sehr, da die Kinder das Mittagessen in der Betreuung zu sich nehmen. Und dabei ist das Ganze bezahlbar: Für den Kindergarten zahlen wir nur das Essen, mit der Betreuung in der Schule kostet uns das insgesamt ca. 100 EUR pro Monat.“

Was tut dir gut?

„Alle berufstätigen Frauen hier haben die gleichen Herausforderungen, das schafft ein gemeinsames Verständnis. Wir unterstützen uns gegenseitig und so entstehen für jeden Freiräume. Gerade dadurch, dass wir Pflegekinder haben, finde ich die Gespräch mit meinem Mann wichtig. So können wir gemeinsam die Entwicklung der Kinder reflektieren.“

Was hast du vermisst?

„Ruhezeiten! Am Anfang waren unsere beiden einfach anstrengend, weil es Pflegekinder sind. Das hat sich heute verändert. Ich vermisse aber nach wie vor meine „alten“ Freiheiten in der Gestaltung meines Tagesablaufes. Wünschen würde ich mir etwas mehr Struktur bei meinem Mann. Ich fände es schön, wenn er mehr Aufmerksamkeit hätte für die oft nur kleinen Dinge des Alltags – doch das wird wohl so bleiben.“

Was ist für dich eine große Hürde beim Wiedereinstieg?

„Eltern sein ist ein fortlaufender Prozess. Ich kann als Mutter nicht mehr alles im gleichen Maß machen wie früher, mein Zeitpotenzial ist einfach kleiner. Ich muss mich daher viel mehr entscheiden, was noch geht und was nicht – und damit zufrieden sein. Das Zeitpotenzial wird aber auch wieder größer, weil die Kinder älter werden. Eine für mich unangenehme Erfahrung ist, dass mein Tag nicht mehr so planbar ist. Vor den Kindern war mein Tag durchgetaktet. Heute sind meine Planungseinheiten kleiner. Als Herausforderung empfinde ich größere Projekte wie z. B. die Renovierung der Küche.“

Wie ist es mit deinen Kunden und dem Wiedereinstieg?

„Für mich hat sich die Kooperation mit der Coaching-Firma bewährt. Ich habe mir vor 2013 schon einiges an Kontakten und Kunden aufgebaut. Wenn ich einen Termin wegen der Kinder absagen muss, bekomme ich Verständnis. Gerade, wenn die Kinder adhoc auf Prio A gesetzt werden müssen, spielen meine Kunden mit. Das gilt übrigens auch für den Arbeitgeber meines Mannes. Das entlastet uns beide in der Organisation von Unvorhergesehenem.“

Wie siehst du die Verantwortung der Gesellschaft beim Wiedereinstieg?

„Kinder sind kein Privatvergnügen, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. In meinem Umfeld ist schon viel vorhanden. Trotzdem sehe ich noch die „Königsweg-Denke“. Für arbeitende Eltern ist die Abweichung von der Regel normal. Ich stelle fest, dass die gelebte Praxis in den Familien sich von der gesellschaftlichen Erwartungshaltung unterscheidet. Das macht den Eltern oft Schuldgefühle und führt zu Frustrationen. Ich wünsche mir mehr Akzeptanz für die individuellen Entscheidungen der jeweiligen Familie. Wir haben heute keine festen Wertemuster mehr, die einen einzigen Weg vorgeben.“

Was müsste sich in deinem Umfeld verändern, damit du und deine Familie Beruf und Privates gut oder noch besser vereinbaren kann?

„Nichts! Mein Mann wird sich nicht ändern. Wenn ich wollte, könnte ich eine Kinderfrau einstellen – dann hätte ich mehr Freiräume. Doch Pflegekinder sind eine andere Aufgabe als eigene. Mehr Betreuung passt für mich daher nicht.“

Was ist der beste Tipp für Wiedereinsteiger?

„Anfangen! Familien bzw. arbeitende Eltern sollten sich nicht scheuen „feste Pflöcke“ einzurammen. Dann kann man beobachten, welche Folgen entstehen. Wenn es nötig wird, passt man an. Planen, vorausdenken geht nicht wirklich. Immer wieder ausprobieren, sich nicht schuldig fühlen und machen, was man selbst kann – das ist wichtig.“

Herzlichen Dank für das Interview und den Einblick in deine Familie.

Ist Vereinbarkeit Familie / Beruf eine Sache der Frauen?

In der letzten Zeit habe ich mehrere Artikel in den Online-Medien gelesen, die von Frauen berichten, die nicht wiedereinsteigen wollen oder können. Mütter berichten, dass sie z. B. mit drei Kindern und dem entsprechenden „Betreuungsprogramm“ am Nachmittag gar nicht arbeiten könnten – und auch nicht wollen. Daraus wird dann teilweise Kritik am „System“ abgeleitet.

Mich machen solche Artikel nachdenklich und auch etwas emotional. Aus meiner Sicht wird damit die Vereinbarkeitsfrage auf die Schultern der Mütter geladen. Vereinbarkeit ist aber eine Thema der Familie und des Paares bzw. der Eltern. Ja, es gibt auch Alleinerziehende. Doch die Artikel, die ich gelesen habe, waren über Mütter, die mit ihrem Mann in einer Partnerschaft leben.

Wenn sich ein Paar entscheidet, drei Kinder zu haben, dann ist das eine Entscheidung des Paares. Wenn sich ein Paar entscheidet, dass sich die Kinder nachmittags sportlich, musikalisch oder kreativ betätigen, dann ist das eine Entscheidung des Paares. Und wenn das Paar entscheidet keine Kinderfrau zu beschäftigen, die die Familienorganisation mit übernimmt (aus welchen Gründen auch immer), dann ist das eine Entscheidung des Paares. Und wenn der Vater entscheidet, 100 % zu arbeiten, dann hat das Auswirkungen auf die Möglichkeit der Mutter, wiedereinzusteigen. Auch wenn die Mütter vielleicht den Eindruck haben, sie hätten diese Entscheidungen selbst getroffen, werden diese Entscheidungen so lange vom Partner mitgetragen, wie dieser nicht eine andere Entscheidung haben möchte.

Die Frage der Vereinbarkeit wird so vielfältig zu beantworten sein, wie es Familien gibt. Und damit gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, sondern ein „Was passt für uns?“. Jedes Paar hat seine eigenen Vorstellungen zu Paar-Sein, beruflicher Entwicklung von Mann und Frau und der Frage, wie die eigenen Kind(er) groß werden sollen. Aus meiner Sicht ist daher Respekt für die Entscheidungen nötig – egal wie sie vom Paar getroffen werden.

Wir sind nicht mehr im Zeitalter unserer Eltern oder Großeltern, wo es wenig gesellschaftlich akzeptierte Lebensentwürfe für Männer und Frauen gab. Das hat klar Vorteile für uns heute – wir haben heute den Freiraum, unseren eigenen Weg zu gehen. Das bringt aber auch die Last der Entscheidung mit sich, welchen Weg Mann, Frau und das Paar gehen möchten. Und es hat den Nachteil, dass es kein „richtig“ und „falsch“ mehr gibt. Und manchmal ist es viel schwerer, eine Entscheidung zu treffen, als einen vorgezeichneten Lebensweg zu gehen.

Es gibt für mich noch eine zweite Komponente in diesem Feld. Was ich mir von den Paaren wünsche, ist mit den Konsequenzen der getroffenen Entscheidungen zu leben und diese zu akzeptieren. Wenn das Paar entscheidet, dass der Mann die 100 %-Beschäftigung leistet und die Frau die Familienorganisation weitestgehend trägt, dann ist wahrscheinlich ein Wiedereinstieg für die Mutter kein Thema – so lange die Entscheidungen nicht revidiert oder anders getroffen werden. Liebe Mütter: Bitte akzeptiert die Konsequenzen dieser Entscheidungen und lasst es euch damit gut gehen.

Wenn wir in unserer Gesellschaft die Vereinbarkeit auf die Schultern der Mütter laden, dann wird es Mütter mit schlechtem Gewissen geben, die „zu Hause bleiben“. Und je nach gesellschaftlicher Strömung wird es Mütter mit schlechtem Gewissen geben, die Vollzeit arbeiten und sich „nicht um ihre Kinder kümmern“. Vereinbarkeit ist die Sache des Paares und der Familie – und damit sind viele Modelle möglich, ohne eines zu favorisieren.

Das ist heute ein eher emotionaler Beitrag – das musste für mich heute sein.

Was meinen Sie dazu? Wer ist für die Vereinbarkeit verantwortlich bzw. wer trägt sie auf den Schultern?

Vereinbarkeit und Wiedereinstieg auf der Zukunft Personal!

Letzte Woche fand die Zukunft Personal in Köln statt. Die Messe ist Europas größte Fachmesse für Personalmanagement. Wohltuend fand ich, dass „mein“ Thema Wiedereinstieg bei den Ausstellern vertreten war. Zu finden waren Unternehmen, die Betriebskindergärten einrichten oder betreiben und Anbieter von Dienstleistungen rund um das Thema Betreuung und Vereinbarkeit. Diese Firmen sind mir dabei „über den Weg gelaufen“:

  • Ein Betreuerportal, wo Betreuungskräfte oder Alltagshelfer von den Mitarbeitenden eigenständig gesucht werden können, auch in ländlichen Regionen. Der Arbeitgeber kauft eine Firmenlizenz für das Portal, die Mitarbeiter nutzen dieses:
    Care.com Europe GmbH, Berlin, http://www.workplacesolutions.de.care.com
  • Konzept-e, die Spezialisten für Bildung und Betreuung. Dieses Unternehmen berät Unternehmen und soziale Einrichtungen und führt Kinderhäuser und Schulen. Seit mehr als 20 Jahren ist das Unternehmen aktiv und führt z. Z. 30 öffentliche oder betriebliche Kindergärten. Das sind die Kontaktdaten: Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH, Stuttgart, http://www.konzept-e.de
  • Und ein weiteres Unternehmen, das Betriebskindergärten plant, pädagogische Konzepte ausarbeitet, Personal auswählt und die Trägeschaft übernimmt, ist mir begegnet. Die Referenzen reichen von Universitäten, großen Konzernen wie der Deutschen Bahn, zu Familienunternehmen wie Vaillant oder kleinen Unternehmen. Damit sind sehr unterschiedliche Größen von Kitas realisiert. Überrascht hat mich der Ansatz, in Betriebskindergärten „Stadtteil“kinder mitaufzunehmen.

Die Frage, wie Arbeitgeber Familien beim Wiedereinstieg unterstützen, ist zumindest auf dieser Messe angekommen!

Realität oder nur Bad Practice beim Wiedereinstieg ?

Bisher haben Sie viel Mutmachendes und Positives in diesem Blog lesen können: Was für einen Wiedereinstieg spricht, wie das gut gehen kann, usw. Heute soll es einmal um die andere Seite gehen – nicht, weil es schlecht um den erfolgreichen Wiedereinstieg bestellt ist. Mein Anliegen ist, dass die Wiedereinsteiger mit schlechteren Rahmenbedingungen sich wiederfinden können. Denn „rosarot“ sieht es mit dem Wiedereinstieg nicht aus. Doch nur schlecht ist es auch nicht. Wenn Sie anderer Meinung sind, freue ich mich auf die Diskussion mit Ihnen!

Das ist mir bei meinem Wiedereinstieg nach sechs Monaten „Auszeit“ vor 14 Jahren begegnet:

  • Eine Führungskraft in einem offenen Seminar teilt mir beim Frühstück vor dem zweiten Seminartag mit, dass er seiner Frau verbieten würde, was ich hier mache. Damit meinte er, mit einem kleinen Kind als Mutter zu arbeiten.
  • Eine Teilnehmerin sprach mich bei einem Training (ebenfalls mit Übernachtung) an, ob ich wissen würde, dass Kinder psychischen Schaden nähmen, wenn die Mutter nachts nicht zu Hause ist. Dass meine Tochter nicht mutterseelenallein zu Hause schläft, sondern mein Mann sie betreut, war nicht wirklich relevant.
  • Ein Teilnehmender macht mich wohlwollend darauf aufmerksam, dass mein Kind unbedingt in musikalische Früherziehung müsse. Als ich erwiderte, dass ich das erst in einem Jahr im Kindergarten (als separaten Kurs) angehen würde, kam: „Da ist das  Fenster im Gehirn aber geschlossen. Das muss schon jetzt sein.“

Das sind von den vielen Gesprächen nur die großen Dinge, die mir im Gedächtnis hängen geblieben sind. Bemerkenswert fand ich diesen Coaching-Auftrag:

  • Eine Personalabteilung informiert mich über einen Coachee. Dieser würde so lange am Nachmittag / Abend noch arbeiten. Ich solle doch gemeinsam mit dem Coachee die Arbeitsorganisation optimieren, damit die Person früher nach Hause käme. Dabei stellte sich heraus, dass es um eine Mitarbeiterin mit einem kleinen Kind ging. Der Ehemann und Vater war nach einem großen Umzug (innerhalb Europas) noch ohne Folgejob und betreute den Sohn. Ich fragte beim Personalverantwortlichen, ob es auch einen Auftrag geben würde, wenn der Mitarbeitende ein Mann (also Vater) wäre und die Mutter das Kind Zuhause betreuen würde; Schweigen auf der anderen Seite!

Nach einem Wiedereinsteiger-Workshop spricht mich eine Teilnehmerin an, ob ich ihr einen guten Coach empfehlen könne. Sie habe kurz vor der Schwangerschaft den Job gewechselt. Ihr neuer Arbeitgeber wollte sie unbedingt haben. Der Job ließ sich gut an: abwechslungsreich, interessante Projekte, spannende Termine – auch außer Haus. Bald nach der Einstellung wurde sie schwanger. Ihr Man sei freiberuflich von zu Hause aus tätig und kümmere sich um das Kind. Daher sei sie nach dem Mutterschutz wieder Vollzeit arbeiten gegangen. Danach hätten die Probleme angefangen. Sie sei von Projekten abgezogen worden, habe weniger Termine außer Haus.  Ihre Aufgaben seien weniger attraktiv und langweiliger. Oft würde sie gefragt, wie sie das denn schaffe (emotional), so frisch Mutter zu sein und Vollzeit zu arbeiten. Sie könne nicht verstehen, warum die gute Zusammenarbeit vor der Geburt sich so verändert habe. Jetzt müsse sie erst einmal für sich klären, was sie beruflich will und mit welchem Arbeitgeber das gut geht. Ich habe einen guten Coach empfohlen – und kenne das Ergebnis des  Coachings nicht.

Kennen Sie solche Beispiele von sich oder aus Ihrem Umfeld auch? Ich hoffe nicht zu viele! Denn für mein Herzblutthema „Erfolgreicher  Wiedereinstieg“ berichte ich viel lieber über Best Practice und mache damit Mut. Und damit geht es dann im nächsten Blogbeitrag weiter.

„Glaubenssätze“ rund um den Wiedereinstieg

Auf der einen Seite sind für einen erfolgreichen Wiedereinstieg Rahmenbedingungen wichtig, die eher von den Unternehmen oder der Gesellschaft gestaltet werden. Auf der anderen Seite gelingt der Wiedereinstieg auch nur dann, wenn beim Wiedereinsteiger die Ampel auf „grün“ steht.

Bei meinem Arbeiten mit Wiedereinsteigern begegnen mir Bedenken und Sorgen. Als Therapeutin und Supervisorin weiß ich, dass man diese Ängste nicht „wegmachen“ kann. Ich weiß aber auch, dass solche Gedanken zu Realitäten werden können. Solche „Glaubenssätze“ beeinflussen unser Denken und Handeln und gestalten unser Erleben. Daher lohnt sich ein Blick darauf:

Mein Kind ist noch zu klein / zu jung / kann das noch nicht / …

Das ist eine der größeren Ängste, vor allem, wenn das Kind in die Krippe gehen soll. Je nach Lage auf dem Arbeitsmarkt werden diese Ängste auch geschürt (z. B. die Mutter ist die wichtigste Bezugsperson und ein zu früher Wiedereinstieg verringert die emotionale Stabilität). Heike Hölling, Studienleiterin (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey)  am Robert-Koch-Institut, sagt: „Wenn die Mütter nur zu Hause sind, haben ihre Kinder ein 3,1-fach erhöhtes Risiko, psychisch auffällig zu werden.“ (gefunden in psychologie heute, Juni 2011, S. 42)

Wie soll ich das alles schaffen / Das wird mir zu viel / es kommt so viel auf mich zu / …

Ja, es steht eine Veränderung an. Und – sie ist bewältigbar. Mit dieser Sorge lässt sich gut umgehen. Klären Sie mit ihrem Umfeld, wer welche Arbeiten übernehmen kann. Vielleicht nehmen Sie auch die Dienste eines Haushaltsservices in Anspruch. Welche Arbeiten werden nicht mehr gemacht? Auch wenn mit dem 1. Kind oft die „Retraditionalisierung“ in den Rollen Vater (Ernährer) und Mutter (Kümmerer rund um die Familie) stattfindet, dürfen Sie es gerne anders machen. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Umfeld Freiräume geben, Dinge anders zu erledigen als Sie selbst es tun würden. Nur so entsteht Entlastung.

Planen Sie von Anfang an auch Freiräume für sich selbst ein. Gewöhnen Sie sich gleich an, Freundschaften ohne Kinder zu pflegen und tun Sie etwas für Entspannung oder Erholung – regelmäßig im Alltag und nicht nur im Urlaub.

Mein Kind wird in der Schule schlechter sein / ich kann bei den Hausaufgaben nicht helfen / …

Auch das ist widerlegt! Una Röhr-Sendlmeier  und ihr Team fanden folgendes (gefunden in psychologie heute, Juni 2011, S. 40):

  • Am Gymnasium (Regelklassen 5 – 10) sind 75 % der Mütter berufstätig.
  • In den Begabtenklassen liegt die Quote bei 82 %.
  • Sind Mütter berufstätig, lernen Kinder motivierter, ihr schulisches Selbstkonzept und ihre Beufswahlreife ist besser entwickelt als die von Kindern von „Nur-Hausfrauen“.

Eine Detailauswertung der PISa-Studie (2010) zeigt dies (gefunden in psychologie heute, Juni 2011, S. 40):

  • Die Chance auf ein Gymnasium zu kommen ist 3,7 fach höher, wenn die Mütter arbeiten (Mecklenburg-Vorpommern).
Ich muss meinem Arbeitgeber dankbar sein, dass ich wieder arbeiten „darf“

Wenn Sie diesen Blog öfter lesen, haben Sie schon erfahren können, dass familienfreundliche Unternehmen betriebswirtschafliche Vorteile haben. Ein Unternehmen tut selten etwas, wenn es sich nicht auch einen Nutzen davon verspricht. Und gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie rechnen sich. Ein weiterer Aspekt ist, dass Wiedereinsteiger sozusagen eine „stille Reserve“ im Fachkräftemangel sind. Treten Sie entsprechend auf – Sie sind es wert!

Sicher gibt es noch mehr Ängste oder Sorgen. Prüfen Sie für sich, was Ihnen so im Kopf, im Herzen und im Bauch  „herum geht“. Nehmen Sie sich Zeit dafür und erstellen Sie eine Liste. Bewerten Sie die einzelnen Punkte mit 3 (groß), 2 (mittel) und 1 (klein). Recherchieren Sie Zahlen / Daten / Fakten zu den 3er-Punkten – oder kontaktieren Sie mich. So nehmen Sie Ihre Ängste ernst und setzen sich damit auseinander. Oft reicht das schon,  um durch die Schriftlichkeit, das Gewichten und das Recherchieren den Ängsten ihre Größe zu nehmen. Viel Erfolg damit!

 

Ferienbetreuung – was kann ein Unternehmen tun?

Die Osterferien sind vorbei und die Sommerferien nahen. Für arbeitende Eltern mit schulpflichtigen Kindern sind die Schulferien mit ihren ca. 12 Wochen eine lange Zeit, in der Kinder zu betreuen sind. Der eigene Urlaub reicht nicht, selbst wenn sich beide Elternteile aufteilen. Nicht immer gibt es ein Umfeld wie Großeltern o. ä., die bei der Betreuung in den Schulferien unterstützen können. Eine Camp-Kultur wie z. B. in den USA, wo mehrwöchige Camps für Schulkinder in den Ferien angeboten werden, ist bei uns in Deutschland noch nicht vorhanden. Was tun? Wie können Unternehmen ihre Mitarbeitenden unterstützen?

Ein erster Schritt ist, alle Informationen zu Ferienbetreuung zu sammeln. Welche Vereine oder Städte bieten Ferienaktivitäten an? Was leisten z. B. kirchliche Organisationen in den Ferien? Diese Übersicht könnte bei der Gleichstellungsbeauftragten, in der Personalabteilung oder im Intranet abrufbar sein. Arbeitende Eltern bringen sich in den „Sammelprozess“ gerne mit ihren Informationen und Erfahrungen ein.

Ein zweiter Weg könnte sein, Plätze bei den Anbietern für die Mitarbeiterkinder zu buchen. Das ist sicher steuerlich zu prüfen. Es braucht eine gewisse Unternehmensgröße, damit sich dieser „Aufwand“ lohnt. Für die Familienfreundlichkeit des Unternehmens ist es ein großer Gewinn.

Ein dritter Ansatz ist eher für größere Unternehmen interessant: Selbst ein Ferienbetreuungsprogramm aufzubauen. Je nach Branche des Unternehmens gibt es dafür auch Partner. Ein Beispiel für die Metropolregion Rhein-Main finden Sie hier:

http://two4science.de/ferienspiele-science-camp#sc_unternehmen

Um es ganz deutlich zu sagen: Schon der erste Schritt mit der Übersicht zu den Ferienbetreuungsangeboten in der Region ist für die arbeitenden Eltern ein wichtiger Schritt – und ein wichtiges Angebot für mehr Familienfreundlichkeit.