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Best Practice: Der Wiedereinstieg schafft Freiheiten für das Muttersein und sich selbst!

Das Interview hat mich beeindruckt: so viele Stationen im Job mit drei Kindern! Anette,50 Jahre, ist schon fast „fertig“ mit Muttersein. Ihre Kinder sind heute 22, 20 und 18 Jahre alt. Die Wiedereinstiege haben also unter ganz anderen Rahmenbedingungen als den heutigen stattgefunden. Gelernt hat sie biologisch-technische Assistentin. Nach dem ersten Kind gab es noch „Erziehungsurlaub“. Dieser Arbeitgeber hat ein Programm für den Wiedereinstieg und garantiert fünf Jahren nach der Geburt den Arbeitsplatz. Das nimmt Anette an. Nach einem Jahr zu Hause ist sie mit 50 Prozent Teilzeit im Erziehungsurlaub wieder eingestiegen. Sie fuhr jeweils eine Stunde morgens und abends mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrem Arbeitsplatz. Betreut wurde der Sohn von ihrer Mutter, die im gleichen Haus wohnt.

Schwanger mit dem zweiten Kind ging sie mit ihrem Mann und erstem Kind für zwei Monate in die USA. Er hatte einen beruflichen Einsatz für seinen Arbeitgeber in den Staaten. Der Teilzeitjob im Erziehungsurlaub für das erste Kind als biologisch-technische Assistentin wäre durch den Mutterschutz aufgrund des zweiten Kindes sowieso bald zu Ende gewesen.

Nach der Geburt des zweiten Kindes hält sie es nicht sehr lange aus „ohne“. Sie trägt Zeitungen am frühen Morgen aus. Klar ist ihr, dass sie ein drittes Kind möchte. Daher gibt es keinen „großen“ Job.

Als Kind Nr. 3 ein Jahr alt ist, beginnt Anette für einen wissenschaftlichen Verlag an ihrem Wohnort an zwei halben Tagen pro Woche zu arbeiten. Das ist mit dem Wiedereinsteiger-Programm des ersten Arbeitgebers möglich. Sie betreut ein größeres Werk und hat viel Freiräume in der Zusammenarbeit mit den Autoren. Mit dem Wechsel auf den Chefsessel wird deutlich, dass der neue Chef ihr diese Freiräume nicht lässt und ihre Kompetenzen nicht sieht. Anette will wieder in ihren Beruf zurück, wo ihre Kompetenzen nicht in Frage gestellt werden. Der „große“ Sohn ist bei diesem Jobwechsel in der Schule und die beiden Mädchen im Kindergarten. Sie wird bei einer biotechnologischen Firma im näheren Umfeld fündig und arbeitet 50 Prozent bei vier Tagen pro Woche mit fünf Stunden pro Tag. Die Kinder werden von ihr in den Kindergarten gebracht, die Oma holt ab, kümmert sich um das Mittagessen und nach dem Mittagsschlaf ist sie wieder zu Hause.

Heute arbeitet Anette mit 50 Prozent in ihrem angestammten Beruf, hat in der Zwischenzeit eine Weiterbildung zur Study Nurse absolviert und will auf 80 Prozent aufstocken.

Zur Partnerschaft

Anette ist verheiratet. Vätermonate o. ä. gab es zu den Zeiten ihrer Kinder noch nicht. Bei seinem jetzigen Arbeitgeber konnte er eine Zeitlang mit 80 Prozent arbeiten. Anette arbeitet diesen Tag „ganz“. Er kümmerte sich um die Kinder und hatte mehr Zeit für sich – eine geniale Kombination für den Vater. Doch die Haltung in seiner Firma veränderte sich und er musste dieses Experiment beenden.

Die klassischen Frauenarbeiten erledigt Anette, die klassischen Männerarbeiten ihr Mann. Er unterstützt beim Einkauf, wenn sie ihm die Liste schreibt.

Die Arbeitgeber

Die Arbeitgeber haben wenig Abwesenheit durch die Kinder bei Anette erlebt. Die Kinder waren eher wenig krank. Wenn eines der Kinder krank war, hat Anette dies teilweise mit Überstunden ausgeglichen oder traf auf verständnisvolle Chefs, die teilweise selbst Väter oder Mütter waren bzw. wurden. Mit den unterschiedlichen Arbeitgebern hat Anette keine negativen Erfahrungen als arbeitende Mutter gemacht. Das liegt vielleicht auch an der Haltung „Es ist, wie es ist.“.

Im Interview sind die Arbeitgeber eher weniger ein Thema, vielleicht weil Anette in einem beruflichen Umfeld mit vielen weiblichen Teilzeit-Angestellten arbeitet?

Was hat Ihnen gut getan als Wiedereinsteiger?

Anette war und ist es wichtig, arbeiten zu gehen. Sie war glücklich wiedereinzusteigen – und das drei Mal. Ein gutes Gefühl war auch, dass die Kinder zu Hause bleiben konnten, weil ihre Mutter im Haus die Betreuung außerhalb von Kindergarten und Schule übernommen hat. Auch wenn ihr Verdienst nicht vergleichbar mit dem Einkommen ihres Mannes ist, entstand durch den Wiedereinstieg ein Gefühl von Unabhängigkeit und Selbstständigkeit.

Putzen und Windelwechseln ist für Anette nicht gerade der Traumjob, gehört aber zum Mutter- und Hausfrausein dazu. Die Tätigkeit im Beruf und die Frage „Können Sie bitte“ statt das „Ich will“ der manchmal auch quengelnden Kinder machen einen für sie wichtigen Unterschied. Und der Beruf lässt dann Mütter auch zu Hause gelassener werden – das ist die Erfahrung von Anette.

Was haben Sie vermisst?

Anette hat das Glück, Kinder zu haben und Mutter zu sein. Vor dem ersten Kind war die Vorstellung Mutter zu sein und ganz für das Kind da zu sein „die Perspektive“ für Anette. Nach dem ersten Kind stellte sie fest, dass diese Realität sie nicht ganz zufrieden macht. Das war der Grund für den Wiedereinstieg. Daher vermisste sie nichts nach dem Wiedereinstieg.

Was könnten Arbeitgeber noch mehr oder anders tun, damit der Wiedereinstieg leicht gelingt?

Aus Sicht von Anette „war es, wie es war“. Die Rahmenbedingungen waren damals einfach anders. Als ihr drittes Kind sechs Monate alt war, lief die Frist für den Wiedereinstieg nach fünf Jahren aufgrund des Vertrages mit dem ersten Arbeitgeber ab. 100 Prozent (das war der damalige Umfang ihres Arbeitsvertrags) mit drei Kindern, das jüngste ein halbes Jahr alt, war für sie zu diesem Zeitpunkt nicht vorstell- und machbar. Da hätte sich Anette etwas mehr Flexibilität des Arbeitgebers gewünscht.

Was müsste sich in Ihrem persönlichen Umfeld verändern, damit Sie und Ihre Familie Beruf und Privates gut oder noch besser vereinbaren können?

Anette sind Aussagen wie „Der Mann verdient nicht genug, deshalb muss die Frau mitarbeiten“ begegnet. Das hat sie zwar nicht beeinflusst in ihren beruflichen Plänen, aber es war doch spürbar. Auch wenn ihre Mutter sich um die Enkel gekümmert hat , fand sie die Berufstätigkeit ihrer Tochter nicht wirklich gut. Das hat sicher die eine oder andere Diskussion hervorgerufen – doch weder ihre Meinung noch die der Mutter verändert. In einer Freundschaft war es nicht einfach, als berufstätige Mutter mit einer Vollzeit-Mutter befreundet zu sein. Zu unterschiedlich waren die Wichtigkeiten in den beiden Lebensentwürfen. Diese Freundschaft schlief dann ein.

Anette scheint wenig beeinflussbar von außen zu sein – das ist sicher für eine arbeitende Mutter von Vorteil.

Was ist der beste Tipp für andere Wiedereinsteiger?

Man und frau muss organisieren können, um als arbeitende Eltern gut klar zu kommen. Entweder gibt es eine Haushaltshilfe bzw. Putzfrau oder die Eltern verabschieden sich von einer aufgeräumten Wohnung – das sind Anettes Tipps für andere Wiedereinsteiger. Wie andere arbeitende Mütter warnt sie vor Perfektionismus. Vergessen sollte frau nicht, was ihr selbst wichtig ist und das dann auch tun. Auch der Partner sollte unterstützen und Aufgaben übernehmen. So gelingt es, Mutter zu sein und zu arbeiten.

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Anne-Marie Slaughter: Vereinbarkeit in den USA

Vielleicht haben Sie schon von ihr gehört: Anne-Marie Slaughter war  Planungsdirektorin im Außenministerium und hat die Debatte über die heikle Balance zwischen Beruf und Familie wieder neu entfacht : Die Politikwissenschaftlerin  gab ihren erklärten Traumjob im State Department nach zwei Jahren auf, um wieder näher bei ihrer Familie zu sein. Sie schrieb darüber 2012 einen Artikel im Magazin „The Atlantic“ mit dem provokanten Titel: „Why women can’t have it all“ – Warum Frauen nicht alles haben können. Jetzt hat sie ihre Thesen in einem Buch veröffentlicht: „Unfinished Business“ – Unerledigte Aufgaben.

Wichtig ist zu wissen, dass die Rahmenbedingungen in den USA anders sind: Die USA ist das einzige industrialisierte Land der Welt, das keinen bezahlten Mutterschutz per Gesetz garantiert. Kindertagesstätten, öffentliche wie private, sind teuer und Subventionen gibt es nur für besonders bedürftige Familien. Das ist in Deutschland anders.

Wichtig zu wissen ist auch, dass die Politikwissenschaftlerin Anne-Marie Slaughter nach den zwei Jahren in Washington in Princeton weiter als Professorin tätig war.

In ihrem aktuellen Buch geht sie etwas versöhnlicher mit dem Thema Vereinbarkeit um als 2012. Sie regt an, die Vorstellung von einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn neu zu definieren – eine Karriere nicht als stetig ansteigende Kurve zu betrachten, sondern als Stufenmodell mit aktiveren und ruhigeren Phasen.

Wer noch etwas mehr lesen will, wird hier fündig:

http://www.deutschlandfunk.de/familie-und-beruf-unbequeme-wahrheiten-ueber-die.1310.de.html?dram%3Aarticle_id=339775

Dort finden sich auch die Informationen zum Buch von ihr.

Für Deutschland sehe ich andere Rahmenbedingungen und damit mehr Möglichkeiten für eine erfolgreichen Wiedereinstieg. Die subtile Aufforderung für arbeitende Mütter, erfolgreich zu sein und Erfolg als steile Karriere zu sehen, ist nach meinen Erfahrungen auch in Deutschland spürbar. Daher gefällt mir das Stufen-Modell von Anne-Marie Slaughter gut.

Was sind Ihre Stufen? Auf welcher stehen Sie und welche ist die nächste?

Schnellstarterinnen und ihre Erfahrungen

Was heißt es für Mütter, wenn sie bald nach der Geburt in den Beruf zurückkehren? Dieser Frage hat sich Frankfurter Allgemeine Zeitung gewidmet und drei Frauen befragt:

  • eine Assistenzärztin
  • eine Journalistin
  • eine Vize-Präsidentin einer Großbank

Hier können Sie den Artikel nachlesen: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/erfahrungen-von-muettern-die-gleich-nach-der-geburt-wieder-arbeiteten-13837511-p3.html

Die Frage „Wie geht es mir als Mutter und Berufstätige?“ wird je nach „Umfeld“ unterschiedlich bewertet. Gesellschaftliche „Glaubenssätze“, die postulieren, dass die Mutter für das Wohlergehen des Kindes zu Hause zu bleiben hat, kollidieren mit eigenen Wünschen nach Gestaltung der Berufstätigkeit. Alle Eltern, oft die Mütter, müssen hier den eigenen Platz finden – und dann den Weg selbstsicher gehen. Die Kinder spüren diese Überzeugung und profitieren in ihrer Entwicklung davon.

Wichtig scheinen auch die „Glaubenssätze“ der Arbeitgeber zu sein. Kann eine Mutter überhaupt als Führungskraft arbeiten? Geht Teilzeit und Vorgesetzte sein?  Passen verantwortungsvolle Aufgaben und Mutter sein zusammen? Hier scheint sich in der letzten Dekade einiges verändert zu haben – wohl auch durch das „Mehr“ an berufstätigen Müttern.

Väter sind im Kommen!

Es braucht positive Nachrichten, Best Practice und Beispiele, wo es gut voran geht  zum Thema „Erfolgreicher Wiedereinstieg“. Diese Woche gibt es zwei Nachrichten. Auf der einen Seite bin ich stolz, dass eines meiner Themen in das Magazin von Gender Dialog Society geschafft hat. Den Artikel finden Sie hier:

http://www.gendersdialogsociety.com/vater-sind-im-kommen/

Sie finden in diesem Artikel eine kurze Übersicht zur Väterstudie von Roland Berger und Vätermodelle, die in der Presse zu finden waren.

Eine Kollegin hat einen wundervollen Blogbeitrag eines Erfolgs-Vaters gefunden: http://www.lindig.com/lindig-blog/-/detail/news/der-chef-geht–10173

Hier berichtet ein Unternehmer, welche Erfahrungen er mit Elternzeit gemacht hat.

Welche guten Erfahrungen haben Sie mit Vätern gemacht? Welche Rahmenbedingung brauchen Väter? Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Best Practice: Früher Wiedereinstieg hilft bei der Vereinbarkeit!

Die beruflichen Stationen von Julia sind vielfältig. Nach dem Studium ist sie z. B. in der Beratung und in großen Projekten aktiv. Heute ist sie Professorin an einer Hochschule. Sie hat zwei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren. Nach dem ersten Kind ist sie nach neun Monaten wieder eingestiegen. Das realisierte sie mit einem 60 %igen Beschäftigungsumfang als drei „lange“ Tage im Büro. Nach dem zweiten Kind arbeitete sie weiter mit einem flexiblen Teilzeit–Modell. Die gesetzliche Rahmenbedingungen zu diesem Zeitpunkt waren „Teilzeit in Elternzeit“ mit bis zu 30 Stunden pro Woche. Vollzeit arbeitet sie seit fünf Jahren mit Homeoffice-Anteilen. Das ist vor allem seit dem zweiten Kind wichtig.

Zur Partnerschaft

Julia ist verheiratet. Vätermonate gab es zur Zeit der Geburt der Kinder noch nicht. Beim ersten Kind hat der Vater sich beruflich verändert aus einem Job mit einem 14 bis 15 Stunden Tag in eine Anstellung mit weniger Reisetätigkeit, um mehr zu Hause sein zu können. Für ihn ist es selbstverständlich, dass er sich genauso um die Kinder kümmert. Die „Arbeitsaufteilung“ als Eltern ist nötig, da beide Vollzeit arbeiten. Elternabende sind für beide ein Thema, auch wenn Julia mehr Termine wahrnimmt. Die Hilfe bei den Hausaufgaben wird nach dem „Spaß-Prinzip“ verteilt. Wenn ein Kind krank ist, sprechen beide ab, wer gerade besser zu Hause bleiben kann.

Die Arbeitgeber

Der erste Wiedereinstieg gestaltete sich nicht so einfach: „Weil ich Mutter war, habe ich Aufgaben bekommen, die ich früher selbst delegiert habe.“ Julia erlebt einen Rückschritt – weil männliche Führungskräfte dachten, sie könne das nicht. Der zweite Wiedereinstieg war einfacher, weil kurz vorher Projektarbeiten abgesprochen waren. Vor zehn Jahren war das eher ungewöhnlich, heute sind Projektaufgaben eher normal. Diese Projektzeit dauerte ein Jahr, dann erfolgte der nächste Umzug und es stand wieder Neues an. Wer sich jetzt wundert, wie das gehen kann – diese Frage habe ich auch gestellt. Julia war zu dieser Zeit bei einem großem Konzern beschäftigt, der an ihren jeweiligen Wohnorten eine Niederlassung hatte. Das bedeute zwar jeweils einen neuen Vorgesetzten und neue Aufgabenbereiche, doch auch immer wieder die Möglichkeit, weiterzuarbeiten. Der Konzern arbeitete mit Familienagenturen zusammen. Darüber konnten Tagesmütter gefunden werden. Hier weist sie im Interview darauf hin, dass das auch für Väter möglich ist, die bei großen Konzernen arbeiten!

Was hat ihr gut getan als Wiedereinsteigerin?

Julia genoss es, neben all den Babythemen den Kopf für andere Dinge wieder frei zu bekommen. Ihr ist es wichtig, das zu tun, was sie kann und wofür sie ausgebildet ist. Der Wiedereinstieg soll daran wieder anknüpfen können. Im Beruf kann sie wieder unter erwachsenen Menschen sein

Was hat sie vermisst?

Julia fehlte das Verständnis mancher Vorgesetzter für die Doppelgleisigkeit von Familie und Beruf. Arbeitende Eltern müssen pünktlich gehen, auch wenn sich z. B. Besprechungstermine verschieben. Viele Mütter in ihrem Umfeld hätten mit Unverständnis auf den frühen Wunsch des Wiedereinstiegs reagiert. Als die Kinder noch klein waren, hieß es häufig: „Genieße lieber deine Elternzeit, dem Kind tut das gut.“ Kam man abgehetzt zum Elternsprechtag, weil dieser bereits um 18 Uhr startete: „Ist doch klar, das ist zu viel.“ Dadurch hätten Eltern oft das Gefühl, niemandem gerecht zu werden. Man braucht ein dickes Fell für schräge Blicke oder blöde Bemerkungen – so ihre Erfahrung. Sie wünscht sich mehr Verständnis für berufstätige Eltern – ohne sich rechtfertigen zu müssen oder bewertet zu werden.

Was ist aus ihrer Sicht die größte Hürde für einen erfolgreichen Wiedereinstieg?

Die Akzeptanz von Gesellschaft und Unternehmen, dass Mütter nicht alles Berufliche vergessen, wenn ein Kind da ist! Mütter wollen arbeiten und wollen dies auch können. Bei ihr schloss der Ganztageskindergarten um 16:00 Uhr – das sind keine guten Rahmenbedingungen für arbeitende Eltern. Das hat sich heute zumindest in Teilen verbessert.

Was könnten Arbeitgeber noch mehr oder anders tun, damit der Wiedereinstieg leicht gelingt?

Vor dem Wiedereinstieg ist ein Gespräch mit dem Chef wichtig, um gegenseitige Erwartungshaltungen austauschen. Was kann, will und soll z. B. in Teilzeit geleistet werden? Was wird evtl. an Überstunden erwartet, was ist dabei zumutbar? Vielleicht ist ein Homeoffice passend? Das Ganze sollte in einer offenen Gesprächsatmosphäre stattfinden. Auf alle Fälle brauchen arbeitende Eltern einen längeren Planungshorizont. Eltern sollten aber bereits Vorschläge mitbringen – und immer wieder Kommunikation einfordern. Führungskräfte müssen für die Bedürfnisse von Familien sensibilisiert werden.

Julia erzählt, wie eine beruflich erfolgreiche Freundin ohne Kinder von zwei Abteilungsleitern mit Kindern gebeten wurde, Meetings um 17:00 Uhr enden zu lassen – beide wollten ihre Kinder abends noch sehen. Ihre Freundin hatte das nicht im Blick.

Was müsste „die Gesellschaft“ tun oder anders denken, damit der Wiedereinstieg für arbeitende Eltern gut gelingt?

Es braucht in Deutschland eine andere Geisteshaltung, wie z. B. in Holland oder Finnland. In den Niederlanden können beide Eltern in Teilzeit arbeiten, ohne einen Ansehensverlust oder Einschränkungen bei der Karriere. Hinderlich sind die lange Arbeitszeiten in Deutschland: 19:00 oder 20:00 Uhr sind eher die Regel als die Ausnahme. Das aber geht zu Lasten der Kinder. Mehr Verständnis sei zudem wichtig, da junge Familien eine Vielzahl von zusätzlichen zeit- und organisationsintensiven Tätigkeiten wahrnehmen, bis die Kinder selbständiger sind,. Damit beide Eltern berufstätig bleiben, müsste in der Öffentlichkeit mehr darüber berichtet werden, wie Elternsein und Arbeiten gelingt, statt dass der Fokus der Berichterstattung auf den Schwierigkeiten liegt.

Was müsste sich in ihrem persönlichen Umfeld verändern, damit sie und ihre Familie Beruf und Privates gut oder noch besser vereinbaren können?

Auch wenn es Unterstützung durch den Arbeitgeber gab, ist die Betreuung nach wie vor ein Thema, weil eben alles selbst organisiert werden muss. Die Aufnahme von Au-pairs war eine gute Entscheidung für einige Jahre, da musste nicht jeder Tag neu organisiert werden. Was fehlt, sind Institutionen z. B. in der Kommune, die für Betreuungsfragen zuständig sind und die Serviceangebote unterschiedlichster Art, privat und öffentlich, bündeln. Für die Familie von Julia ist die Betreuungsfrage wichtig, da durch die Umzüge eher weniger Freunde vor Ort sind und die Großeltern weiter weg wohnen und so im Alltag nicht verfügbar sind. Ein besserer Zugang zu Betreuungsangeboten macht einen Jobwechsel und den Wiedereinstieg leichter und Eltern sind dadurch flexibler. Das ermöglicht Müttern z. B. auch den Weg in die Selbstständigkeit.

Was ist der beste Tipp für andere Wiedereinsteiger?

Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben! Daher sollen Eltern mit Vertrauen an alles herangehen und sich gut vorbereiten, aber nicht zu Tode planen – das geht mit Kindern sowieso nicht. Eltern sollten um Hilfe fragen und im Job auch mal „Nein“ sagen können. Aufgaben sollten auch abgegeben werden. Manche Termine muss man absagen, man kann und muss nicht alles machen.

Julia hat die Erfahrung gemacht, dass kleine Kinder sehr zufrieden mit guter und qualifizierter Betreuung sind – das ist auch gut zu bekommen. Wenn Kinder größer werden, sind andere Strukturen nötig. Eltern sollten daher früh wieder einsteigen. Man ist dann fester im Job und kann die die Bedürfnisse der größeren Kinder besser verhandeln. Der Arbeitgeber und auch die Kinder konnten bis dahin die Erfahrungen machen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie klappt. So ist die Verhandlungsposition besser.

Julia rät Eltern, auch Zutrauen in andere Erwachsene zu haben, mit ihrem Baby oder Kleinkind gut umgehen zu können. Sie hat mit ihrem ersten Kind erleben können, dass dieses von ihrem frühen Wiedereinstieg profitierte, da es ab dem Alter von neun Monaten zu einer Tagesmutter mit zwei älteren eigenen Kindern ging und dort viel mit seinen großen „Gastgeschwistern“ spielen und von ihnen lernen konnte.

Wenn Sie Ihren Wiedereinstieg mit einem Satz beschreiben würden, wie wäre dieser?

Kinder sind Erfüllung, Arbeiten auch – Eltern sollen es einfach wagen und dafür den evtl. Perfektionsmuszwang zügeln.

Arbeitende Eltern: Wer arbeitet wie viel?

Nach einem Blog-Beitrag von BRIGITTE MOM sind deutsche Eltern konservativ: Mütter arbeiten in Teilzeit, Väter in Vollzeit. Eine Allensbach-Studie habe ermittelt, dass bei 55 Prozent der Eltern nach dem ersten Kind die Variante „Mutter Teilzeit, Vater Vollzeit“ gewählt wird. Fast jede fünfte Frau höre ganz auf zu arbeiten. Nach wie vor sei die Situation in Ostdeutschland anders. Dort sei im Schnitt die Elternzeit kürzer und mehr Eltern gingen in Vollzeit arbeiten.

Die meisten Paare gaben an, dass bei der Frage des Wiedereinstiegs die Stunden der Mutter nach der Elternzeit in der Familie diskutiert wird. Die Vollzeit-Tätigkeit des Vaters werde nicht thematisiert. 11 Prozent der Väter trauen sich die alleinige Betreuung des Kindes  / der Kinder nicht zu – und 11 Prozent der Mütter finden es nicht gut, wenn der Vater mehrheitlich sich um den Nachwuchs kümmern würde. So lange diese Antworten kommen, ist es noch ein weiter Weg zur Gleichberechtigung in der Familie und Mütter sind nach wie vor weniger repräsentiert in den Unternehmen, gerade auch in den Führungspositionen.

Bei der Studie „Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf“ wurden mehr als 3.000 Eltern mit Kinder unter sechs Jahren befragt.  Das ist der Link zum Artikel: http://mom.brigitte.de/schlau-werden/eltern-teilzeit-1250258/ Und das der Link zur Studie: http://www.ifd-allensbach.de/fileadmin/IfD/sonstige_pdfs/Weichenstellungen_Bericht_FINAL.pdf

Die Süddeutsche thematisiert in einem Beitrag vom 11. Juli 2015 vor, dass 32 Wochenstunden als Arbeitszeit für Familien reichen. Das war ein Vorschlag von Familienministerin Manuela Schleswig.. Auch hier wird festgestellt, dass der Anteil der Mütter an der Haushalts- und Familienorganisation höher ist als der der Väter, auch wenn die Mütter arbeiten. Die Süddeutsche bezieht sich auf den Führungskräftemonitor 2015 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Weibliche Führungskräfte kümmern sich fast doppelt so lange um den Nachwuchs wie Väter in der gleichen Position. Diese würden aber gerne weniger arbeiten. Als Weg zum Ziel werden benannt:

  • dass die Politik handeln sollte: u. a. 32-Stunden-Woche, Frauenquoten, Nachbesserung beim Elterngeld
  • dass die Unternehmen handeln sollten: u. .a geringe Wochenstunden und trotzdem tolle Jobs, Führen in Teilzeit, weniger Arbeiten am Abend, Doppelspitzen und mehr Job-Sharing
  • dass die Eltern handeln sollten: u. a. Mütter sollen mehr abgeben lernen und Väter mehr Aufgaben und Verantwortung in der Familie übernehmen.

Hier der Link zur Studie: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.510264.de/diwkompakt_2015-100.pdf

Ende des Betreuungsgeldes? Den Wiedereinstieg planen!

Ohne zu kommentieren, ob das Betreuungsgeld sinnvoll ist oder nicht, wird die Entscheidung des Bundesgerichtshofes für einige Familien den Wiedereinstieg nötig machen. Was ist dabei zu beachten?

  1. Kein schlechtes Gewissen!
    Viele Studien belegen, dass es Kindern auch gut tut und sie sich positiv entwickeln, wenn sie neben einer stabilen Familie in einer Einrichtung oder bei Tageseltern oder anderen Personen betreut werden.
  2. Wer steigt wie wieder ein?
    Klären Sie in Ihrer Partnerschaft, welche Zeitmodelle für Sie beide passen. Wer möchte wie viel arbeiten? Wer möchte den Nachwuchs wie betreuen? Hier möchte ich den Vätern Mut machen. Einige Studien in den letzten Monaten zeigen deutlich, dass Väter von Elternzeit bzw. Teilzeit für die Kinderbetreuung profitieren.
  3. Wie wird die Betreuung geregelt sein?
    Neben einer geregelten Betreuung durch Krippe, Kita oder Tageseltern kommen hier oft auch Eltern oder Schwiegereltern ins Spiel. Auch Aupair oder Kinderfrauen sind in einigen Familien „dran“. Egal, für welche Variante Sie sich entscheiden – oder entscheiden müssen: Stehen Sie dazu. Ihr Kind kann von diesem Standing sich die eigene Sicherheit abholen.
    Denken Sie bei der Planung der Betreuung auch an „unplanbare“ Situationen. Eltern oder Schwiegereltern sind vielleicht nicht die normale Betreuung – können aber aushelfen, wenn der eigene Terminplan mit dem des Nachwuchses oder der Betreuung nicht zusammenpasst. Auch Freunde, die die Kinder in der gleichen Betreuung haben oder die ehemalige Tagesmutter kann ein gutes „zweites Netz“ sein.
  4. Was will ich arbeiten?
    Ein Ausstieg, um sich um die Familie zu kümmern und das Erziehen von Kindern verändert bei einigen Wiedereinsteigern die berufliche Perspektive. Prüfen Sie bei sich: Was wird mir Freude machen? Ist mein bisheriger Job noch passend für mich? Oder hat sich durch die „Auszeit“ der berufliche Fokus verändert? Ein Wiedereinstieg ist eine gute Chance, die Weichen neu zu stellen.
  5. Wo will ich arbeiten?
    Die Zäsur durch Mutterschutz und Elternzeit stellen auch so manchen Arbeitgeber in ein anderes Licht. Ist das noch die Firma, wo Sie arbeiten wollen? Sind dort Ihre Wünsche zur Arbeitszeit zu verwirklichen? Passt die Unternehmenskultur zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Ein Wiedereinstieg ist auch eine gute Chance, sich neu auf den Weg zu machen und wo anderes wieder anzufangen.
  6. Aktivieren Sie Ihre Netzwerke!
    Wenn Sie sich verändern wollen und außerhalb der gesetzlichen Regelungen (Teilzeit in Elternzeit, Rückkehr nach der Elternzeit) einen Arbeitsplatz finden wollen, tun Sie das kund. Hören Sie sich in Ihrem Umfeld um. Wer arbeitet wo – und wie ist es dort? Wer kennt wen? Wo wird gerade was gesucht?
  7. Zeitarbeit kann ein guter Einstieg sein!
    Nicht immer hat diese Branche ein gutes Image. Doch neben wahrscheinlich wenigen schwarzen Schafen gibt es viele gute Unternehmen, die auch und gerade Wiedereinsteigern eine gute Plattform bieten. Schauen Sie, welche Zeitarbeitsfirmen in Ihrem Umfeld sind. Schauen Sie sich deren Internet- oder Social-Media-Auftritte an. Machen Sie einen unverbindlichen Termin und stellen Sie sich vor.
    Ein Teil meiner mittelständischen Kunden sucht gar nicht mehr selbst per Anzeige nach neuen Mitarbeitern, sondern beschäftigt Zeitarbeitskräfte. Wenn Mitarbeiter und Unternehmen passen, wird oft eine Anstellung angeboten
  8. Überstürzen Sie nichts!
    Wenn ich die Pressemeldungen richtig verstanden habe, wird das Betreuungsgeld nicht sofort ausgesetzt. Nutzen Sie die Zeit, um gute Entscheidungen zu treffen.

Allen, die nun „fremdbestimmt“ sich auf den Weg machen, wünsche ich viel Erfolg und gutes Gelingen!