Archiv für den Monat September 2014

Willkommen zurück – der Begrüßungsworkshop für die Wiedereinsteigenden

Damit der Wiedereinstieg gelingt, braucht es nicht nur eine gute Gestaltung des Ausstiegs und das Kontakthalten in der Elternzeit, sondern auch eine „Willkommenskultur“.

Trotz des Kontakt-Haltens hat sich wahrscheinlich in unserer schnelllebigen Zeit während der Elternzeit einiges verändert. Manche Abteilung heißt anders, es gibt neue Geschäftsfelder oder es wurden welche aufgegeben. Vielleicht gab es auch Umbauten oder die Organisationsstruktur wurde verändert. Ein Begrüßungsworkshop kann den Wiedereinstieg erleichtern und beim Netzwerken helfen. So werden sie schneller „produktiv“ für das Unternehmen. Neben dem Rückkehrgespräch des Vorgesetzten und dem Ankommen in den Arbeitsabläufen, Themen und im Kollegenkreis kann ein Workshop der gerade oder bald Wiedereinsteigenden eine sinnvolle Maßnahme sein. So könnte ein Workshop ablaufen:

  • Ankommen der Wiedereinsteiger und Wiedereinsteigerinnen
  • Vorstellrunde mit einem „Erfahren“, wer welche Entscheidungen wie getroffen hat (Dauer der Elternzeit, Vätermonate, Anzahl der Kinder, etc.)
  • Erfahrungsaustausch zu den gewählten oder noch offenen Formen der Kinderbetreuung
  • Vorstellen der Angebote des Unternehmens zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Vorstellen von Ansprechpartnern im Unternehmen zu Vereinbarkeits-Themen
  • Information, was sich in den letzten zwei bis drei Jahren im Unternehmen verändert hat
  • Reflexion zum eigenen Zeit- und Selbstmanagement im Hinblick auf den Wiedereinstieg
  • Falls vorhanden: Besichtigen von betrieblichen Betreuungsangeboten wie Krippe, Kindergarten oder Ad-hoc-Betreuung
  • Erfahrungsaustausch zu noch offen Fragen oder Punkten zum Wiedereinstieg
  • Abschluss des Workshop mit einem konkretem Maßnahmenplan, was für den erfolgreichen Wiedereinstieg noch zu tun ist

Der Aufwand für eine solche Maßnahme ist gering – für die Wiedereinsteigenden ist die damit verbundene Wertschätzung spürbar. Das setzt ein großes Zeichen im Prozess des Wiedereinstiegs. Ein Gefühl von „Wir sind willkommen“ oder „Das Unternehmen ist an mir interessiert“ entsteht. Das sind Zitate aus Feedbackbögen von solchen Workshops! Zudem wächst das Netzwerk der Wiedereinsteiger und Wiedereinsteigerinnen, unabhängig davon, ob es Paten und Patinnen oder Mentoren und Mentorinnen während der Auszeit gab.

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Realität oder nur Bad Practice beim Wiedereinstieg ?

Bisher haben Sie viel Mutmachendes und Positives in diesem Blog lesen können: Was für einen Wiedereinstieg spricht, wie das gut gehen kann, usw. Heute soll es einmal um die andere Seite gehen – nicht, weil es schlecht um den erfolgreichen Wiedereinstieg bestellt ist. Mein Anliegen ist, dass die Wiedereinsteiger mit schlechteren Rahmenbedingungen sich wiederfinden können. Denn „rosarot“ sieht es mit dem Wiedereinstieg nicht aus. Doch nur schlecht ist es auch nicht. Wenn Sie anderer Meinung sind, freue ich mich auf die Diskussion mit Ihnen!

Das ist mir bei meinem Wiedereinstieg nach sechs Monaten „Auszeit“ vor 14 Jahren begegnet:

  • Eine Führungskraft in einem offenen Seminar teilt mir beim Frühstück vor dem zweiten Seminartag mit, dass er seiner Frau verbieten würde, was ich hier mache. Damit meinte er, mit einem kleinen Kind als Mutter zu arbeiten.
  • Eine Teilnehmerin sprach mich bei einem Training (ebenfalls mit Übernachtung) an, ob ich wissen würde, dass Kinder psychischen Schaden nähmen, wenn die Mutter nachts nicht zu Hause ist. Dass meine Tochter nicht mutterseelenallein zu Hause schläft, sondern mein Mann sie betreut, war nicht wirklich relevant.
  • Ein Teilnehmender macht mich wohlwollend darauf aufmerksam, dass mein Kind unbedingt in musikalische Früherziehung müsse. Als ich erwiderte, dass ich das erst in einem Jahr im Kindergarten (als separaten Kurs) angehen würde, kam: „Da ist das  Fenster im Gehirn aber geschlossen. Das muss schon jetzt sein.“

Das sind von den vielen Gesprächen nur die großen Dinge, die mir im Gedächtnis hängen geblieben sind. Bemerkenswert fand ich diesen Coaching-Auftrag:

  • Eine Personalabteilung informiert mich über einen Coachee. Dieser würde so lange am Nachmittag / Abend noch arbeiten. Ich solle doch gemeinsam mit dem Coachee die Arbeitsorganisation optimieren, damit die Person früher nach Hause käme. Dabei stellte sich heraus, dass es um eine Mitarbeiterin mit einem kleinen Kind ging. Der Ehemann und Vater war nach einem großen Umzug (innerhalb Europas) noch ohne Folgejob und betreute den Sohn. Ich fragte beim Personalverantwortlichen, ob es auch einen Auftrag geben würde, wenn der Mitarbeitende ein Mann (also Vater) wäre und die Mutter das Kind Zuhause betreuen würde; Schweigen auf der anderen Seite!

Nach einem Wiedereinsteiger-Workshop spricht mich eine Teilnehmerin an, ob ich ihr einen guten Coach empfehlen könne. Sie habe kurz vor der Schwangerschaft den Job gewechselt. Ihr neuer Arbeitgeber wollte sie unbedingt haben. Der Job ließ sich gut an: abwechslungsreich, interessante Projekte, spannende Termine – auch außer Haus. Bald nach der Einstellung wurde sie schwanger. Ihr Man sei freiberuflich von zu Hause aus tätig und kümmere sich um das Kind. Daher sei sie nach dem Mutterschutz wieder Vollzeit arbeiten gegangen. Danach hätten die Probleme angefangen. Sie sei von Projekten abgezogen worden, habe weniger Termine außer Haus.  Ihre Aufgaben seien weniger attraktiv und langweiliger. Oft würde sie gefragt, wie sie das denn schaffe (emotional), so frisch Mutter zu sein und Vollzeit zu arbeiten. Sie könne nicht verstehen, warum die gute Zusammenarbeit vor der Geburt sich so verändert habe. Jetzt müsse sie erst einmal für sich klären, was sie beruflich will und mit welchem Arbeitgeber das gut geht. Ich habe einen guten Coach empfohlen – und kenne das Ergebnis des  Coachings nicht.

Kennen Sie solche Beispiele von sich oder aus Ihrem Umfeld auch? Ich hoffe nicht zu viele! Denn für mein Herzblutthema „Erfolgreicher  Wiedereinstieg“ berichte ich viel lieber über Best Practice und mache damit Mut. Und damit geht es dann im nächsten Blogbeitrag weiter.