Schlagwort-Archive: Vereinbarkeit

Kinder und Karriere – das geht!

So titelt ein Interview mit Verena Wankerl, 38 Jahre, Personalmanagement bei der Firma Hettich in der Neuen Westfälischen Zeitung (http://www.nw.de/lokal/kreis_herford/buende/buende/20654962_Kinder-und-Karriere-das-geht.html).

Verena Wankerl hat an der Podiumsdiskussion anlässlich der Präsentation der Studie „Frauen im Management in Ost-Westfalen-Lippe“ teilgenommen. Die Studie zeigt erstmals auf, wie Frauen am Management beteiligt sind. So liegt der Anteil von Frauen im Top- und Mittelmanagementpositionen im Durchschnitt in Ost-Westfalen-Lippe bei 18,2 Prozent gegenüber 11,9 Prozent in 2006. Die Studie finden Sie hier: http://www.ostwestfalen-lippe.de/images/stories/frauenmanagement_final.pdf

Die Hettich Unternehmensgruppe gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Möbelbeschlägen. Der Hauptsitz des Unternehmens liegt in der ostwestfälischen Stadt Kirchlengern. Laut Verena Wankerl ist Kompetenzvielfalt ein erklärtes Ziel des Unternehmens. Daher sollen mehr Frauen in Führungspositionen sein. Rahmenbedingungen dafür seien nach ihrer Erfahrung  agile Unternehmensformen wie z. B. Arbeiten in Teilzeit, Gleitzeit und Arbeiten im Homeoffice. Ein weiterer Faktor sei die Weiterentwicklung zu einer Ergebniskultur und das Verabschieden der Präsenzkultur.

Nach Verena Wankerl entstehen schon mit einem Drittel von Frauen in Führungspositionen deutliche Effekte Sie selbst war mit dem zweiten Kind in Elternzeit und ist im Januar mit 50 Prozent wieder eingestiegen. Davor hat sie 80 Prozent gearbeitet.

Für Hettich ist eine Elternzeit von 12 Monaten ideal, damit der Wiedereinstieg gut funktioniert. Während der Elternzeit an Betriebsversammlungen, Teamevents teilzunehmen oder mit wenigen Stunden in einem Projekt mitzuarbeiten hilft beiden Seiten, um „drin“ zu bleiben. Akzeptanz jedes Lebensmodells ist eine wichtige Grundlage, so dass jede Familie ihre Entscheidung treffen kann. Als Arbeitgeber die Rahmenbedingungen zu gestalten und als Wiedereinsteiger Betreuung und Haushaltsführung zu organisieren und die gemeinsame Entscheidung der Eltern zur Berufstätigkeit beider sind die drei Pfeiler für eine gelingende Vereinbarkeit. Wie viele Best Practice-Interviews hier im Blog rät auch Verena Wankerl, auch mal „fünf gerade sein zu lassen“ und Nein zu sagen, wen nicht alles zu schaffen ist.

Schön, wenn es Modelle für den gelungenen Wiedereinsteig gibt!

Advertisements

Vereinbarkeitsfallen umgehen

Als Beraterin von LOB kann ich mich inhaltlich einbringen. Dieses Mal ging es um Fallen für berufstätige Eltern:

  • Perfektionismus-Falle
  • Es-allen-recht-mach-Falle
  • Ich-bin-doch-Eltern-Falle
  • Perfekte-Eltern-Falle

Wer die Erklärung und die Tipps dazu lesen möchte: Hier ist der Link http://www.lob-magazin.de/magazin/ich/1003-vereinbarkeitsfallen-umgehen.html

Viel Erfolg als berufstätige Eltern und beim kreativem Umgang mit den Anforderungen!

Mein Wiedereinstieg: Harte Phasen, aber letztendlich gelungen!

Katrin gehört zu den „Vollzeit-Frauen“. Sie hat eine Tochter, die heute neun Jahre alt ist. Nach dem Mutterschutz arbeitete sie stundenweise. Der Wiedereinstieg in Vollzeit geschah, als ihre Tochter 15 Monate alt war. Ihr Mann, ein Politiker und in Leiter einer regionalen Verwaltung, hat vor neun Jahren keine Elternzeit in Anspruch genommen. Vätermonate gab es „damals“ noch nicht. Für ihn war der Wiedereinstieg seiner Frau eine Selbstverständlichkeit.

Vielleicht kann man beide als „Karriere-Paar“ bezeichnen. Er erfolgreicher Politiker, sie leitet eine gemeinnützige Stiftung. Vor dem ersten und einzigen Kind arbeitete Katrin als Assistenz eines Aufsichtsrates und war verantwortlich für die Pressearbeit. Direkt nach dem Wiedereinstieg war sie eine Zeitlang noch die Assistentin dieses Aufsichtsrates. Ihr heutiger Job, die Leitung einer Stiftung, ist kein Job, der sich an „Nine to five“ hält. Doch für Katrin ist er „der richtige“. Und ihr Vorgesetzter hat nie bezweifelt, dass sie gestellte Aufgaben nicht übernehmen könne.

Was ist Ihr Tipp für Wiedereinsteiger?

Vollzeitarbeit, schulpflichtiges Kind und Haushalt sowie die Wahrnehmung von Ehrenämtern und vielfältige soziale Kontakte unter einen Hut zu bringen, heißt bei mir: Täglich um 05:00 Uhr aufstehen und häufig nicht vor 23:00 Uhr ins Bett gehen. Das geht nur, wenn man/frau es wirklich will und Spaß an den Aufgaben hat – na ja, auf den Haushalt könnte ich verzichten. Hier habe ich mir stundenweise Unterstützung organisiert. Das ist auch wichtig, denn die Organisation und Erledigung der Familienarbeit liegt bei mir.

Wie der Wiedereinstieg gelang:

Meine Eltern haben in den ersten Jahren in der Kinderbetreuung unterstützt. Gerade, wenn die Tochter krank war, war das nötig. Heutige sind die Eltern nicht mehr ganz so fit – meine Tochter aber auch größer. Schwierig war es, vor neun Jahren einen Krippenplatz zu finden.

Was wünschen Sie sich, Katrin?

Mein Wunsch ist , dass es nicht nur ausreichende (Klein-)Kinderbetreuung gibt, sondern auch eine pädagogisch wertvolle und zeitlich flexible. Dass ich mindestens 45 Minuten ins Büro fahre, war von Anfang an klar und kein Grund zum Jammern. Ich hätte gerne mehr Zeit für Sport.

Vielen Dank für das spannende Interview!

Väterorientierung fehlt! Studie zum Wiedereinstieg von Vätern

Es sieht nicht gut aus für Väter, die mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen! Zu diesem unangenehmen Ergebnis kommt die Studie von Svenja Pfahl, Stefan Reuyß, Dietmar Hobler und Sonja Weber „Nachhaltige Effekte der  Elterngeld-Nutzung durch Väter“ vom Berliner Instituts für sozialwissenschaftlichen Transfer (SoWiTra). Die Studie wurde von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung unterstützt. Zwischen 2012 und 2014 wurden ausführliche qualitative Interviews mit 43 Vätern durchgeführt. Zwei Drittel dieser Väter hatten mehr als zwei Monate Elternzeit in Anspruch genommen – und damit ist das Ergebnis nicht repräsentativ, aber so von den Autoren gewünscht. In einer zweiten und repräsentativen Herangehensweise wurden online 600 Väter befragt.

Die Ergebnisse sind in einem PDF-Dokument zusammengefasst: http://www.sowitra.de/fileadmin/sowitra/PDF_Broschueren/Kurzfassung_EGM-Vaeter_SowiTra__2014_.pdf

Zu welchen Erkenntnissen kamen die Autoren?

Deutlich wurde, dass es zwei Gruppen von Vätern gibt, nämlich solche, die kürzer in Elternzeit sind (das sind die beiden Vätermonate) und solche, die länger in Elternzeit gehen. Je nach Dauer der Elternzeit sind die Auswirkungen auf Beruf, Familie und Partnerschaft unterschiedlich.

Die Frage, ob und wie lange Väter Elternzeit nutzen, wird gemeinsam mit der Partnerin entschieden. Wird der eigene Arbeitsplatz als sicher empfunden und fördert der Arbeitgeber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, fällt es den Vätern leichter, Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Weitere Faktoren sind z. B. die Vertretungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz oder die beruflichen Bedingungen der Partnerin – so ein Ergebnis der Studie.

Von den Vätern wird als wichtiger Effekt die Stärkung der Vater-Kind-Beziehung benannt. Die Monate werden als „schön“, aber auch als „anstrengend“ erlebt. Beobachtet wurde auch, dass die Elternzeit des Vaters die Paarbeziehung positiv beeinflusst. Darüber hinaus steigt die gleichmäßige Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung mit der Dauer der Elternzeit des Vaters.

In der Entscheidung, Elternzeit in Anspruch zu nehmen, spielt der Vorgesetzte der Väter eine wichtige Rolle. Eine weitere Erkenntnis ist, dass mit mehr Elterngeldmonaten die Väter die Arbeitszeit nach der Elternzeit reduzieren.

Väter, die Elternzeit nutzen, machen es ihrer Partnerin leichter, selbst wieder im Beruf anzuschließen. Auf die eigene berufliche Laufbahn haben eine kürzere Elternzeit des Vaters positivere Einflüsse als eine längere Elternzeit. Die Gefahr schlechte Aufstiegschancen zu haben, steigt ab drei Monaten Elternzeit deutlich an. Auf der anderen Seite wird nicht von negativen Folgen im Sinne eines Karriereendes berichtet.

Diese Handlungsfelder sehen die Autoren:

  • Vätersensible und gleichstellungsorientierte Betriebskultur
  • Vertretungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz
  • Nachhaltige Arbeitszeitangebote für Väter
  • Gute Arbeit für die Partnerin

Eine, wie ich finde, Studie zum rechten Zeitpunkt. Unter Gender-Aspekten wird sehr deutlich, dass ein erfolgreicher Wiedereinstieg die Sache von Mann und Frau ist und Unternehmen Mütter und Väter in den Blick nehmen müssen.

Elternzeit – eine Zeit der Entscheidungen

Bei meinem Arbeiten mit Wiedereinsteigenden ist mir ein Vater mit einer besonderen Geschichte begegnet.  Dieses „Fallbeispiel“ habe ich in einem Beitrag für die Gender Dialog Society verarbeitet:

http://www.gendersdialogsociety.com/elternzeit-eine-zeit-fur-entscheidungen/

Yasit hat mit seinem Sohn die Elternzeit in der Türkei verbracht, auch um zu sehen, ob er sich dort für seine Familie ein eigene Existenz aufbauen kann. Wie er sich entschieden hat, können Sie im Artikel online nachlesen.

Ist Vereinbarkeit Familie / Beruf eine Sache der Frauen?

In der letzten Zeit habe ich mehrere Artikel in den Online-Medien gelesen, die von Frauen berichten, die nicht wiedereinsteigen wollen oder können. Mütter berichten, dass sie z. B. mit drei Kindern und dem entsprechenden „Betreuungsprogramm“ am Nachmittag gar nicht arbeiten könnten – und auch nicht wollen. Daraus wird dann teilweise Kritik am „System“ abgeleitet.

Mich machen solche Artikel nachdenklich und auch etwas emotional. Aus meiner Sicht wird damit die Vereinbarkeitsfrage auf die Schultern der Mütter geladen. Vereinbarkeit ist aber eine Thema der Familie und des Paares bzw. der Eltern. Ja, es gibt auch Alleinerziehende. Doch die Artikel, die ich gelesen habe, waren über Mütter, die mit ihrem Mann in einer Partnerschaft leben.

Wenn sich ein Paar entscheidet, drei Kinder zu haben, dann ist das eine Entscheidung des Paares. Wenn sich ein Paar entscheidet, dass sich die Kinder nachmittags sportlich, musikalisch oder kreativ betätigen, dann ist das eine Entscheidung des Paares. Und wenn das Paar entscheidet keine Kinderfrau zu beschäftigen, die die Familienorganisation mit übernimmt (aus welchen Gründen auch immer), dann ist das eine Entscheidung des Paares. Und wenn der Vater entscheidet, 100 % zu arbeiten, dann hat das Auswirkungen auf die Möglichkeit der Mutter, wiedereinzusteigen. Auch wenn die Mütter vielleicht den Eindruck haben, sie hätten diese Entscheidungen selbst getroffen, werden diese Entscheidungen so lange vom Partner mitgetragen, wie dieser nicht eine andere Entscheidung haben möchte.

Die Frage der Vereinbarkeit wird so vielfältig zu beantworten sein, wie es Familien gibt. Und damit gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, sondern ein „Was passt für uns?“. Jedes Paar hat seine eigenen Vorstellungen zu Paar-Sein, beruflicher Entwicklung von Mann und Frau und der Frage, wie die eigenen Kind(er) groß werden sollen. Aus meiner Sicht ist daher Respekt für die Entscheidungen nötig – egal wie sie vom Paar getroffen werden.

Wir sind nicht mehr im Zeitalter unserer Eltern oder Großeltern, wo es wenig gesellschaftlich akzeptierte Lebensentwürfe für Männer und Frauen gab. Das hat klar Vorteile für uns heute – wir haben heute den Freiraum, unseren eigenen Weg zu gehen. Das bringt aber auch die Last der Entscheidung mit sich, welchen Weg Mann, Frau und das Paar gehen möchten. Und es hat den Nachteil, dass es kein „richtig“ und „falsch“ mehr gibt. Und manchmal ist es viel schwerer, eine Entscheidung zu treffen, als einen vorgezeichneten Lebensweg zu gehen.

Es gibt für mich noch eine zweite Komponente in diesem Feld. Was ich mir von den Paaren wünsche, ist mit den Konsequenzen der getroffenen Entscheidungen zu leben und diese zu akzeptieren. Wenn das Paar entscheidet, dass der Mann die 100 %-Beschäftigung leistet und die Frau die Familienorganisation weitestgehend trägt, dann ist wahrscheinlich ein Wiedereinstieg für die Mutter kein Thema – so lange die Entscheidungen nicht revidiert oder anders getroffen werden. Liebe Mütter: Bitte akzeptiert die Konsequenzen dieser Entscheidungen und lasst es euch damit gut gehen.

Wenn wir in unserer Gesellschaft die Vereinbarkeit auf die Schultern der Mütter laden, dann wird es Mütter mit schlechtem Gewissen geben, die „zu Hause bleiben“. Und je nach gesellschaftlicher Strömung wird es Mütter mit schlechtem Gewissen geben, die Vollzeit arbeiten und sich „nicht um ihre Kinder kümmern“. Vereinbarkeit ist die Sache des Paares und der Familie – und damit sind viele Modelle möglich, ohne eines zu favorisieren.

Das ist heute ein eher emotionaler Beitrag – das musste für mich heute sein.

Was meinen Sie dazu? Wer ist für die Vereinbarkeit verantwortlich bzw. wer trägt sie auf den Schultern?

Genders Dialog Society: So gelingt Teilzeit!

Der Wiedereinstieg ist für viele arbeitende Eltern mit Teilzeit gekoppelt. Teilzeitarbeit macht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter, wenn auch nicht leicht. Gerade wenn die Kinder klein sind, ist das Gefühl, das Baby oder Kleinkind in eine Betreuung zu geben besser, wenn das mit Teilzeit kombiniert werden kann. Doch wie gelingt das gut?

Über wichtige Aspekte schreibe  ich im Genders Dialog Society Magazin in der Februar-Ausgabe. Hier ist der Link zum vollständigen Artikel:

http://www.gendersdialogsociety.com/so-gelingt-arbeiten-in-teilzeit-was-zu-beachten-ist-und-was-sie-vermeiden-sollten/

Viel Spaß beim Schmökern in der ganzen Ausgabe!