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Jobsharing als Führungskraft – ein Erfolgsmodell

Führen in Teilzeit, sich den Arbeitsplatz mit einer anderen Teilzeit-Führungskraft teilen – das ist für viele noch Zukunftsmusik. Doch es gibt bereits gute Beispiele, die zeigen, dass Mitarbeitende und das Unternehmen profitieren. Diese Zahlen machen erst einmal deutlich, dass Jobsharing als Vorgesetzte noch nicht  die Normalität ist (gefunden in managerSeminare, November 2015):

  • Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiten 57,8 Prozent der Frauen und 20,1 Prozent der Männer in Teilzeit. Die Quote der Männer hat sich seit 1991 mehr als vervierfacht.
  • Das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) stellt fest, dass nur etwa fünf Prozent der Manager (Frauen und Männer) in Teilzeit arbeiten.
  • Im internationalen Vergleich ist Deutschland „hinterher“. Nach einer Arbeitsmarktstudie von Robert Half gibt es in Großbritannien bei 48 Prozent der befragten Unternehmen Jobsharing, in Deutschland sind es 15 Prozent.

Trotzdem gibt es bereits Best Practice-Beispiele. In dem Beitrag von managerSeminare werden diese Unternehmen aufgeführt:

  • Commerzbank-Filiale Duisburg-Rheinhausen, seit 2009
  • Daimler, Leitung globales Personen- und Strukturdatenmanagement in der IT, seit 2004
  • Universitätsklinikum Heidelberg, Psychomatische Ambulanz, seit 2013

Für die Unternehmen als Arbeitgeber könnte erst einmal der Kostenaspekt im Vordergrund stehen. Eine Stelle mit zwei Personen zu besetzen scheint teurer zu sein. Auch die Frage von Reibungsverlusten oder Machtkämpfen scheinen Argumente gegen Jobsharing von Vorgesetzten zu sein. Doch die Vorteile sind viel größer, hier einige Beispiele:

  • Arbeitgeber gewinnen an Attraktivität, besonders bei den High Potentials und der Generation Y
  • Die Mitarbeiterbindung wird erhöht, die Loyalität ebenso
  • Die Stellvertretung ist einfacher, die Präsenz wird erhöht
  • Geht einer der beiden Vorgesetzten, bleibt das Expertenwissen durch den verbleibenden Mitarbeitenden weiter nutzbar

Natürlich muss bei der einzelnen Stelle geprüft werden, ob dieser Arbeitsplatz „teilbar“ ist. Auf der einen Seite können die Jobsharing-Partner Zuständigkeiten vereinbaren oder sie beenden, was sie angefangen haben, bevor der Partner kommt. Auch Mischformen mit teilweise zugeordneten Aufgabengebieten und einem Bereich von „ich beende, was ich angefangen habe“ sind gut denkbar.

Jobsharer sind oft Eltern, die zum Wiedereinstieg ihre Führungsaufgabe wieder aufnehmen wollen. Für sie zählt, die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und gleichzeitig Führungsverantwortung leben zu können. Befragte Jobsharer stellen heraus, dass der „Partner“ im Job ein Sparringpartner ist. Austausch, Reflexion oder kritisches Hinterfragen ist durch das Jobsharing inbegriffen. Zwischen beiden sollte die „Chemie“ stimmen. Das meint aber nicht, dass beide gleich sein müssen. Eine ähnliche Wertehaltung und gute Absprachen über Informationsfluss und Kommunikation sind wichtig. Unterschiede im Tun oder den Kompetenzen sind willkommen und bereichern  die Zusammenarbeit. Oft gibt es Regelungen für die „Übergabe“ oder die Dokumentation von Vorgängen. Für viele Jobsharer ist es normal, auch im privaten Alltag erreichbar zu sein. Jobsharer, die vorher schon geführt  haben, sollten sich fragen, ob sie ihre „Macht“ teilen wollen und können.

Die Führungskraft der Jobsharer sollte etwas genauer hinschauen. Wichtig ist aus diesem Blickwinkel, dass die Persönlichkeiten der Teilzeit-Führungskräfte passen und es klare Regelungen für das Aufgabengebiet gibt. Transparente Absprachen zu den Zuständigkeiten und Erreichbarkeiten sind ebenso wichtig wie das „eindeutige“ Auftreten der Jobsharer gegenüber dem Umfeld von Mitarbeitern, Kollegen, Kunden usw.

Im Beitrag „Arbeitsmodell Topsharing – Ein Fall für zwei“ von mangerSeminare, November 2015, werden als Linktipp aufgeführt:

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Führen und Teilzeit

Tut sich endlich etwas und das Modell „Führen in Teilzeit“ wird salonfähig? Wenn man und frau den Pressemeldungen der letzten Monate glauben darf, ist die eindeutige Antwort: Ja!

In working@office, 02.2016, wird eine anonyme Umfrage „Karriere trifft Sinn“ der Medienfabrik Embrace unter „careerloft-Mitgliedern“ vorgestellt. Befragt wurden 3.600 Studierende zwischen 20  und 28 Jahren. Knapp 80 Prozent der Noch-Studierenden wollen Kinder haben. Die Ideal-Vorstellung von 74 Prozent ist, in den ersten Berufsjahren den Nachwuchs zu bekommen. Wenn diese Lebensplanung dann auch verwirklicht werden will, braucht es laut dem Embrace-Geschäftsführer Gero Hesse ein Umdenken der Arbeitgeber. 57 Prozent der Befragten wollen eine komplett freie Einteilung der Zeit – das schließt dann wohl Führen in Teilzeit und das Arbeiten auch aus dem Homeoffice heraus mit ein. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist die Clusterung der Generation Y in fünf Typen (zitiert aus https://careerloft.de/stories/von-alles-anna-bis-zu-helfer-hannes/161):

Karriere-Kai

Personen aus diesem Cluster sind persönlicher Erfolg und materielle Werte besonders wichtig, ebenso Führungspositionen und Einfluss. Das Privatleben wird auf Platz 2 eingeordnet. Über ein Viertel ist bereit, mehr als 60 Stunden pro Woche zu arbeiten. Sie verkörpern die klassische Karriereorientierung, wie sie sie bei den Baby-Boomern kennengelernt haben.

Sucher-Simon

Personen in diesem Cluster haben keine herausragenden Spitzen. Ihnen ist eher alles egal oder sie sind noch auf der Suche. Es ist ihnen nicht so wichtig, zum Erfolg des Arbeitgebers beizutragen, aber auch die Lust auf Selbstverwirklichung und die materielle Orientierung sind niedrig ausgeprägt.

Familien-Franzi

Die Familien-Franzis (wichtig: sowohl weiblich als auch männlich) legen besonderen Wert auf Work-Life-Balance. Außerhalb der Arbeit wollen sie viel mit ihrer Familie unternehmen, halten Traditionen hoch und setzen die Familie an die erste Stelle. Beim Arbeitgeber ist eine langfristige Perspektive wichtig.

Alles-Anna

Personen in diesem Cluster ist alles wichtig: sowohl die Selbstverwirklichung als auch das Engagement für Umwelt und Gesellschaft. Ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Job und Privatleben ist essenziell, aber auch beruflich wollen sie vorankommen: Einfluss und eine langfristige Perspektive sind wichtig, auch Geld spielt eine übergeordnete Rolle. Dazu sollte der Arbeitgeber idealerweise als Marktführer attraktive Produkte anbieten und gleichzeitig ein Familienunternehmen sein.

Helfer-Hannes

Personen in diesem Cluster engagieren sich vor allem für andere und wollen einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Auch in ihrer Freizeit engagieren sie sich in Projekten und Hilfsorganisationen. Die Selbstverwirklichung steht bei ihnen hoch im Kurs, materielle Werte zählen aber deutlich weniger als bei den anderen Clustertypen. / Ende des Zitats

Wir können gespannt sein, wie sich diese Cluster im Berufsleben einlassen und welche Veränderungen bei den Arbeitgebern entstehen werden!

 

Teilzeitführung – geht das?

Ein erfolgreicher Wiedereinstieg soll nicht nur für Mitarbeitende gelingen, sondern auch für Führungskräfte. Doch wie sieht die Welt dort aus? Wenn der Wiedereinstieg mit Teilzeit geplant ist, stellt sich die Gretchen-Frage, ob Führung in Teilzeit gelingen kann. Ist das ein Paradigma?

Bei einem meiner Kunden erlebe ich gerade ein sehr spannendes Projekt. Eine erfahrene Führungskraft (bisher Vollzeit) und eine Wiedereinsteigerin (vorher Vollzeit) machen Jobsharing als Führungskräfte. Das Ganze wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.

Was ich bisher gehört habe ist:

  • In der Startphase arbeiten beide Frauen 80 %. Die neue (Wiedereinsteigerin) wird von der bisherigen (alleinigen) Führungskraft in alle Themen mitgenommen, eingewiesen, eingearbeitet. Diese Phase dauert sechs Monate.
  • In einer Zwischenphase macht die bisherige Vorgesetzte ein Sabatical von drei Monaten. Die Wiedereinsteigerin arbeitet in dieser Zeit 80 %.
  • Wenn das  Sabatical beendet ist, arbeiten beide 60 %.

Das bedeutet für den Arbeitgeber „höhere Kosten“, da eine Stelle mit 160 % am Anfang zu finanzieren ist und in der Endphase dann mit 120 % zu Buche schlägt. Doch es scheint für dieses Unternehmen einen Mehrwert zu geben. Aus meiner Sicht ist das:

  • höhere Attraktivität für weibliche Bewerber
  • Wiedereinstieg in Führungspositionen leichter machen
  • Work-Life-Management für die Lebensphasen nach 40 vielfältiger machen
  • Wissensmanagement in Führungsebenen optimieren
  • Nachfolgemodelle für Führungskräfte erweitern
  • Ressourcen im Fachkräftemangel nutzen

Ich werde in diesem Blog berichten, wie es mit diesem Versuch weiter gegangen ist.