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Best Practice: Der Wiedereinstieg schafft Freiheiten für das Muttersein und sich selbst!

Das Interview hat mich beeindruckt: so viele Stationen im Job mit drei Kindern! Anette,50 Jahre, ist schon fast „fertig“ mit Muttersein. Ihre Kinder sind heute 22, 20 und 18 Jahre alt. Die Wiedereinstiege haben also unter ganz anderen Rahmenbedingungen als den heutigen stattgefunden. Gelernt hat sie biologisch-technische Assistentin. Nach dem ersten Kind gab es noch „Erziehungsurlaub“. Dieser Arbeitgeber hat ein Programm für den Wiedereinstieg und garantiert fünf Jahren nach der Geburt den Arbeitsplatz. Das nimmt Anette an. Nach einem Jahr zu Hause ist sie mit 50 Prozent Teilzeit im Erziehungsurlaub wieder eingestiegen. Sie fuhr jeweils eine Stunde morgens und abends mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrem Arbeitsplatz. Betreut wurde der Sohn von ihrer Mutter, die im gleichen Haus wohnt.

Schwanger mit dem zweiten Kind ging sie mit ihrem Mann und erstem Kind für zwei Monate in die USA. Er hatte einen beruflichen Einsatz für seinen Arbeitgeber in den Staaten. Der Teilzeitjob im Erziehungsurlaub für das erste Kind als biologisch-technische Assistentin wäre durch den Mutterschutz aufgrund des zweiten Kindes sowieso bald zu Ende gewesen.

Nach der Geburt des zweiten Kindes hält sie es nicht sehr lange aus „ohne“. Sie trägt Zeitungen am frühen Morgen aus. Klar ist ihr, dass sie ein drittes Kind möchte. Daher gibt es keinen „großen“ Job.

Als Kind Nr. 3 ein Jahr alt ist, beginnt Anette für einen wissenschaftlichen Verlag an ihrem Wohnort an zwei halben Tagen pro Woche zu arbeiten. Das ist mit dem Wiedereinsteiger-Programm des ersten Arbeitgebers möglich. Sie betreut ein größeres Werk und hat viel Freiräume in der Zusammenarbeit mit den Autoren. Mit dem Wechsel auf den Chefsessel wird deutlich, dass der neue Chef ihr diese Freiräume nicht lässt und ihre Kompetenzen nicht sieht. Anette will wieder in ihren Beruf zurück, wo ihre Kompetenzen nicht in Frage gestellt werden. Der „große“ Sohn ist bei diesem Jobwechsel in der Schule und die beiden Mädchen im Kindergarten. Sie wird bei einer biotechnologischen Firma im näheren Umfeld fündig und arbeitet 50 Prozent bei vier Tagen pro Woche mit fünf Stunden pro Tag. Die Kinder werden von ihr in den Kindergarten gebracht, die Oma holt ab, kümmert sich um das Mittagessen und nach dem Mittagsschlaf ist sie wieder zu Hause.

Heute arbeitet Anette mit 50 Prozent in ihrem angestammten Beruf, hat in der Zwischenzeit eine Weiterbildung zur Study Nurse absolviert und will auf 80 Prozent aufstocken.

Zur Partnerschaft

Anette ist verheiratet. Vätermonate o. ä. gab es zu den Zeiten ihrer Kinder noch nicht. Bei seinem jetzigen Arbeitgeber konnte er eine Zeitlang mit 80 Prozent arbeiten. Anette arbeitet diesen Tag „ganz“. Er kümmerte sich um die Kinder und hatte mehr Zeit für sich – eine geniale Kombination für den Vater. Doch die Haltung in seiner Firma veränderte sich und er musste dieses Experiment beenden.

Die klassischen Frauenarbeiten erledigt Anette, die klassischen Männerarbeiten ihr Mann. Er unterstützt beim Einkauf, wenn sie ihm die Liste schreibt.

Die Arbeitgeber

Die Arbeitgeber haben wenig Abwesenheit durch die Kinder bei Anette erlebt. Die Kinder waren eher wenig krank. Wenn eines der Kinder krank war, hat Anette dies teilweise mit Überstunden ausgeglichen oder traf auf verständnisvolle Chefs, die teilweise selbst Väter oder Mütter waren bzw. wurden. Mit den unterschiedlichen Arbeitgebern hat Anette keine negativen Erfahrungen als arbeitende Mutter gemacht. Das liegt vielleicht auch an der Haltung „Es ist, wie es ist.“.

Im Interview sind die Arbeitgeber eher weniger ein Thema, vielleicht weil Anette in einem beruflichen Umfeld mit vielen weiblichen Teilzeit-Angestellten arbeitet?

Was hat Ihnen gut getan als Wiedereinsteiger?

Anette war und ist es wichtig, arbeiten zu gehen. Sie war glücklich wiedereinzusteigen – und das drei Mal. Ein gutes Gefühl war auch, dass die Kinder zu Hause bleiben konnten, weil ihre Mutter im Haus die Betreuung außerhalb von Kindergarten und Schule übernommen hat. Auch wenn ihr Verdienst nicht vergleichbar mit dem Einkommen ihres Mannes ist, entstand durch den Wiedereinstieg ein Gefühl von Unabhängigkeit und Selbstständigkeit.

Putzen und Windelwechseln ist für Anette nicht gerade der Traumjob, gehört aber zum Mutter- und Hausfrausein dazu. Die Tätigkeit im Beruf und die Frage „Können Sie bitte“ statt das „Ich will“ der manchmal auch quengelnden Kinder machen einen für sie wichtigen Unterschied. Und der Beruf lässt dann Mütter auch zu Hause gelassener werden – das ist die Erfahrung von Anette.

Was haben Sie vermisst?

Anette hat das Glück, Kinder zu haben und Mutter zu sein. Vor dem ersten Kind war die Vorstellung Mutter zu sein und ganz für das Kind da zu sein „die Perspektive“ für Anette. Nach dem ersten Kind stellte sie fest, dass diese Realität sie nicht ganz zufrieden macht. Das war der Grund für den Wiedereinstieg. Daher vermisste sie nichts nach dem Wiedereinstieg.

Was könnten Arbeitgeber noch mehr oder anders tun, damit der Wiedereinstieg leicht gelingt?

Aus Sicht von Anette „war es, wie es war“. Die Rahmenbedingungen waren damals einfach anders. Als ihr drittes Kind sechs Monate alt war, lief die Frist für den Wiedereinstieg nach fünf Jahren aufgrund des Vertrages mit dem ersten Arbeitgeber ab. 100 Prozent (das war der damalige Umfang ihres Arbeitsvertrags) mit drei Kindern, das jüngste ein halbes Jahr alt, war für sie zu diesem Zeitpunkt nicht vorstell- und machbar. Da hätte sich Anette etwas mehr Flexibilität des Arbeitgebers gewünscht.

Was müsste sich in Ihrem persönlichen Umfeld verändern, damit Sie und Ihre Familie Beruf und Privates gut oder noch besser vereinbaren können?

Anette sind Aussagen wie „Der Mann verdient nicht genug, deshalb muss die Frau mitarbeiten“ begegnet. Das hat sie zwar nicht beeinflusst in ihren beruflichen Plänen, aber es war doch spürbar. Auch wenn ihre Mutter sich um die Enkel gekümmert hat , fand sie die Berufstätigkeit ihrer Tochter nicht wirklich gut. Das hat sicher die eine oder andere Diskussion hervorgerufen – doch weder ihre Meinung noch die der Mutter verändert. In einer Freundschaft war es nicht einfach, als berufstätige Mutter mit einer Vollzeit-Mutter befreundet zu sein. Zu unterschiedlich waren die Wichtigkeiten in den beiden Lebensentwürfen. Diese Freundschaft schlief dann ein.

Anette scheint wenig beeinflussbar von außen zu sein – das ist sicher für eine arbeitende Mutter von Vorteil.

Was ist der beste Tipp für andere Wiedereinsteiger?

Man und frau muss organisieren können, um als arbeitende Eltern gut klar zu kommen. Entweder gibt es eine Haushaltshilfe bzw. Putzfrau oder die Eltern verabschieden sich von einer aufgeräumten Wohnung – das sind Anettes Tipps für andere Wiedereinsteiger. Wie andere arbeitende Mütter warnt sie vor Perfektionismus. Vergessen sollte frau nicht, was ihr selbst wichtig ist und das dann auch tun. Auch der Partner sollte unterstützen und Aufgaben übernehmen. So gelingt es, Mutter zu sein und zu arbeiten.

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Schnellstarterinnen und ihre Erfahrungen

Was heißt es für Mütter, wenn sie bald nach der Geburt in den Beruf zurückkehren? Dieser Frage hat sich Frankfurter Allgemeine Zeitung gewidmet und drei Frauen befragt:

  • eine Assistenzärztin
  • eine Journalistin
  • eine Vize-Präsidentin einer Großbank

Hier können Sie den Artikel nachlesen: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/erfahrungen-von-muettern-die-gleich-nach-der-geburt-wieder-arbeiteten-13837511-p3.html

Die Frage „Wie geht es mir als Mutter und Berufstätige?“ wird je nach „Umfeld“ unterschiedlich bewertet. Gesellschaftliche „Glaubenssätze“, die postulieren, dass die Mutter für das Wohlergehen des Kindes zu Hause zu bleiben hat, kollidieren mit eigenen Wünschen nach Gestaltung der Berufstätigkeit. Alle Eltern, oft die Mütter, müssen hier den eigenen Platz finden – und dann den Weg selbstsicher gehen. Die Kinder spüren diese Überzeugung und profitieren in ihrer Entwicklung davon.

Wichtig scheinen auch die „Glaubenssätze“ der Arbeitgeber zu sein. Kann eine Mutter überhaupt als Führungskraft arbeiten? Geht Teilzeit und Vorgesetzte sein?  Passen verantwortungsvolle Aufgaben und Mutter sein zusammen? Hier scheint sich in der letzten Dekade einiges verändert zu haben – wohl auch durch das „Mehr“ an berufstätigen Müttern.

Väter im Kommen?

Es scheint was dran zu sein an der kürzlich erschienen Studie von Roland Berger Strategy Consultants (ich habe im Blog darüber berichtet). Es finden sich mehr und mehr Artikel zur  Frage von Vätern, die arbeiten und sich um die Kinder kümmern. Ist die Zeit schon reif dafür? Und sind die Unternehmen und Vorgesetzten gut gerüstet? Hier eine kleine Auswahl von Beiträgen der letzten Wochen:

Christian Ulmen, Schauspieler und verheiratet mit Kollegin Collien Fernandes, wird zitiert mit „Ich musste nie stärker und härter sein als als Vater“. In der Frankfurter Allgemeinen wird ein Interview mit ihm veröffentlicht. Beide Eltern arbeiten als Schauspieler. Er dreht ca. fünf Monate im Jahr – da ist seine Frau für die Tochter da. Wenn sie dreht, ist er zu Hause. Drehen beide, sind die Eltern im Einsatz, ein Aupair ist am Nachmittag da. Im Familienrat werden Angebote und Anfragen gemeinsam beraten und entschieden. Er berichtet vom Familienalltag und den Erfahrungen, als Vater seinen „Mann“ zu stehen. Da Interview finden Sie hier: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/christian-ulmen-im-interview-ueber-maennlichkeit-13709425.html

Auch in der Süddeutschen ist am 26. Juni ein Interview zu den Anforderungen an die Männer zu finden. Befragt wird Karriere-Coach Sascha Schmidt unter dem Titel „Männer haben Angst vor dem Karriereeinbruch“. Der Coach berichtet von dem derzeitig hohen Druck auf Männer, Beruf und Familie zu vereinbaren. Sein Erleben sei aber eher das traditionelle Rollenbild. Gut funktionieren die beiden „Vätermonate“, diese seien nicht karrierefeindlich. Befragt nach Vorbildern bemängelt der Coach, dass es zwar erfolgreiche Frauen gibt, die auch Mütter sind. Aber es gebe wenig bis keine männlichen Vorbilder für erfolgreich im Job und Vater. Die Arbeitgeber hätten Strukturen geschaffen für Mütter als Wiedereinsteiger. Väter bräuchten aber andere Strukturen. Das fehle heute noch.

Die Väterstudie 2015 wird von ATKearney361° vorgestellt. Das Credo dort ist „Väter nehmen Familie wichtiger als Karriere“. 81 Prozent der befragten Väter sagen, sie seien nach der Geburt der Kind/er glücklicher als vorher. Ein höheres Einkommen des Vaters beeinflusst die Glücksfaktoren positiv. Auch in diesem Artikel wird deutlich formuliert, dass die Unternehmen ihre Angebote für Vereinbarkeit an die Väter anpassen oder erweitern müssen. Wichtige Faktoren sind dabei verständnisvolle Vorgesetzte und flexible Arbeitszeitmodelle. Zur Gleichberechtigung der Eltern bei der Kinderbetreuung scheint der Weg noch weit zu sein. Hier der Link zum Artikel: http://atkearney361grad.de/debatte/vaeterstudie-2015/

Es tut sich was, wenn die Presse ein Thema in den Blick nimmt. Es wird aber wohl noch ein bisschen dauern, bis sich die Strukturen bei den Unternehmen darauf einlassen.

Arbeiten als Mutter und Karriere machen?

Einiges ist in Bewegung geraten – doch Vorurteile und gesellschaftliche Meinungen sind wohl langsamer in der Veränderung. Mir begegnen Mütter, die Karriere machen wollen und Kinder erziehen wollen – gemeinsam mit dem Partner. Bei meinen Kunden ist die Botschaft „Frauenförderung“ bzw. „Frauenquote“ angekommen. In einem Konzern wurde auf Vorstandsebene ein Netzwerk initiiert für Frauen mit Karrierechancen.

Doch was bedeutet Karriere für Mütter? In Gesprächen höre ich, dass Karriere nur Vollzeit funktioniert. Und einige Mütter realisieren das. Sie kommen nach dem Mutterschutz wieder, steigen bald wieder ein. Was passiert diesen Frauen? Teilweise sind sie in ihrem Umfeld Fragen ausgesetzt, die kein Vater hören muss. Wie sie so schnell wieder arbeiten könne, das Kind sei doch noch so klein? Wie denn die Betreuung geregelt sei, wenn sie schon wieder arbeite? Und die Mütter machen sich selbst Gedanken, teilweise aufgrund der Fragen von außen, teilweise aufgrund verinnerlichter Familien- und Mütter-Vorbilder. Gedanken, die den Wiedereinstieg oft nicht leicht machen. Gedanken, die schlechte Gefühle verursachen. Ich sage: Stopp! Wenn die Eltern ein für sich stimmiges Modell gefunden haben, ist es „wurscht“, was das Umfeld davon hält. Wenn das Kind wächst und gedeiht, ist es „wurscht“, was das Umfeld von der frühen „Fremdbetreuung“ hält. Eltern sollten selbstbewusst auftreten und für andere ihre Geschichte erzählen.

Es scheint jedoch schwer zu sein, das eigene Modell zu finden. Es scheint schwer zu sein, sich frei zu machen von gesellschaftlichen Leitbildern und Normen. Daher braucht es aus meiner Sicht viel mehr Vorbilder und Berichte über Familien, die es „anders“ machen als der Mainstream. Und dazu möchte ich beitragen. Deshalb finden Sie hier ein Interview mit Kerstin Battiany, Senior HR Business Partnerin bei Airbus:

http://atkearney361grad.de/debatte/kerstin-battiany-mutterschaft-darf-kein-show-stopper-sein/

Homeoffice und mobiles Arbeiten bei Bosch, Lufthansa und Merck

In einem Beitrag der Wirtschaftswoche findet sich eine gute Zusammenstellung, was sich bei den Großen in unterschiedlichen Branchen so tut zum Thema „flexibles Arbeiten“. Das ist einer der Faktoren, der für einen erfolgreichen Wiedereinstieg wichtig ist. Flexibles Arbeiten ist mehr als flexible Arbeitszeiten. Es geht auch um die Frage „Wo kann ich arbeiten?“.

Neben meinem Blickwinkel für einen besseren Wiedereinstieg machen Studien weitere Nutzen von freierer Wahl bei Arbeitszeit und Ort deutlich: Das Institut für Weltwirtschaft, Kiel, stellt fest, dass mit einer um 11 bis 14 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit bessere Arbeitsergebnisse entstehen.

Hier finden Sie den kompletten Beitrag: http://www.wiwo.de/homeoffice-und-beruf-wenn-der-chef-vom-sofa-aus-arbeitet/11366284.html

Eine Erkenntnis, die für die Akzeptanz des mobilen Arbeitens wichtig ist, ist: „Es muss oben anfangen.“ Wer als Vorgesetzter erwartet, dass die Mitarbeiter im Büro oder im Labor sind und durch ihre Anwesenheit zeigen, dass sie arbeiten, wird unbewusst Mitarbeiter eher demotivieren, sich Freiräume in der Frage „Wo kann ich arbeiten?“ zu nehmen.

Als ein Beispiel wird das Unternehmen Bosch angeführt. 2011 zum 125-jährigen Jubiläum wurde ein Selbsttest gestartet. 125 Führungskräfte gestalteten ihre Arbeitsbedingungen flexibel und arbeiteten z. B. vom Homeoffice aus. Denn wer die Führungsmannschaft von den Vorteilen nicht überzeugen kann, kann flexible Konzepte auch nicht nachhaltig implementieren.  Die Erfahrungen waren vielfältig und spannend. Eine hochrangige Führungskraft erfuhr, dass auch im Homeoffice Arbeitstage lang – und effektiv! – sind. Zu Lernen war auch, dass es ungewohnt ist, sich zu Meetings dazu zu schalten statt vor Ort dabei zu sein. Auch flapsige Sprüche zur Abwesenheit machte vor dieser Hierarchiestufe nicht halt.

Anfang 2014 startete die Aktion „Flexibel arbeiten, bewusst abschalten: Mobilarbeit bei BMW“. Es soll das Ergebnis zählen, nicht wo und wann es erbracht wurde.

Bei der Lufthansa wird das Pilotprojekt „LH New Workspace“ ausgeweitet. Es sind dann knapp 600 Mitarbeiter aus den Verwaltungsbereichen, die mit einem innovativen Bürokonzept und Vertrauensarbeitszeit flexibel arbeiten können. Die Gruppen der flexiblen Mitarbeiter sind auf 50 Personen beschränkt. Jede Gruppe legt mit ihrem Vorgesetzten fest, wer wann wo arbeitet. So entstünden individuelle Regelungen. Doch für eine Veränderung muss es auch in den Köpfen anders werden. Wenn die Anzahl der Mitarbeiter und die Größe des Büros zum Status gehört und Prestige vermittelt, braucht es mehr. So werden Workshops durchgeführt, um das Prinzip von Weisung und Kontrolle abzulösen.

Auch bei der Merck KGaA in Darmstadt wird der Kreis der Mitarbeiter erweitert, die in den Genuss von flexiblen Arbeitsbedingungen kommen. Nach außertariflichen Mitarbeitenden können nun auch Tarifmitarbeiter aus Forschung und Produktion bei „mywork@merck“ profitieren. Eine Umfrage im Unternehmen machte deutlich, wie attraktiv das Angebot ist.

Einige Branchen sind also auf einem guten Weg und haben erkannt, dass es nicht nur Rahmenbedingungen braucht, sondern auch einen Wandel in den Köpfen der Führungskräfte.

Roland-Berger-Umfrage zur Vereinbarkeit: ein Qualitätssprung seht an!

Für 80 % der Führungskräfte sind die deutschen Unternehmen auf die neuen Anforderungen noch nicht gut vorbereitet. Veränderte Anforderungen kommen aus der Individualisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt. Andere Veränderungen entstehen durch die „neuen Väter“ und andere Partnerschaftsmodelle. Roland Berger Strategy Consultants prognostizieren, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren immer mehr Arbeitnehmer Arbeit und Familie aufteilen wollen. Damit werden nicht nur Mütter sich um Familie kümmern und Teilzeitmodelle fordern, sondern auch Väter. Die technischen Möglichkeiten machen immer flexiblere Arbeitsmodelle möglich – und werden von den Arbeitnehmern auch erwartet.

Die Umfrage kommt mit beeindruckenden Zahlen daher: „So ist die Anzahl der erwerbstätigen Mütter mit minderjährigen Kindern von 59 Prozent im Jahr 2004 auf rund 67 Prozent im Jahr 2013 gestiegen. Zeitgleich hat sich Lage der Kinderbetreuung in Deutschland deutlich verbessert – fast jedes dritte Kind unter drei Jahren bekam 2013 einen Krippenplatz.“ (gefunden in http://www.rolandberger.de/pressemitteilungen/514-press_archive2014_sc_content/Vereinbarkeit_von_Beruf_und_Familie.html)

Der Wiedereinstieg von Müttern habe sich verbessert. Jetzt stünden die Unternehmen vor einem Qualitätssprung: Es gehe darum allen Mitarbeitenden eine bessere Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben zu ermöglichen. Das sei eine wichtige Voraussetzung, um im demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel Mitarbeitende an das Unternehmen zu binden und Wettbewerbsvorteile bei der Mitarbeitergewinnung zu haben.

Mich freut das! Wenn ein renommiertes Beratungsunternehmen über dieses Thema so eindeutige Worte findet, tut sich was. Wer mehr erfahren möchte, kann die Ideen und Thesen des Beratungshauses hier nachlesen:

http://www.rolandberger.de/media/pdf/Roland_Berger_TAB_Die_neue_Vereinbarkeit_2_0_20141211.pdf

Das Ausstiegsgespräch – was ist wichtig?

Das letzte Gespräch vor dem Ausstieg sollte von der Führungskraft gut vorbereitet sein. Schließlich ist das der letzte Eindruck, der bei der Schwangeren hinterlassen wird. Da Geburten nicht wirklich planbar sind, sollte das Gespräch auch nicht „auf den letzten Drücker“ im Terminkalender stehen. Wenn der Arbeitsplatz mit jemand anders besetzt wird, könnte die Frage der Einarbeitung mit in den Blick genommen werden – und dann ist das Gespräch eher früher nötig.

Dieses Gespräch dient auf der einen Seite dazu, Informationen für die Personalverwaltung zu erheben und rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden. Auf der anderen Seite ist der Ausstieg zu besprechen. Ein wesentlicher Punkt sollte aber sein, die Auszeit und den Wiedereinstieg anzusprechen. Diese Punkte können Sie als Checkliste für den nicht-rechtlichen Teil benutzen:

  • Wann ist der voraussichtlich letzte Arbeitstag?
  • Wie sind die Planungen zur Elternzeit?
  • Wird der Vater Elternmonate in Anspruch nehmen?
  • Je nach dem, wie lange die Elternzeit ist:
    Könnte in der Elternzeit Teilzeit gearbeitet werden?
    Könnten in der Elternzeit Vertretungen oder kurze Einsätze übernommen werden?
  • Ist mobiles Arbeiten in der Elternzeit möglich?
  • Zu welchen Veranstaltungen des Unternehmens soll in der Elternzeit eingeladen werden?
  • Ist geplant, in Voll- oder in Teilzeit nach der Elternzeit zurückzukehren?
  • Ist es gewünscht, dass nach der Elternzeit mobil gearbeitet werden soll?
  • Gibt es schon Ideen zur Kinderbetreuung?
    Gibt es Angebote des Arbeitgebers dazu?
  • Wie will man in Verbindung bleiben?
  • Was passiert mit technischen Geräten wie Laptop, Smartphone, etc. in der Elternzeit?
  • Wie wird mit dem Mail-Account in der Elternzeit umgegangen?
  • Wer wird der Pate aus dem Unternehmen für die  Elternzeit sein?
  • Gibt es einen Mentor (bereits wiedereingestiegen), der zur Verfügung steht?
  • Gibt es Weiterbildungswünsche, die in der Elternzeit angegangen werden können?
  • Wenn es eine Nachfolge oder Vertretung für den Arbeitsplatz gibt:
    Wie wird dieser eingearbeitet?
    Wie und wann wird der Arbeitsplatz übergeben?

Wichtig ist die Haltung, mit der dieses Gespräch geführt wird. Es geht nicht um feste Vereinbarungen, sondern um erste Ideen. Einige Fragen haben rechtliche Auswirkungen. So schränkt ein ruhendes Arbeitsverhältnis  Aktivitäten des Arbeitnehmers ein. Manches wird auch erst nach der Geburt klarer. Doch wer als Arbeitgeber diese Themen schon früh anspricht, stößt damit auch den Klärungsprozess früh an – und das ist für beide Seiten vorteilhaft.